Kleiner kulturhistorischer Rundgang zu markanten Punkten in der Umgebung des Schlossberges Herrenberg
Dieser Rundgang ist auch ein Beitrag zur bundesweiten Kampagne "Bewegung und Gesundheit -Deutschland wird fit, gehen Sie mit" des Bundesministeriums für Gesundheit. Hier erhalten Sie dazu weitere Informationen und Tourenvorschläge.
Hier können Sie sich einen Flyer mit einer kürzeren Beschreibung des Spaziergangs herunterladen. (Empfohlen: Ausdruck im Querformat)
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Der kulturhistorische Rundgang zu markanten Punkten in der Umgebung des Schlossberges beginnt am Parkplatz des Schlossberges, den Sie über die Strasse Am Joachimsberg und "Kuhsteige" erreichen. Von diesem Ausgangspunkt für Rundwanderungen, gehen Sie in Richtung Alter Rain und Sie befinden sich nach wenigen Metern beim ersten Ziel, der Eiche am "Roten Meer".
Die Eiche am "Roten Meer", in Knaurs Naturführer ist sie erwähnt. Sie hat ein geschätztes Alter von 350 Jahren und in Brusthöhe einen Umfang von 5.50 Meter. Sie ist der größte Baum auf der Herrenberger Markung und diente früher als "Hut-Eiche" zum Schutz des Weideviehes vor der Hitze, das über die Kuhsteige bis zum Alten Rain geführt wurde. Auch die Lämmleshalde erinnert an diese Zeit und an den Weidebetrieb. Der auf dem Hinweisschild erwähnte Kuhsteigbrunnen befand sich am Ende der Stuttgarterstrasse. Das "Rote Meer" hat keinen Bezug zum Alten Testament.
Der Volksmund hat ihn erfunden. In der mit Wasser gefüllten Mulde, lagerten hölzerne Leitungsrohre (Teuchel) für den Dekanatsbrunnen. Die Grube wurde durch das Abwasser der Straße gefüllt.
Rot gefärbt wurde die Teuchelgrube, wenn Regenwasser den von den Fuhrwerken vermahlenden roten Sandstein, der als feiner Staub auf der Straße lag, in die Grube spülte. Den roten Sandstein finden wir im hinteren Steinbruch. Dieser wurde als Straßenbelag verwendet. Für die Bürger der Stadt ein besonderes Ereignis wenn dieses, wohl auch seltenes Ereignis, eintraf.
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Zwischen "Rotem Meer" und alter Eiche gehen Sie am Randweg zurück und haben einen fantastischen Ausblick auf das Gäu. Auf der Strasse angelangt, wandern Sie gemütlich in Richtung Schlossberg, den Sie nach kurzer Zeit erreichen.
Der Schlossberg war vor 6000 - 4000 Jahre vor Christus und später besiedelt. Funde belegen dies. Die Lage des Berges lud direkt dazu ein. Es waren mittel -und jungsteinzeitliche Jäger. Im Mittelalter stand hier das Schloss des Pfalzgrafen II von Tübingen. 1807 wurde es abgebrochen. Nur der 7,70 x 7,70 Meter starke ehemalige Westturm und jetzige Aussichtsturm mit seinem innen liegenden Verlies steht heute noch. Im Turm selber ist noch die Öffnung zu sehen, wo die Gefangenen, die hier im Turm untergebracht waren, mit Hilfe einer Winde in das Verlies heruntergelassen wurden. Außen kann man noch das so genannte "Angstloch" erkennen.
Vom Turm haben Sie einen wunderbaren Blick auf Stadt und Land. Auf einer Hinweistafel, die an der Turmbrüstung angebracht ist, können Sie ersehen wie das Schlossareal im Mittelalter ausgesehen hat. Auf der anderen Hinweistafel, können Sie die Städte, Dörfer und Sehenswürdigkeiten im Gäu und auf der Schwäbischen Alb deuten. Die Stiftskirche im Rücken, erfasst Ihr Blick den Kanonenbuckel, den Sie mit wenigen Schritten erreichen. Rund 7 Meter hoch erhebt sich der Kanonenbuckel über das Schlossbergplateau. Er hat eine Ausdehnung von ca. 40 x 40 Meter. Also eine mächtige Erhebung. Wann und warum er aufgeschüttet wurde, konnte bis heute nicht geklärt werden.
