How to: Stadtgesellschaft aktivieren

Ihr Thema - Ihre Stadt: Wie Sie ein Thema in die Stadtgesellschaft einbringen

Auf dieser Seite erklärt Thomas Wappler, wie man ein wichtiges Thema erfolgreich in die Stadtgesellschaft einbringt und nachhaltig verankert. Erfahren Sie, wie Sie die nötige Aufmerksamkeit gewinnen und alle relevanten Akteure mit einbeziehen.

Schauen Sie rein und lassen Sie sich inspirieren, wie auch Sie Ihre Themen wirkungsvoll und zielführend in die Stadt einbringen können!

Interview mit Thomas Wappler

Weitere Infos zum Thema

Thomas Wappler ist Diplom Ingenieur für Automatisierungstechnik (BA Stuttgart) und hat einen Master of Science in Computer Science (University of Vermont, USA). Seit 2015 ist er im Ruhestand.
Er war zudem 25 Jahre als Schatzmeister ehrenamtlich im Ortsverband der Grünen tätig und ist inzwischen Kassierer beim NABU.

Des Weiteren war er sehr aktiv beim Bürgerprojekt Streuobsterlebnis und hat hierbei verschiedene Initiativen mit unterschiedlichen Herausforderungen initiiert und unterstützt, unter anderem:
* Streuobsterlebniswochen
* Schnittgutabfuhr in den Streuobstwiesen
* Vitrinen mit Streuobstprodukten in der Unterführung bei der Volksbank
* "Lange Tafel" bei der langen Nacht der Kulturen unter dem Motto "Streuobst meets Orient"
* Bürgerbefragung "Wie kann Herrenberg den Streuobstwiesen helfen?"
* Streuobstnetzwerk
Im Folgenden werden die drei Top Tipps von Thomas Wappler kurz angeteasert. Eine genauere Erklärung finden Sie unter den einzelnen Reitern.
  • Die Story
    Um möglichst viele Personen für das eigene Thema zu begeistern, ist eine gute Story das A & O. Wichtig ist es vor allem, erst die Motivation und dann den Lösungsvorschlag vorzustellen.
  • Commitment
    Damit man sich sicher sein kann, dass eine Gruppe, ein Verein oder eine Person einen selbst wirklich beim Projekt unterstützt benötigt man ein entsprechendes Commitment. Ein Satz wie: "Das Thema ist wichtig und wir verstehen, warum es Ihnen am Herzen liegt. Melden Sie sich, wenn Sie was brauchen" ist kein richtiges Commitment.
  • Kommunikation
    Der Schlüssel zum Erfolg lautet: Kommunikation. Hierfür ist eine gute Präsentation unterlässlich.
Die Kunst einer guten Story: Eine starke Story ist das Fundament, um Personen für Ihr Thema zu gewinnen. Um Ihre Botschaft überzeugend in einer guten Story zu verpacken müssen Sie sowohl die Motivation als auch den Lösungsvorschlag einbringen.
  • Motivation: Warum ist dieses Thema wichtig?
    Im eigenen Kopf ist meistens ganz klar, was die Motivation für das Thema ist. Den Personen, die Sie für Ihre Thema begeistern möchten, fehlt jedoch oft der Kontext, um Ihre Motivation zu verstehen. Die erste Frage, die meist aufkommt, lautet dann: "Warum?" Um Menschen mitzunehmen, müssen Sie daher mit Ihrer Motivation beginnen. Was steckt hinter Ihrer Idee?
  • Lösungsvorschlag: Was könnte helfen?
    Nachdem die Motivation nun klar ist, präsentieren Sie die Lösung. Je konkreter und durchdachter Ihr Vorschlag ist, desto überzeugender wirkt er.
Fazit:
Eine gute Story beginnt mit einer starken Motivation, verknüpft diese mit einem klaren Lösungsvorschlag und zeigt konkrete nächste Schritte auf. So bringen Sie nicht nur Ihr Anliegen erfolgreich in die Stadtgesellschaft ein, sondern gewinnen auch Unterstützer*innen, die Ihre Vision teilen.
Commitment: Wie Sie echte Unterstützung für Ihr Anliegen gewinnen
Engagiert zu sein bedeutet nicht, alles alleine zu machen. Um ein Thema bestmöglich voranzubringen, brauchen Sie Partner*innen und echtes Commitment.

