Chancengleichheit

Chancengleichheit wird definiert als der gleiche Zugang zu Lebenschancen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion, kultureller Zugehörigkeit, Behinderung oder sozialer Herkunft. Mit Blick auf die Gleichstellung bedeutet dies, dass alle Geschlechter die Freiheit und den gesellschaftlichen Raum haben sollten, um sich privat und beruflich verwirklichen zu können. Gleichstellung mit dem Ziel der sozialen Gerechtigkeit nutzt allen Menschen gleichermaßen und wirkt sich positiv auf die Lebensqualität aus. Die Chancengleichheit für Frauen betrifft vor allem die Bereiche "gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit" und eine Berufswahl frei von Rollenstereotypen. Ein Mehr an Zeit für Beruf und Karriere setzt eine gerechtere Verteilung der Familien- und Sorgearbeit voraus.

Die Vorteile der Gleichstellung für Männer liegen darin, dass sie mehr Zeit für Familie und Kinder gewinnen. Sie haben dadurch weniger Druck, die Rolle des klassischen Versorgers einnehmen zu müssen und können - vergleichbar den Frauen - einen Beruf unabhängig von Rollenbildern wählen. Flexible Arbeitszeitmodelle und eine gut ausgebaute Kinderbetreuung sind wichtige Voraussetzungen, damit eine geschlechtergerechte Gesellschaft gelingt.

Chancengleichheitsgesetz

Mit dem neuen „Gesetz zur Verwirklichung der Chancengleichheit von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst in Baden-Württemberg“ von 2016 will die Landesregierung das berufliche Vorankommen von Frauen in der Verwaltung gezielt fördern und die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf verbessern. Ein Schwerpunkt der Neufassung liegt in der gesetzlichen Verankerung von Gleichstellungsbeauftragten im kommunalen Bereich. Die Kommunen werden stärker in die Pflicht genommen, die Gleichberechtigung zu fördern und voranzubringen. Stadt- und Landkreise sowie Gemeinden mit einer Einwohnerzahl ab 50.000 müssen eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte bestellen. Die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten sollen die Frauenförderung in den Kommunen vorantreiben und einen entscheidenden Teil zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst beitragen.

Chancengleichheit in Politik und Stadtverwaltung

Im aktuellen Herrenberger Gemeinderat sind 13 Frauen und 19 Männer vertreten. Es fehlt also noch ein Stück zur Parität.

Im baden-württembergischen Landtag sind 45 weibliche Abgeordnete und 109 männliche Abgeordnete vertreten: Der Frauenanteil beträgt damit 29,2 Prozent (Stand April 2021, Quelle: Landeszentrale für Politische Bildung). Baden-Württemberg liegt damit bundesweit im Mittelfeld. Führend ist der Stadtstaat Hamburg mit 43,9 Prozent Frauenanteil, Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt mit 21,8 Prozent.
Das Gleichstellungsbüro der Stadt Herrenberg feiert 2021 sein 20-jähriges Bestehen. 2001 wurde die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten eingerichtet. Der Gleichstellungsbeirat, den es zuvor gab, wurde aufgelöst.

Das Gleichstellungsbüro erarbeitet 2021 einen Leitfaden für eine faire, geschlechtergerechte Sprache für die Stadtverwaltung Herrenberg. Die Erstellung eines Chancengleichheitsplans steht für 2022 auf der Agenda.