An dieser Stelle wurde im 18.und 19. Jahrhundert die Hochwacht eingerichtet. Ihren Namen erhielt sie von einer Alarmkanone, die in einer Wehrhütte untergebracht und auf dem Kanonenbuckel stationiert war. Die Kanone wurde von der Hochwacht betätigt, wenn in den Dörfern des Amtes oder in der Stadt ein Feuer ausgebrochen war. Brannte es in der Stadt, wurde die Kanone sechsmal abgefeuert, bei einem Brand in einer Gemeinde im Oberamt viermal und einem weiter entfernten Feuer nur zweimal. Die Schüsse dienten dazu, die ortsübergreifende Brandhilfe zu organisieren. Später übernahmen Feuerreiter die Aufgabe. Wurde geschossen, wurden parallel auch die Glocken in der Stadt geläutet. Die Hochwacht bestand übrigens noch fort, als das Herrenberger Schloss 1807 schon geschleift war.
König Friedrich von Württemberg hatte der Stadt den weitgehend abgerissenen Pulverturm geschenkt, in einem darauf errichteten Fachwerkturm hatte der Hochwächter bis 1835 seinen Sitz. 1841 wurden zum 25. Regierungsjubiläum von König Wilhelm I. einige Linden und Eichen auf dem Kanonenbuckel gepflanzt.

Hier auf dem Schlossbergplateau können Sie Ihre Wanderung unterbrechen und im Schlosskeller auf dem Schlossberg einkehren. Bitte beachten Sie die Öffnungszeiten. Vom Kanonenbuckel aus gelangen Sie zum Birkenwegle, einem der schönsten Wege am Schlossberghang. Sie wandern, vor dem Kanonenbuckel stehend, links den Berg hinunter und stoßen nach ca. 30 Meter, rechts einschwenkend, auf das Birkenwegle. Die ersten Meter wandern wir noch auf der ehemaligen Dekanatsbrunnenleitung, die hier verlegt ist und von der Lüglenquelle gespeist wird.
Seinen Namen erhielt das Birkenwegle von den an der Seite des Weges gepflanzten Birken. Leider wurde er durch den Sturm Lothar in 2003 stark beschädigt. Heute erinnert eine neu gepflanzte Birke an den Sturm Lothar. Die Birke und die Erinnerungstafel stehen auf der linken Seite am Ende des Weges Richtung "Alter Rain".
Auf diesem romantischen Weg wandern wir wieder Richtung Parkplatz. Auf der Strasse zum Schlossberg angelangt gehen Sie sich links haltend zum Steinbruch.
Wir können im Steinbruch den Schilfsandstein erkennen, der ja den Schlossberg ausmacht. Hier in einer 10 Meter hohen Kappe ist er erhalten und hat so den Schlossberg vor Abtragungen bewahrt. Schilfsandstein entsteht durch Sandsteineinschwemmungen und stark wechselnden Flussläufen. Er ist ein beliebter Werkstein, der auch zum Bau der Stiftskirche verwendet wurde.
Ein paar Schritte noch, und Sie sind am Parkplatz, dem Ausgangspunkt Ihres kulturhistorischen Rundganges. Hier endet Ihr 3000 Schritte - Spaziergang zu markanten Punkten in der Umgebung des Schlossberges.
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Gesamte Gehzeit ca. 45 Minuten. Gesamte Strecke ca. 2,4 km. Gutes Schuhwerk wird empfohlen.
hier der Streckenplan
Text und Idee: Gästeführer Horst F. Sehorsch



