Ohne Gewalt leben

Für das Jahr 2019 weist die Kriminalstatistik 264 polizeiliche Einsätze wegen häuslicher Gewalt im Landkreis Böblingen aus. In 99 Fällen sprach die Polizei einen Wohnungsverweis gegenüber der gewalttätigen Person aus, denn es gilt der Interventionsgrundsatz "wer schlägt, der geht". Im Coronajahr 2020 deutet sich laut Polizeipräsidium Ludwigsburg ein leichter Anstieg bei Einsätzen sowie bei Wohnungsverweisen an. Die genauen Zahlen liegen meist erst im Herbst des Folgejahres vor.

Leicht zugenommen hat die Gewalt in Partnerschaften nach der Statistik des Bundeskriminalamts auch bundesweit: Polizeilich erfasst wurden rund 141.800 Fälle (2019). Zu 81 Prozent waren Frauen und zu 19 Prozent Männer Opfer von Partnerschaftsgewalt. Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung sind die Opfer zu über 98 Prozent weiblich, bei Stalking und Bedrohung sind es knapp 90 Prozent. Der Anteil männlicher Opfer ist bei vorsätzlicher Körperverletzung mit 20,5 Prozent sowie bei Mord und Totschlag mit 23,6 Prozent vergleichsweise am höchsten, so die Zahlen, die am 10. November 2020 von Bundesfamilienministerium und Bundeskriminalamt vorgestellt wurden. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 117 Frauen und 32 Männer durch Gewalt in Partnerschaften. Der Begriff häusliche Gewalt umfasst alle Formen der körperlichen, sexuellen und seelischen Gewalt und hat viele Facetten: schlagen, würgen, treten, schubsen, bedrohen, demütigigen, einsperren, isolieren, das Telefonieren untersagen, zu sexuellen Handlungen zwingen...

Seit 1. Februar 2018 ist in Deutschland das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, die sogenannte Istanbul-Konvention, in Kraft. Darin verpflichtet sich Deutschland auf allen staatlichen Ebenen alles dafür zu tun, dass Gewalt gegen Frauen bekämpft, Betroffenen Schutz und Unterstützung geboten und Gewalt verhindert wird. Die insgesamt 81 Artikel betreffen die Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, den Schutz der Opfer und die Bestrafung der Personen, die gewalttätig werden. Zugleich werden damit die Gleichstellung von Mann und Frau und das Recht von Frauen auf ein gewaltfreies Leben gestärkt.

Das Übereinkommen wurde am 11. Mai 2011 von dreizehn Mitgliedstaaten des Europarates in Istanbul unterzeichnet, darunter die Türkei. Bis März 2020 hatten 45 Staaten das Abkommen unterzeichnet und 34 ratifiziert. Im März 2021 trat die Türkei als erstes und bisher einziges Land aus der Konvention wieder aus.
Weibliche Genitalverstümmelung ist ein Verbrechen und eine schwere Menschenrechtsverletzung mit lebenslangen schwerwiegenden körperlichen und psychischen Folgen für die betroffenen Mädchen und Frauen. Bei der Durchführung der weiblichen Genitalverstümmelung kann es auch unmittelbar zu Todesfällen durch zu hohen Blutverlust oder durch eine schwere Infektion kommen. In Deutschland ist die Durchführung einer weiblichen Genitalverstümmelung eine Straftat, die mit bis zu 15 Jahren Haftstrafe geahndet wird.

Schutzbrief gegen weibliche Genitalverstümmelung