01.02.2017
Eisige Temperaturen und hitzige Telefonate

Viel Schnee, Frost und gefährliches Blitzeis fordern den Winterdienst der Stadt heraus

Der Winterdienst fordert jedes Jahr alle Beteiligten heraus. Schnee oder Glätte im Verzug? Dann gilt es, 259 Straßen innerhalb kürzester Zeit „klar zum Fahren“ zu machen. Mit detaillierten Einsatzplänen, einem eingespielten Team und bestens gerüsteten Fahrzeugen stellen sich die Technischen Dienste dieser Aufgabe. Wobei Wunsch und Wirklichkeit, Bürger-Anspruch und Machbarkeit nicht an allen Stellen zusammengehen.

„Weg mit Eis und Schnee von Herrenbergs Straßen und Wegen“, lautet gemeinhin der Wunsch und der Anspruch an den Winterdienst der Stadt. Das Team um Bauhofleiter Rolf Bühler steht unter Dauerbeobachtung und weiß um seine Verantwortung. Pro Schicht sind insgesamt sechzehn Mann im Einsatz - mit drei Großfahrzeugen, vier Gehweg-Räumgeräten, neuerdings acht Schneeschippen (der Handräumtrupp erhielt Verstärkung) und dazu der Hofdienst, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Jeder im Team rückt „seinem Stück“ Schnee und Eis beherzt zu Leibe. Ergänzt und unterstützt wird der städtische Winterdienst von einigen externen Dienstleistern, darunter ein weiterer Fahrer mit Großfahrzeug. Alle Abläufe greifen heuer wieder gut ineinander. Und so lautet das Zwischenfazit bei den Technischen Diensten: „Alles im grünen Bereich.“ Eine Einschätzung, die nicht alle Bürger teilen.

Des einen Freud, des andern Leid
Erst kräftiger Schneefall, dann anhaltender Frost. Dieses Jahr macht der Winter seinem Namen alle Ehre. Was für die einen ein wunderschöner Anblick ist, stellt für andere ein lästiges und mitunter schwieriges Hindernis dar, sobald der Weg vor die eigene Haustür führt. Doch auch wenn das Winterdienst-Team schon in der Frühe ab 4.30 Uhr seiner nicht ungefährlichen Mission nachkommt und Straße um Straße für mehr Verkehrssicherheit sorgt: Überall gleichzeitig können die Männer nicht sein, um den Schnee zur Seite zu räumen und glatte Straßen und Wege frei zu streuen.

Überdies fallen längst nicht alle 560 Straßen (plus Wege) in den winterdienstlichen Zuständigkeitsbereich der Stadt. Und abtransportieren können die Winterdienstler das rutschige, von einigen Bürgern als sehr lästig empfundene Weiß erst recht nicht. „Natürlich achten alle darauf, beispielsweise keine Hof- oder Garageneinfahrten zu blockieren. Aber irgendwo müssen wir den Schnee hinschieben“, erläutert Bühler.

Blitzeis am Montag
Am vergangenen Montagmorgen gab es dann die nächste Herausforderung: Blitzeis. „Unser Beobachtungs- und Weckdienst stand ab frühmorgens Gewehr bei Fuß. Der Regen setzte aber erst nach 7 Uhr ein. Unsere Männer sind dann gleich los“, berichtet Stefan Kraus, Leiter der Technischen Dienste. Blitzeis entsteht, wenn der Regen auf gefrorenem Boden fällt und dort sofort gefriert; es wird gefährlich glatt. „Blitzeis verhindern können wir nicht. Vorsorglich zu streuen bringt kaum etwas“, fügt Kraus hinzu. Eine Tatsache, die viele nicht wissen und zum Telefon greifen lässt.

Drähte laufen heiß
Allein seit Jahresanfang sind über 40 Anrufe bei den Technischen Diensten eingegangen. Jeder möchte vor seiner eigenen Haustür schnee- und eisfreie Straßen haben, und das möglichst rund um die Uhr. „Manchmal erschließt sich tatsächlich nicht auf den ersten Blick, warum die Nachbarstraße geräumt wird, wohingegen die eigene Wohnstraße weiß und rutschig bleibt“, erklärt Sybille Brockmüller, die im Büro der Technischen Dienste die meisten Reklamationen entgegennimmt. Eins ums andere Mal schaut sie dann auf den Plänen nach Lage und Klassifizierung der angemahnten Straßen und Wege und erläutert dem Anrufer, warum „seine“ Straße aus städtischer Sicht bleibt, wie sie ist – weiß, ungeräumt und ungestreut.

Drei Kategorien
Zuerst werden die Hauptverkehrs- und Durchgangsstraßen mit hohem Gefahrenpotenzial – 116 an der Zahl - geräumt und gestreut. Klassifiziert als „verkehrswichtig und gefährlich“ liegt auf diesen Straßen und Flächen die höchste Räum- und Streupriorität. Ortsdurchfahrten, Bushaltestellen, große Kreuzungen und die Citybus-Route fallen in diese erste Kategorie, dazu wichtige Zubringerstraßen wie zum Bahnhof, zum Krankenhaus, zu den Schulen, den Kitas und anderen städtischen Gebäuden (die Stadt kommt hier ihren Anliegerpflichten nach!).
Erst wenn hier überall freie Fahrt und freier Weg gewährleistet ist, widmet sich der Winterdienst der zweiten Kategorie: Insgesamt 143 Straßen sind entweder als „verkehrswichtig“ oder als „gefährlich“ eingestuft. Die Sammelstraßen in den Wohngebieten sind ein gutes Beispiel für die zweite Kategorie. Übrigens ist die Stadt hierzu nicht verpflichtet, möchte aber mit diesem freiwilligen Service möglichst vielen Herrenbergern das winterliche Vorwärtskommen erleichtern. Alle anderen Straßen fallen unter die dritte Kategorie. Sie bleiben weiß.

Weißer Winterdienst ist gewollt

Dieser sogenannte weiße Winterdienst für die untergeordneten Straßen ist keine Erfindung der Stadt. Er entspricht nicht nur den gesetzlichen Anforderungen, sondern wird auch ausdrücklich von den verschiedensten Interessensgruppen, Verbänden und Institutionen empfohlen. Exemplarisch seien hier das Umweltbundesamt und der ADAC genannt.
Wer sich genau über die derzeit geltenden rechtlichen Grundlagen des Winterdienstes informieren möchte, kann diese im Blog der Technischen Dienste nachlesen. Neu im Blog der aktuelle TDH-Talk - fünf TDH-Mitarbeiter diskutieren über die Tücken des Winterdienstes.

Rechtliche Grundlagen: tdh-aktuell.herrenberg.de/rechtliche-grundlagen-winterdienst
TDH-Talk Winterdienst: http://tdh-aktuell.herrenberg.de/tdh-talk


Ihr Ansprechpartner für weitere Fragen:
Stefan Kraus
Leiter der Technischen Dienste
Telefon 07032 942416
E-Mail s.kraus@herrenberg.de