Die Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert, die Gässchen und Plätze der Altstadt sind zum Markenzeichen Herrenbergs geworden. Die historische Altstadt mit der dichten, kleinteiligen Bebauung und der steilen Topografie tragen allerdings zu einem Investitions- und Modernisierungsstau bei und führen unter anderem zu leerstehenden Ladenlokalen und Wohnungen, vielen Barrieren im öffentlichen Raum sowie sommerlichen Hitzeinseln. Diese und weitere Herausforderungen geht die Stadt unter Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern der Stadtgesellschaft an.
Die aktuelle Herausforderung besteht darin, zeitgemäße und notwendige Entwicklungen in der Altstadt voranzubringen, dabei attraktiven Wohnraum zu schaffen, den Handel zu stärken, Klima- und Denkmalschutz zu berücksichtigen und gleichzeitig das historische Erbe zu bewahren.
Für die bevorstehenden vielschichtigen Transformationsprozesse erarbeitete die Stadt ein Rahmenkonzept, das Ziele und die Ausrichtung der Innenstadtentwicklung für die nächsten Jahre definiert. Dafür wurde nicht nur die Altstadt innerhalb der historischen Stadtmauer berücksichtigt, sondern der Untersuchungsbereich auf die Altstadtschale erweitert. Die Umgebung und der Zugang ins Herz der Stadt soll dadurch attraktiver gestaltet werden.
Dafür wurde ein 'Runder Tisch Innenstadt‘ mit verschiedenen Akteuren ins Leben gerufen, mit denen gemeinsam die Perspektiven erarbeitet wurden. Eigentümer und Mieter von Altstadtimmobilien, Gewerbe- und Stadtmarketingverein, Inklusionsvertreter, Investoren, Senioren- und Jugendvertretungen und anderen gehörten der Runde an.
Bis Ende 2022 wurde die Situation analysiert sowie Entwicklungsziele formuliert. Im Juni 2023 wurde ein Rahmenkonzept, das die Leitlinien und Schwerpunkte für die weitere Innenstadtentwicklung festlegt, im Gemeinderat beschlossen. Die darin beschriebenen Projekte und Maßnahmen sollen durch externe Planungsbüros erarbeitet werden.
An erster Stelle stand dabei die Novellierung der Altstadtsatzung. Die Gestaltungssatzung aus dem Jahr 1985 setzt detaillierte Vorgaben für bauliche Veränderungen innerhalb der Altstadt fest und stellt diese unter besonderen Genehmigungsvorbehalt. Damit trägt sie dazu bei, das charakteristische Gesicht und die Maßstäblichkeit der Herrenberger Altstadt zu bewahren.
Als Maßnahme sieht das Rahmenkonzept zudem die Durchführung eines Planungswettbewerbs und eine Leitplanung für eine neue, identitätsstiftende Gestaltung der öffentlichen Räume in der Altstadt vor. Durch eine Aufwertung der öffentlichen Räume soll die Aufenthaltsqualität und die Wohnqualität deutlich gesteigert werden. Das Amt für Stadtentwicklung lobte daher einen Planungswettbewerb zur Gestaltung der öffentlichen Räume mit einem Realisierungs- und einen Ideenteil aus. Die Wettbewerbsaufgabe sah für die Bereiche Rose-Platz, Place de Tarare mit Schulstraße und der Hirschgasse konkrete Entwurfsideen vor. Für die zentralen Verkehrsachsen Tübinger Straße, Stuttgarter Straße, Bronngasse und dem Marktplatz wurden Ideen für eine künftige identitätsstiftende Gestaltung gefordert.
Im Rahmen eines sogenannten Verfügungsfonds standen Ende 2023 Gelder zur Verfügung, mit denen kleine Projekte finanziert werden konnten, die von der Stadtgesellschaft durchgeführt wurden. Gefördert wurden Ideen, die zur Belebung der Innenstadt beitrugen. Voraussetzung war, dass die Projekte im Geltungsbereich des Rahmenkonzepts durchgeführt wurden und es sich um keine Daueraufgaben handelte. Eine 100% Förderung war möglich. Antragsberechtigt waren natürliche und juristische Personen. Durchgeführt wurden neun Projekte, die alle zur Belebung der Altstadt beigetragen haben.
Die Stadt erhält dafür eine Förderung aus dem Bundesprogramm "Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren" des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.