Demos organisieren

"Deine Stimme, Deine Straße: Wie Sie eine Demo organisieren"

Sie haben ein Anliegen, das Ihnen am Herzen liegt und möchten etwas bewegen?
Eine Demonstration ist eine kraftvolle Möglichkeit, ihre Botschaft sichtbar zu machen und die Gemeinschaft in Herrenberg und der Umgebung zu mobilisieren.
Aber wie fängt man am besten an? Welche Schritte muss man beachten? Alle Infos von der Planung über die Genehmigung bis hin zur Umsetzung bekommen Sie in unserem Interview von Fynn Rubehn. Er hat Januar 2024 die große Demo mit 6.000 Personen gegen Rechts in Herrenberg organisiert. Herrenberg erreichte damit die höchste Demonstrantenzahl pro Einwohnerzahl bundesweit.

Lassen Sie sich inspirieren und erfahren Sie, wie Sie ihre Ideen auf die Straße bringen!

Interview mit Fynn Rubehn

Weitere Infos zum Thema

Fynn ist seit 2024 für die Grünen im Herrenberger Gemeinderat und organisiert schon seit ein paar Jahren Demos für Fridays for Future oder den CSD. 
Außerdem hat er 2024 die "Demo gegen Rechts" in Herrenberg organisiert, bei der schätzungsweise 6.000 Personen teilgenommen haben.
Meistens werden Demos organisiert, um auf einen speziellen Missstand aufmerksam zu machen.
Außerdem ist eine Demonstration eine Art sein Grundrecht der Meinungsfreiheit (Art. 5 Grundgesetz) auszuleben und somit ein Ausdruck gelebter Demokratie.
Im Falle der "Demo gegen Rechts" ging es vor allem darum, auf die Gefahr durch den Rechtsruck zu reagieren und auf diesen Missstand aufmerksam zu machen.
Wichtig zu betonen ist, dass es für die Organisation von Demos keinen konkreten Ablauf gibt. Im Folgenden werden hier nur die Schritte genannt, die beachtet werden müssen, es handelt sich um keine zwingende chronologisch Abfolge.
  • Personen suchen, die  mitmachen möchten
    Bei der Organisation einer Demo ist es wichtig, dass es auch Personen gibt, die bei der Demo und vielleicht sogar bei der Planung selbst mitmachen und helfen möchten, denn eine Demonstration lebt von der Beteiligung.
  • Grundablauf planen
    Es ist wichtig, sich den Grundablauf für die Demo zu überlegen. Hierzu gehören Themen wie der Ort und die Dauer der Demo. Außerdem ist es wichtig, sich den Anlass beziehungsweise das Thema der Demo klarzumachen. Zudem wäre die Frage, wie man sich die Demo ungefähr vorstellt und ob es beispielsweise einen Demozug geben soll.
  • Technik und technische Notwendigkeiten klären
    Überlegen Sie, welche technische Ausstattung Sie benötigen. Hierzu gehören Themen wie Strom und die Anzahl der Stromanschlüsse. Es stellt sich die Frage, ob Lautsprecher, Mikros und gegebenenfalls eine Bühne benötigt werden. Zudem muss geklärt werden, was wie transportiert werden soll - beispielsweise Banner, Flyer oder andere Utensilien.
  • Anmeldung der Demo
    Die Demo muss verpflichtend bei der Stadt Herrenberg angemeldet werden. Die Anmeldung kann kostenlos online unter folgendem Link erfolgen: Demo anmelden.
    Für die Anmeldung muss folgendes geklärt sein:
    * Haftung: Wer haftet im Falle von Schäden? Hier kann es sinnvoll sein, einen Verein mit einer entsprechenden Versicherung einzubinden.
    * Demoleitung: Es muss eine Person bestimmt werden, die als Ansprechperson für die Polizei während der gesamten Zeit anwesend sein muss.
    * Ordner*innen: Wer sind die Ordner*innen, die vor Ort während der Demo für Ordnung und einen geregelten Ablauf sorgen?
    * Materialliste: Was genau wird bei der Demo verwendet? Hierzu gehören Banner, Musikanlagen, Flyer, etc.
  • Partner*innen finden
    Suchen Sie nach Partner*innen, die ihre Demo unterstützen und mitwirken. Hierzu zählen sowohl Einzelpersonen, vor allem jedoch Vereine, Bündnisse, Parteien, etc. die helfen können, mehr Aufmerksamkeit zu generieren und Ressourcen bereitzustellen.
  • Öffentlichkeitsarbeit
