Porträts von Frauen und Männern in ungewohnten Berufen
Männer interessieren sich für Technik und Handwerk, Frauen arbeiten in Arztpraxen oder im Büro: Dieses Muster wiederholt sich Jahr für Jahr bei der Berufswahl junger Menschen in Deutschland. An der Spitze der beliebtesten Ausbildungsberufe stehen bei den jungen Frauen die medizinische Fachangestellte und die Kauffrau für Büromanagement, bei den jungen Männern seit Jahren der Kfz-Mechatroniker. Und auch an den Universitäten und Hochschulen sind technische Studiengänge männlich dominiert, während Geisteswissenschaften in der Mehrheit von Frauen gewählt werden.
Dieses Berufswahlverhalten trägt in Deutschland zu einem stark nach Geschlecht aufgeteilten Arbeitsmarkt bei. Doch Berufe haben kein Geschlecht und Menschen sind vielfältig. Ihre Stärken und Fähigkeiten sind individuell angelegt, ganz unabhängig vom Geschlecht.
In unserer Foto-Ausstellung "Rollen neu mischen" zeigen wir junge Frauen und Männer, die Ausbildungen und Berufe gewählt haben, die nicht typisch weiblich oder typisch männlich sind. Damit wollen wir jungen Menschen Mut machen, Berufe zu wählen, die wirklich zu ihnen passen – frei von Geschlechterklischees.
- Ausstellung
12 gerahmte Foto-Porträts in der Größe 50 x70 cm und ein Rahmen in derselben Größe mit dem Einführungstext und Ausstellungskonzept - 12 ergänzende Texte zu den Porträts mit QR-Code und Link zum Berufsbild (Unis, Arbeitsagentur)
- Vernissage: 14. März 2025 in der Stadtbibliothek Herrenberg im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Brot und Rosen“
Juni – Oktober 2025: Hilde-Domin-Schule - Fotos: Tatjana Vecsey, freie Fotografin
Texte: Birgit Hamm, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Herrenberg - Kontakt: Gleichstellungsbüro Stadt Herrenberg, gleichstellung(at)herrenberg.de, Tel. 07032 924-363
Beispiele aus der Ausstellung 2025
Aber wie wird man überhaupt Bürgermeisterin? Susanne Schreiber studiert zunächst Architektur, wird Stadtplanerin in der freien Wirtschaft und beginnt dann als Bauverständige bei der Stadt Reutlingen. Die klassische Laufbahn an einer Verwaltungshochschule hat sie nicht absolviert. „Ich habe mich Stufe für Stufe in der Kommune hochgearbeitet.“ Sie bewirbt sich als Amtsleiterin, dann als Bürgermeisterin in Filderstadt und 2020 in Herrenberg als Baubürgermeisterin. Laut Angaben des Städtetags sind aktuell weniger als zehn Prozent der Stadtoberhäupter in Baden-Württemberg weiblich. „Die Männerdominanz ist natürlich bei Bürgermeister-Treffen deutlich zu sehen“, sagt sie. „Das muss man als Frau schon bewusst wollen.“ Sie sieht sich deshalb als Vorbild für andere Frauen und will motivieren, sich ein kommunales Spitzenamt zuzutrauen und Verantwortung zu übernehmen.
Als er selbst Vater wird, entscheidet er mit 42 Jahren noch eine Ausbildung zu machen: Er beginnt eine praxisintegrierte Ausbildung zum Erzieher (PIA) mit einem Wechsel von Schule und Praxis, die von Beginn an vergütet ist. Seit fünf Jahren arbeitet Sebastian Weinmann in verschiedenen Herrenberger Kitas und ist mit ganzem Herzen Erzieher. „Wir bilden hier unsere Zukunft aus, das ist eine enorm wichtige und sinnvolle Arbeit“, ist er überzeugt, „auch wenn sie von manchen belächelt wird.“ Für den Kita-Alltag seien männliche Erzieher in jedem Fall eine Bereicherung: „Sie bringen andere Impulse und Ansprachen ein und fördern damit die ganzheitliche Erziehung der Kinder.“
Am 1. März 2025 hat Sebastian Weinmann die Leitung der Kita Raistinger Straße übernommen. Insgesamt arbeiten bei der Stadt Herrenberg 28 männliche und 341 weibliche Fachkräfte und Auszubildende in den 31 städtischen Kindertagesstätten (Stand 2/2025)
Inzwischen ist Nuredin Al Hammad im dritten Lehrjahr und träumt von einem Stipendium der zahnärztlichen Kammer. Damit könnte er nach einem Jahr Fortbildungen und einem bestandenen Medizinertest irgendwann sogar Zahnmedizin studieren. Einzige Voraussetzung: „Ich muss meine Ausbildung mit der Note 1,4 oder besser abschließen.“ Im Mai endet die Lehre. In seiner Klasse an der Gottlieb-Daimler-Schule in Sindelfingen ist er übrigens der einzige Mann.
„Am Anfang war es schon schwer, zum Beispiel der Reifenwechsel“, erinnert sie sich. „Aber es gibt Tricks“, ermutigt sie alle jungen Frauen, die mit dem Gedanken spielen, eine Mechatronikerinnen-Ausbildung zu machen. Und wie reagiert die Kundschaft? In der Regel seien die Kunden aufgeschlossen, aber es komme schon noch manchmal vor, dass einer sagt: „Ich will lieber mit einem Mann sprechen.“ Aber der wird dann schnell mit Fachwissen und Kompetenz eines Besseren belehrt.