  • Gemeinsam stärker: Warum Partner*innen unverzichtbar sind
    Allein zu kämpfen kann inspirierend sein, aber ein Team macht den Unterschied. Es gibt zwei Hauptgründe, warum es sinnvoll ist, Mitstreiter*innen zu suchen:
    Geteilte Arbeit, größere Wirkung: In einem Team bringt jede Person unterschiedliche Fähigkeiten und Ressourcen mit. Aufgaben lassen sich verteilen, und die Belastung wird geringer.
    Betroffene zu Beteiligten machen: Besonders wichtig ist es, Vertreter*innen der betroffenen „Communities“ einzubeziehen. Sie können helfen, die Story und das Anliegen aus der Perspektive dieser Gruppen zu prüfen: „Macht das so überhaupt Sinn? Passt das zu ihren Bedürfnissen?“ Außerdem erleichtern sie den Zugang zu Netzwerken und Kontakten innerhalb der Community
  • Echtes Commitment
    Ob bei Gesprächen mit der Stadtverwaltung, Vereinen oder anderen Organisationen – freundliche Worte und allgemeine Zustimmung reichen oft nicht aus, um wirklich etwas zu bewegen. Aussagen wie „Natürlich ist das Thema wichtig, und wir unterstützen Sie, wo wir können!“ klingen gut, bleiben jedoch unverbindlich, wenn es um konkrete Ressourcen wie Zeit, Budget oder Zuständigkeiten geht.
    Deshalb ist es entscheidend, klare und greifbare Zusagen einzufordern:
    Klare Verantwortlichkeiten: Wer übernimmt welche Aufgabe?
    Konkretisierung der Unterstützung: Welche Ressourcen (Zeit, Budget, Personal) stehen zur Verfügung?
    Nächste Schritte festlegen: Was passiert als Nächstes, bis wann, und wann trifft man sich wieder?
Kommunikation. Menschen erreichen und überzeugen
Eine klare und gezielte Kommunikation ist der Schlüssel, um Menschen für Ihr Anliegen zu gewinnen – doch dieser Aspekt wird oft unterschätzt.
  • Menschen vernetzen: Die richtigen Kanäle wählen
    Um Menschen zu erreichen, kommt es nicht darauf an, wie gut man „sendet“, sondern wie gut man „gehört“ wird. Es reicht nicht, nur über Presse, Amtsblatt oder Social Media zu informieren – diese Kanäle allein decken oft nicht alle Zielgruppen ab. Stattdessen sollten zielgerichtete Kommunikationswege genutzt werden.
    Beispiel: Bei einer Aktion zur Schnittgutabfuhr in den Streuobstwiesen war die Kommunikation über zwei spezielle Kanäle entscheidend:
    Direkte Information über die betroffenen Obst- und Gartenbauvereine (OGVs). Plakate direkt in den Streuobstwiesen, wo die Maßnahme stattfinden sollte. Neben Medien lohnt es sich auch, Menschen direkt anzusprechen – ob Einzelpersonen, Vereine, Gastronom*innen oder den Einzelhandel. Direkte Vernetzung schafft Vertrauen und sorgt dafür, dass Ihr Anliegen wahrgenommen wird.
  • Die Story klar und überzeugend erzählen
    Wenn Sie die Gelegenheit bekommen, Ihr Anliegen vorzustellen, sollten Sie die verfügbare Zeit optimal nutzen. Ob auf einer Infoveranstaltung, bei Gesprächen mit Vereinen oder in Fraktionssitzungen des Gemeinderats – jede Minute zählt, und eine gute Vorbereitung ist entscheidend.
    Tipps für eine erfolgreiche Präsentation:
