Arbeitswelt

Nach wie vor ist es in Baden-Württemberg nicht allen Frauen möglich, ihre Existenz eigenständig durch Erwerbsarbeit zu sichern. Zwar ist die Erwerbsquote von Frauen kontinuierlich gestiegen. Das Arbeitsvolumen ist jedoch in den letzten 20 Jahren gleichgeblieben. Mehr Frauen teilen sich die gleiche Zahl an Arbeitsstunden. Zugenommen haben Teilzeit und geringfügige Beschäftigungen. Damit bleiben viele Frauen in finanzieller Abhängigkeit von anderen Menschen oder staatlicher Unterstützung. Der baden-württembergische Armuts- und Reichtumsbericht zeigt, dass Frauen in allen Altersgruppen stärker von Armut bedroht sind als Männer. Dies gilt überproportional für Alleinerziehende und Rentnerinnen.

Das Gleichstellungsbüro trägt mit Veranstaltungen, beispielsweise am Frauenwirtschaftstag, und mit der regelmäßigen Info-Veranstaltung "Ausbildung in Teilzeit" dazu bei, dass sich Rahmenbedingungen verbessern. Außerdem unterstützt das Gleichstellungsbüro berufliche Netzwerke von selbständigen Unternehmerinnen.

Frau und Führung

Zum 1. Mai 2015 trat das Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst in Kraft, das mittelfristig zum Meilenstein in der Gleichstellungspolitik werden könnte. Für Aufsichtsräte von Unternehmen, die börsennotiert sind und der paritätischen Mitbestimmung unterliegen, gilt seit 2016 eine Geschlechterquote von 30 Prozent. Seit Anfang 2021 müssen diese Unternehmen mindestens eine Frau in den Vorstand berufen, wenn ihr Vorstand aus mehr als drei Personen besteht (Mindestbeteiligungsgebot).

Führungspositionen in Teilzeit sind noch weitgehend unüblich.

Mit Unterstützung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau finden jährlich im Herbst die landesweiten Frauenwirtschaftstage statt, die jeweils unter einem Motto stehen.
Vom 13. bis 16. Oktober 2021 soll es bei den zahlreichen Veranstaltungen im Land um das Schwerpunktthema „Ch@llenge Vereinbarkeit!“ gehen.
Der Equal Pay Day markiert symbolisch den geschlechtsspezifischen Entgeltunterschied, der laut Statistischem Bundesamt aktuell 18 Prozent in Deutschland beträgt.
Angenommen Männer und Frauen bekommen den gleichen Stundenlohn: Dann steht der Equal Pay Day für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. 2021 war das der 10. März. Die Herrenberger Frauenliste und das Gleichstellungsbüro hissen am dem Tag in der Regel die Equal Pay Fahne am Marktplatz.

Eine unabhängige und zivilgesellschaftliche Initiative ist der Equal Care Day, welcher ebenfalls im März stattfindet. Er lädt Gleichgesinnte zum Zusammenschluss ein, um gemeinsam lauter und wirkmächtiger die Sichtbarkeit, Wertschätzung und faire Verteilung von Care-Arbeit einzufordern und durchzusetzen.
Die Aktionstage finden bundesweit im April statt: Schülerinnen und Schüler orientieren sich häufig an sogenannten Frauen- bzw. Männerberufen. Obwohl viele junge Frauen technisch begabt sind, streben sie selten einen technischen Beruf an. Junge Männer wählen selten einen sozialen Beruf. Deshalb öffnen jedes Jahr Unternehmen, Betriebe und Hochschulen ihre Türen, um Schülerinnen einen spannenden Einblick in Berufe anzubieten, die von Frauen selten ausgewählt werden. Mädchen können praktisch erfahren, dass sie in allen Berufen willkommen sind.
Männer fehlen in den Bereichen Erziehung und Pflege. Daher gibt es am Boys' Day die Möglichkeit, Kitas, Krankenhäuser und Senioreneinrichtungen, aber auch andere interessante Berufsfelder zu erkunden.
Weitere Informationen:
www.girls-day.de
www.boys-day.de