Herrenberg - Fachwerkstadt

  • Der Fachwerkpfad in Herrenberg

    Der Fachwerkpfad in Herrenberg

    Herrenberg gilt als eine der schönsten Fachwerkstädte Baden-Württembergs. Vor allem das landläufig als „fränkisch“ bezeichnete Fachwerk ist für den historischen Stadtkern charakteristisch. 1635 fielen die meisten Gebäude Herrenbergs einem verheerenden Stadtbrand zum Opfer. Nur wenige mittelalterliche (alemannische) Hausbeispiele haben sich deshalb erhalten. Dennoch lässt sich in Herrenberg sehr gut fast die gesamte Fachwerkpalette Südwestdeutschlands vom 15. bis zum 19. Jahrhundert veranschaulichen.

    Fachwerk ist eine Skelettbauweise, wobei im Allgemeinen das tragende Gerüst aus dem Baustoff Holz besteht. Das Stützwerk wird aus senkrechten, waagrechten und schrägen Konstruktionselementen gebildet. Beim Holzfachwerk werden die dazwischen liegenden Gefache mit Lehmgeflecht, mit beworfenen Stecken oder mit Bruch- und Ziegelsteinen gefüllt. Die waagrechten Träger heißen Schwelle (unten) und Rähm (oben), die senkrechten Stützen nennt man je nach Größe Ständer, Stiele oder Pfosten. Zur Stabilisierung dieses Rahmens werden schräg verlaufende Streben oder Bänder eingesetzt. Dies ist das Prinzip des Fachwerkbaus.

  • Entwicklung des Fachwerks

    Entwicklung des Fachwerks

    Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts war im deutschen Südwesten das „verblattete Fachwerk“ die Regel. Von Verblattung spricht man, wenn Streben und Ständer jeweils so tief eingeschnitten sind, dass sie an der Fassade auf der gleichen Ebene über einander zu liegen kommen. Im Volksmund wird diese Konstruktionsart als „alemannisch“ bezeichnet. Sie wurde in Württemberg durch die herzogliche Bauordnung von 1568 verboten, lebte jedoch, besonders in Dachkonstruktionen, noch einige Zeit weiter.

    Dem gegenüber bezeichnet man die jüngere Konstruktionsart traditionell als „fränkisches Fachwerk“, obwohl auch dieses nicht nur in Süd-, sondern auch in Mitteldeutschland vorkommt. Die dort angewandte Technik der Verzapfung schuf ein insgesamt elastischeres Holzskelett. An der Schnittfläche eines der zu verbindenden Hölzer wurde ein Zapfen herausgeschnitzt, der dann wie ein Keil in den Schlitz des anderen Holzes eingefügt wurde. Als um 1500 dieses Konstruktionsprinzip aufkam, war gleichzeitig durch den Zeitgeschmack der Renaissance das Verlangen nach reichhaltigen Dekorationselementen vorhanden.

    Wird das „alemannische Fachwerk“ vor allem kraft seiner statisch offen liegenden Konstruktion geschätzt, so besticht der sogenannte fränkische Fachwerktyp durch die Verspieltheit seiner Ornamentik. An dreaskreuze, Feuerböcke, Rosetten, Rauten, Schnitzwerk an Pfosten und Ständern sowie Putz intarsien sind Teil dieses reichhaltigen Formenrepertoires, das um 1600 seinen Höhepunkt erreicht hatte.

    Eine Verordnung Herzog Carl Eugens von 1744 über die Verblendung der Gebäude sollte auch der Feuergefahr entgegenwirken. Folglich wich der bislang reiche Figurenzierrat einfacheren Konstruktionen wie V- und K-Streben.

    Mitte des 18. Jahrhunderts kam das „auf Sicht“ angelegte Fachwerk aus der Mode. Wer es sich leisten konnte, baute in Stein oder verputzte sein Fachwerkhaus.

    Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Sichtfach werk als ästhetische und zugleich preisgünstige Bauweise wiederentdeckt. Es wurde deshalb zuerst für Bauwerke entlang der Eisenbahnen wie auch für öffentliche und industrielle Architekturaufgaben verwendet. Im Historismus wurde Ende des 19. Jahrhunderts bewusst auf die Ornamentik der Renaissance- und Barockzeit zurückgeriffen, wobei jedoch oftmals eine individuelle Umgestaltung vorgenommen wurde.

  • Das Prinzip des Fachwerkbaus

    Das Prinzip des Fachwerkbaus

    Fachwerk ist eine Skelettbauweise, wobei im Allgemeinen das tragende Gerüst aus dem Baustoff Holz besteht. Das Stützwerk wird aus senkrechten, waagrechten und schrägen Konstruktionselementen gebildet. Die dazwischen liegenden Gefache werden mit Lehmgeflecht, mit beworfenen Stecken oder mit Bruch- und Ziegelsteinen gefüllt. Die waagrechten Träger heißen Schwelle (unten) und Rähm (oben), die senkrechten Stützen nennt man je nach Größe Ständer, Stiele oder Pfosten. Zur Stabilisierung dieses Rahmens werden schräg verlaufende Streben oder Bänder eingesetzt.