    Sobald die Demo durch die Stadtverwaltung genehmigt/ bestätigt wurde, ist es Zeit für Öffentlichkeitsarbeit, denn eine Demo braucht Werbung, damit möglichst viele Menschen davon erfahren.
    Öffentlichkeitsarbeit können Sie beispielsweise durch lokale Medien wie den Gäuboten, das Amtsblatt (Kontak für Privatanzeigen: Anzeigenabteilung)oder sogar die Kreiszeitung machen. Zudem lohnt es sich Social Media wie Instagram, Facebook, TikTok, X oder Ähnliches zu nutzen, um möglichst viele Personen zu erreichen. Gerne kann Ihnen das Team BE hier helfen und ihre Werbung auf Facebook und Instagram teilen.
  • Konkrete Demoplanung
    Planen Sie die Details der Demo. Hierzu gehören unter anderem folgende Punkte:
    * Redner*innen: Wer soll/ möchte bei der Demo etwas sagen?
    * Künstler*innen: Gibt es Live-Musik oder Performances? Bitte beachten Sie, dass eventuell eine GEMA-Anmeldung benötigt wird.
    * Aufgabenverteilung: Klare Rollen sind besonders bei größeren Demos notwendig. Bestimmen Sie eine Person für Öffentlichkeitsarbeit, Moderation, Organisation & Ablauf.
  • Reden und finale Absprachen
    Sobald die Demo immer näher rückt, ist es an der Zeit die Reden zu schreiben und mit den entsprechenden Redner*innen und Koordinierenden abzusprechen. Außerdem müssen die genauen Details mit den Künstler*innen, Redner*innen und dem Ordnungsamt der Stadtverwaltung Herrenberg geklärt werden.
  • Am Tag der Demo: Frühzeitig aufbauen
    Planen Sie genügend Zeit für den Aufbau ein, um Stress zu vermeiden. Planen Sie bestenfalls einen Zeitpuffer ein, denn es geht immer mal was schief und ein Zeitpuffer schafft Sicherheit. Stellen Sie zudem sicher, dass alle Beteiligten ihre Aufgaben und Zuständigkeiten kennen.
  • Absprache mit der Polizei
    Sobald die Polizei bei der Demo vor Ort ist, klären Sie wichtige Punkte wie beispielsweise besondere Hinweise oder Auflagen.
Normalerweise wird wenig bis kein Geld für eine Demo benötigt. Die Anmeldung der Demo selbst ist kostenlos.
Ansonsten können Kosten für die Zahlung von Gagen und das Bestellen von Essen bei den Planungstreffen anfallen. Viele Materialien für Demos können von Vereinen oder beispielsweise dem SJR oder dem Juha geliehen werden.
Sollte dennoch Geld benötigt werden, können Sie beim Team BE anfragen und gegebenenfallls Gelder über das Förderprogramm "Demokratie leben!" oder den Projektepool erhalten.
Nutzen Sie den sogenannten Schneeball-Effekt. Hierbei geht es darum, dass sie ein paar Multiplikatoren gewinnen, die ebenfalls Werbung für ihre Demo machen und damit Angeworbene generieren, die dann wiederum auch Werbung machen. Somit verteilt sich die Werbung wie Schneebälle in einer Schneeballschlacht immer weiter und es wird zu einer Art Selbstläufer.
Bei der Demo gegen Rechts hat Fynn zudem um die 200 Mails geschrieben, Werbung auf der Webseite oder über Plakate gemacht. Seiner Erfahrung nach passiert jedoch das Meiste durch direkte Ansprache von Personen.
Im Normalfall gibt das Ordnungsamt der Stadtverwaltung eine sicherheitstechnische Einschätzung. Je nach Einschätzung wird zusätzliche Sicherheit benötigt, meistens wird das jedoch durch die Polizei abgedeckt. Sollte es Potential für eine aggressive Gegendemo geben, setzt die Polizei zusätzliche Sicherheitskräfte ein.
Bei größeren Demos, vor allem zur heißen Jahreszeit, empfiehlt es sich zudem noch Sanitäter zu organisieren. Hierzu kann man beim DRK anfragen, diese machen dann ein Angebot.
  • Frühzeitig anfangen. Es gibt kein zu früh, um eine Demo zu organisieren und je früher man anfängt, desto weniger Stress hat man am Ende.
  • Man kann nie genug Werbung machen. Es empfiehlt sich, auf sämtlichen Kanälen Werbung zu machen. Oft empfiehlt es sich auch ein Dokument für die Presse mit allen Details und den Namen der Redner*innen zu erstellen, um Fehler zu vermeiden.
  • Fragen schadet nicht. Egal, ob Materialen oder personelle Unterstützung gebraucht werden - Fragen kostet nichts und kann sehr hilfreich sein.