    Struktur und Vorbereitung: Ihre Story muss klar, vollständig und logisch aufgebaut sein.
    Visuelle Hilfen: Wenige, gut gestaltete Folien mit attraktiven Bildern und etwas Text können unterstützen.
    Flexibilität: Stellen Sie sicher, dass Ihre Story auch ohne technische Hilfsmittel (z. B. bei einem defekten Beamer) überzeugend erzählt werden kann.
    Einmal erstellte Präsentationen lassen sich immer wieder verwenden und leicht anpassen. Sie werden von Mal zu Mal besser und können zusätzlich als Handout oder zum Nachlesen verteilt werden, um weiter Interesse zu wecken.
Für die Finanzierung gibt es verschiedene Möglichkeiten und Fördertöpfe.
  • Lokale Fördertöpfe
    * Herrenberger Projektepool: Unterstützung von bis zu 500 bzw. 1.000€
    * Bürgertopf: Ermöglicht auch die Finanzierung größerer Vorhaben
    TIPP: Das Team BE unterstützt gerne bei der Beantragung beider Fördertöpfe.
  • Öffentliche Förderungen
    * Lokal: Beispielsweise durch die Bürgerstiftung, Banken oder Vereine
    * Überregional: Durch Förderprogramme von Firmen, Bund & Land
  • Förderanträge richtig verfassen
    * Sprache der Ausschreibung nutzen: Begriffe aus der Ausschreibung (z. B. „Kinder“, „Natur“) im Antrag aufgreifen.
    * Qualitative Anhänge hinzufügen: Eine ansprechende Präsentation, Referenzen oder Bilder verstärken den Antrag.
    * Kontakt aufnehmen: Sprechen Sie mit den Förderstellen, um Tipps zu erhalten, worauf besonders geachtet werden sollte.
Auch hier unterstützt Sie das Team BE gerne.
Manchmal stößt ein Anliegen bei den Verantwortlichen auf wenig Interesse oder wird nicht als dringlich angesehen. Das kann mehrere Gründe haben, wie beispielsweise:
  • Keine Priorität: Die Verantwortlichen sind der Meinung, dass es wichtigere Themen gibt. Ihr Anliegen wird als weniger relevant eingestuft, obwohl Sie es als dringend empfinden.
  • Überforderung: Oft haben Entscheidungsträger*innen das Gefühl, dass es bereits zu viele Projekte und Themen gibt, die bearbeitet werden müssen. In solchen Fällen fällt es schwer, neue Anliegen auf die Agenda zu setzen.
Diese Herausforderung ist nicht ungewöhnlich, erfordert jedoch eine gezielte Strategie:
  • Bedeutung verdeutlichen: Zeigen Sie, warum Ihr Thema wichtig ist und welche Vorteile es für die Stadtgesellschaft bringt. Verwenden Sie klare Argumente, die den Mehrwert für die Verantwortlichen und die Betroffenen hervorheben.
  • Gemeinsamkeiten betonen: Finden Sie Anknüpfungspunkte zu bestehenden Projekten oder Prioritäten. Dadurch wirkt Ihr Anliegen weniger wie eine zusätzliche Belastung und mehr wie eine sinnvolle Ergänzung.
  • Geduld und Beharrlichkeit: Es kann Zeit und wiederholte Anstöße brauchen, um Gehör zu finden. Bleiben Sie freundlich, aber konsequent in der Verfolgung Ihres Anliegens.
Mit einer guten Mischung aus Überzeugungskraft, Verständnis für die Situation der Verantwortlichen und Hartnäckigkeit können Sie auch in scheinbar überfüllten Agenden einen Platz für Ihr Anliegen finden.

