
Wie ein Ahorn aussieht, eine Buche oder eine Fichte, wissen wohl die meisten, denn diese Bäume findet man bei einem Spaziergang am oder im Wald zuhauf. Ein Tulpenbaum, eine Nikkotanne oder einen Mammutbaum in der freien Natur bei uns zu erleben, ist eher außergewöhnlich, aber möglich, denn im Haslacher Wald bei Herrenberg wachsen Bäume, die teilweise allenfalls in fernen Ländern anzutreffen sind. Der Herrenberger Forstdirektor Hansjörg Dinkelaker beschreibt das so genannte Arboretum bei Herrenberg-Haslach, das als lehrreiches und interessantes Ausflugsziel Naturfreunde anspricht.
Angelegt wurde das Arboretum im Jahr 1979/80. Ausgedacht, vorbereitet, bepflanzt und bis heute gepflegt und ergänzt wurde die Anlage durch den Rotary Club Nagold-Herrenberg mit Unterstützung der Stadt Herrenberg und des staatlichen Forstamtes. Die Kosten für Pflanzenbeschaffung und Beschilderung wurden vom Rotary Club getragen.
Die Wälder um Herrenberg sind reich an heimischen Baum- und Straucharten. Aber auch Bäume aus fernen Ländern und Kontinenten haben, wenn auch in wenigen Exemplaren, einen Platz in unserem Wald gefunden. Diese Vielfalt zu erkennen und die teilweise sehr seltenen Waldbäume und Waldsträucher zu finden, ist oft nicht leicht. Aus diesem Grunde kam Ende der 70er Jahre der Gedanke auf, alle hier wachsenden Baum- und Straucharten an einem Ort anzupflanzen, um den interessierten Waldbesuchern und den Schulen das Studium der Bäume in ihrer Vielfalt nach ihren Merkmalen zu erleichtern. Die Stadt Herrenberg stellte im Haslacher Wald eine Fläche von gut einem Hektar zur Verfügung, die damals gerade brach lag und die mit ihren Kalkverwitterungslehmen und Feinlehmen unterschiedlicher Frischestufen, breite und günstige Standortsbedingungen aufweist. Denn jede Pflanze hat nun einmal ihre eigenen und ganz spezifischen Ansprüche an den Boden.
Über 100 verschiedene Arten
Neben unseren heimischen Waldbäumen und Waldsträuchern findet man im Arboretum Baumarten aus dem Mittelmeerraum, aus Vorderasien , China, Japan und dem nordamerikanischen Kontinent. Das Arboretum wird laufend gepflegt und ergänzt. Beispielsweise ist jetzt eine japanische Sicheltanne hinzugekommen, die als Rarität gilt. Die Zahl der Arten (in der Regel sind von einer Art mehrere Exemplare vorhanden) ist auf über 100 angewachsen. In Zukunft sollen es 100 verschiedene Bäume und Sträucher sein. Besonders eindrucksvoll in ihrem Wachstum und in der bereits erreichten Größe - aber auch in ihrer Schönheit - sind die Mammutbäume. Sie stammen aus dem pazifischen Nordamerika und wer schon einmal dort war und den "General Sherman" gesehen hat, weiß, was aus einem solchen Baum werden kann: Fast zehn Meter beträgt sein Durchmesser, 84 Meter ist er hoch und seine Krone hat einen Durchmesser von 33 Metern. Nicht weit entfernt steht der Tulpenbaum, auch er aus Nordamerika, dort aber eher im Osten beheimatet. Ein Baum mit wundersamen Blüten (Name!), Blättern und dem schönen lateinischen Namen Liriodendrom tulipifera. Goethe schrieb einst ein sehr sinnreiches Gedicht über den Ginkgo ("Dieses Baumes Blatt, der von Osten meinen Garten anvertraut..."). Zwei Exemplare dieses Baumes haben sich bisher im Arboretum gehalten, immer wieder vom Frost "gebeutelt", immer wieder ausge- schlagen - hoffen wir, dass aus ihnen auch einmal große wuchtige Baumriesen werden können, wie sie in manchen unserer Parks zu finden sind und wie bereits in früher Erdzeit, im Perm, auf unserer Erde wuchsen. Aus der Zeit vor 30 Millionen Jahren, den Pliozän, sind Versteinerungen bei uns in Europa gefunden worden, während die heute lebenden Ginkgos aus den Urwäldern Chinas um den Yangtsekiang - Fluß stammen
Raritäten der Pflanzenwelt
Auch der lange nur als Fossil, also als Versteinerung bekannte "Urweltmammutbaum" steht im Arboretum. Auch er wurde im Jahr 1945 in China als lebende Pflanze entdeckt und schmückt seither mit seinen mimosenähnlichen Nadelblättern manchen Hausgarten und Park. Reizvoll ist es sicher auch für den interessierten Besucher des Arboretums, die verschiedenen Tannen-, Kiefern- und Fichtenarten zu studieren und festzustellen, dass Vogelbeere, Mehlbeere, Elsbeere und Speierling nahe verwandte Basen und dass Birne und Apfel heimische Waldbäume sind. Damit man auf lange Zeit Zweige, Knospen und Früchte betrach- ten kann, ist es im Arboretum nicht erlaubt, Zweige abzuschneiden oder gar abzureißen. Zum Betrachten, Studieren oder nur sich an der Vielfalt zu erfreuen, ist jedoch jeder eingeladen.
Den Weg zum Arboretum findet man am leichtesten vom Waldparkplatz "Schulmeisterbuche" aus. (s.a. Kartenskizze) Dieser Waldparkplatz liegt am Eingang zum "Spitalwald" an der B 28 Richtung Nagold. In knapp 15 Minuten Fußmarsch durch den ehemaligen Herrenberger Spitalwald ist man, folgt man den hübschen Holzschildern, bereits im Arboretum.
Um die Suche nach den einzelnen Arten für den Arboretumbesucher zu erleichtern, wurde am Wald, der zum Arboretum führt, eine Orientierungstafel errichtet, die den Standort der einzelnen Baum- und Straucharten aufzeigt.
Leicht erreichbar ist das Arboretum auch mit dem ÖPNV. Vom S-Bahnhof Herrenberg (Linie-S1) mit Halbstundentakt von und nach Stuttgart fahren von der Haltestelle "Kalkofenstraße" (beim Postamt) Busse in rund 5 Minuten zur Haltestelle "Schulmeisterbuche" (Buslinie 776).
Das Arboretum hat selbstverständlich keine Öffnungszeiten und kann jederzeit besichtigt werden.


