Rückblick & Inhalt zum Nachlesen
Gemeinsam mit der theaterpädagogischen und künstlerischen Leiterin Tanja Egeler-Stephan, der städtischen Quartiersmanagerin und Projektleiterin Leah Stange und Regieassistentin Valerie Gaedicke, entwickelte das Ensemble das Stück. Die Schauspielgruppe bestehend aus sieben Erwachsenen und drei Kindern probte seit Mai 2023 regelmäßig, inklusive eines Probenwochenendes.
Gemeinsam definierte die Gruppe wichtige Orte in Herrenberg. Es sollten sowohl die schönsten Plätze als auch die weniger schönen darunter sein. Zudem sollten alle Spielstätten barrierefrei zugänglich sein. Für jeden Ort hatte sich ein dominierendes Thema ergeben. Diese wurden aufeinander abgestimmt und in eine Reihenfolge gebracht. So entstand schließlich die Route für das Wandertheater.
Startpunkt der ersten Szene war die Bahnhofsunterführung. Die zahlreich erschienenen Zuschauer:innen, ausgestattet mit Kopfhörern und Klappstühlen, lauschten der Unterhaltung dreier Frauen, welche die schönen und schlechten Seiten Herrenbergs thematisierten, darunter auch den Mitmachstadt-Charakter Herrenbergs. Während die eine bereits das Glas der Vitrine putzte, war die andere noch mit einer Schimpftirade beschäftigt. Unterbrochen wurde sie jedoch von einer schwärmenden Ur-Herrenbergerin. Gemeinsam ließen sie das Publikum Lieblingsorte in Herrenberg anhand von Fotos auswählen, die dann direkt in der Vitrine aufgehängt wurden.
Und dann ging es auch schon weiter zum Otto`schen Garten wo in der nächsten Szene eine Qi Gong-Gruppe einem beharrlichen Herrn eines Meinungsforschungsinstituts ehrliche Antworten zur Lebensqualität in Herrenberg gab. Doch sogleich wurde die Frage “Warum leben Sie gerne in Herrenberg?” weitergegeben ans Publikum, das die Antworten auf bunte Zettelchen an einen Baum hängen konnte, wo sie auch jetzt noch zu sehen sind.
Auf dem Marktplatz, als dritte Station, ging es um die Kommunikation mit der Verwaltung. Eine „Feedback-Kummerkasten-Wunschmaschine“ brachte nicht den gewünschten Erfolg, weshalb das Anliegen über die allseits bekannte „Stille Post“ durch das Publikum an den „Vertreter der Stadtverwaltung“ übermittelt wurde.
Müll und Recycling waren die Themen der nächsten Station im Interkulturellen Gemeinschaftsgarten. Hier wurden die Zuschauer:innen mit Blumen und Blumensamen in recycelten Gefäßen bedacht.
Die letzte Szene auf dem Schlossberg machte die Diversität der Darstellenden und die damit einhergehenden Meinungen zu und über Herrenberg deutlich. Alle Darstellenden treten mit ihrem Eindruck von Herrenberg nach vorne und beenden den Satz “Herrenberg ist für mich…” ganz individuell. Sehr nahegehend war das Statement von Ensemble-Mitglied Olena Boyko aus Mariupol, die diese Woche zurück in die Ukraine geht: „Herrenberg ist für mich die Rettung meiner Seele“.
Nach dem tosenden Schlussapplaus konnten sowohl das Ensemble als auch die Zuschauer:innen bei herrlichem Spätsommerwetter den Nachmittag bei Essen und Getränken auf dem Schlossberg ausklingen lassen.
Psssst... In der Ausstellung Kunst im Klosterhof können die Highlights des Stücks auf Fotografien eingesehen werden.