Wie platziere ich ein Thema bei verschiedenen Akteuren der Stadtgesellschaft

Eine Kontaktaufnahme mit Mitgliedern des Gemeinderats ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Gemeinderät*innen Entscheidungen treffen, die Ihr Thema betreffen. 

Ihre Themen können Sie entweder durch informelle Kontakte - beispielsweise Gespräche mit Gemeinderät*innen, die Sie persönlich kennen - oder durch formelle Kontakte - indem Sie um eine offizielle Einladung zur Fraktionssitzung bitten - einbringen.

Die aktuellen Mitglieder des Gemeinderates können Sie hier einsehen: Gemeinderat

Der Gemeinderat entscheidet beispielsweise über:
  • Finanzierung durch den Bürgertopf
    Der Bürgertopf bietet die Möglichkeit, größere finanzielle Summen für Projekte zu erhalten. Da die Freigabe dieser Mittel im Gemeinderat beschlossen wird, ist es hilfreich, im Vorfeld bei einzelnen Fraktionen für Unterstützung zu werben. Das Team BE unterstützt Sie gern bei der Antragstellung.
  • Aufträge an die Stadtverwaltung 
    Wenn ein Vorhaben die Mitwirkung der Stadtverwaltung erfordert, gibt es unterschiedliche Entscheidungswege. Manche Entscheidungen können direkt von Mitarbeiter*innen, Amtsleiter*innen oder dem Bürgermeister getroffen werden.
    In anderen Fällen ist eine Entscheidung oder ein Auftrag durch den Gemeinderat notwendig.
    In diesen Situationen sollte der Kontakt zu den Fraktionen gesucht werden.
Wichtig: Seien Sie darauf vorbereitet, dass nicht jede Fraktion Sie einladen wird oder Ihr Thema sofort unterstützt. Manchmal passen Anliegen nicht zu den aktuellen Prioritäten. In solchen Fällen ist Geduld gefragt. Bleiben Sie hartnäckig und überlegen Sie, ob es sinnvoll sein könnte, das Thema zu einem späteren Zeitpunkt erneut einzubringen, wenn die Rahmenbedingungen besser sind.
Die lokale Presse ist ein wichtiges Kommunikationsmittel, das in verschiedenen Formen genutzt werden kann:
  • Leserbriefe, Notizblock und Presseberichte im Gäuboten
  • Leserbriefe und Presseberichte in der Kreiszeitung Böblinger Bote 
  • Einladung zu Veranstaltungen: Bei (Info-)Veranstaltungen sollte die Presse stets eingeladen werden. Im besten Fall wird ein Reporter einen Artikel verfassen.
  • Pressemitteilungen: Falls kein Reporter kommt, kann man selbst einen Text an die Presse senden, oft ergänzt durch ein passendes Bild (siehe Gäubote und Böblinger Bote oben).
  • Gespräch mit der Redaktion: Bei umfangreicheren Themen ist es sinnvoll, mit der Redaktion direkt zu sprechen.
  • Zusammenarbeit mit der Pressestelle der Stadt: Bei gemeinsamen Projekten mit der Verwaltung kann die städtische Pressestelle bei der Formulierung von Pressemitteilungen helfen und diese weiterleiten.
  • Informationsveranstaltungen als Kommunikationsmittel: Informationsveranstaltungen bieten die Möglichkeit, direkt und vielfältig zu kommunizieren:
    • Vielfältige Mediennutzung: Es können Sprache, Bilder und andere Medien eingesetzt werden.
    • Dialog und direkte Ansprache: Man kann mit Teilnehmern in einen Dialog treten und individuelle Fragen beantworten.
    • Präsentation: Die eigene Organisation oder Person kann direkt präsentiert werden.
Auch wenn häufig nur ein kleiner Kreis an Interessierten kommt, sind Ankündigungen und Nachberichte entscheidend. Sie tragen zur weiteren Verbreitung des Themas bei.
  • Team BE & VHS: Das Team Beteiligung & Engagement sowie die VHS haben oft nötige Ressourcen oder Netzwerke, die Ihnen bei Ihrem Thema helfen können.
  • Menschen vernetzen: Ein wesentlicher Bestandteil erfolgreicher Kommunikation ist das gezielte Vernetzen von Menschen. Hierbei kann es sinnvoll sein, direkt Einzelpersonen, Vereine, Gastronomen oder den Einzelhandel anzusprechen.