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Stadtluft verbessern: Modellvorhaben in Herrenberg stehen fest


Als eine von bundesweit fünf Kommunen hat Herrenberg jetzt Fördermittel des Bundes zugesagt bekommen, die dazu eingesetzt werden, die Luftqualität in der Stadt zu verbessern. Dank dieser Finanzspritze in Höhe von voraussichtlich mehr als drei Millionen Euro kann schnell ein Maßnahmenbündel geschnürt werden, das den Nahverkehr verbessert und verbilligt sowie den Verkehrsfluss an den Hauptverkehrsadern verstetigt. Damit soll vor allem der zu hohe Stickoxidgehalt der Luft spürbar gesenkt werden. Vorgesehen ist außerdem eine App, die den schnellsten und umweltfreundlichsten Weg zu einem Ziel in Herrenberg aufzeigt.

Alle Maßnahmen sind Bestandteile des Integrierten Mobilitätsentwicklungsplans für Herrenberg. „Wir freuen uns, dass dank der Fördermittel aus Berlin die Umsetzung für diese Maßnahmen jetzt sofort starten kann“, erklärt Tobias Meigel, der als Erster Bürgermeister der Stadt Herrenberg das Baudezernat leitet.
 
Nachdem Ende Juni erste Details des Förderprogramms angekündigt wurden, hat die Stadt Herrenberg bei der Bundesregierung sieben Projektskizzen eingereicht. Derzeit befindet sich der Bund in der Schlussphase der Prüfung der eingereichten Projekte. Bereits jetzt steht fest: Die Förderquote ist mit 95 Prozent besonders hoch und macht den Weg frei für eine schnelle Umsetzung in der Stadt. „Trotzdem steht vor dem Start jeder Baustelle eine fachlich fundierte Planung und die politische Entscheidung des Gemeinderats“, wirft Meigel ein. Das Modellprojekt läuft über zwei Jahre, 2020 endet das Vorhaben mit einer Evaluation der Maßnahmen. Folgende Maßnahmen sind für Herrenberg geplant:

Schluss mit Stop-and-go

Der Stickoxidausstoß von Autos ist vor allem beim Anfahren und Beschleunigen hoch. Deshalb zielt ein Maßnahmenpaket darauf, den Verkehrsfluss durch eine dynamische Beschränkung des Tempos zwischen 20 und 40 km/h auf den Hauptachsen und eine intelligente Verkehrslenkung zu verstetigen. An den folgenden Streckenabschnitten werden elektronische Tafeln jeweils anzeigen, bei welchem Tempo die grüne Welle gleichmäßiges Fahren ohne überflüssiges Abbremsen und Anfahren erlaubt:
  • B 296 Tübinger Straße – Hasenplatz – Hindenburgstraße zwischen der Kreuzung Beethovenstraße/Marienstraße und dem Reinhold-Schick-Platz (einschließlich)
  • B 296 Nagolder Straße zwischen Reinhold-Schick-Platz und der Kreuzung Mühlstraße/L1362/Schießtäle (einschließlich)
  • B 14 Seestraße zwischen Kreuzung Daimlerstraße/Stuttgarter Straße (einschließlich) und Reinhold-Schick-Platz
  • L 1184 Horber Straße von der Kreuzung Schillerstraße/Vogelsang (einschließlich) bis Reinhold-Schick-Platz
  • B 296 Mühlstraße zwischen Kreuzung Mühlstraße/L1362/Schießtäle und Kreuzung K 1047 Zeppelinstraße (einschließlich).
Auch das geplante LKW-Durchfahrtsverbot wird über die elektronischen Tafeln angezeigt.
 
Stop-and-go-Verkehr wird auch ausgelöst durch das Ein- und Ausparken und durch Linksabbieger. Deshalb werden Längsparkplätze an den folgenden Straßenabschnitten stillgelegt:
  • Horber Straße stadteinwärts zwischen Erhardtstraße und Schillerplatz
  • Horber Straße stadteinwärts zwischen Schillerstraße und Alzentalstraße
  • Hindenburgstraße in Richtung Tübingen vor dem Modehaus Zinser
  • Hindenburgstraße in Richtung Tübingen  zwischen der Bushaltestelle Volksbank und der Einmündung Moltkestraße.
 
Die frei werdende Fläche wird teilweise für den Radverkehr genutzt.
 
Das Linksabbiegen wird an den folgenden Punkten nicht mehr möglich sein:
  • Horber Straße in die Bismarckstraße aus Richtung Reinhold-Schick-Platz
  • Bismarckstraße in die Horber Straße
  • Aus dem Parkplatz zwischen Horber und Nagolder Straße in die Horber Straße

Messflotte für „saubere Luft“

In Zusammenarbeit mit der Firma Bosch werden Fahrzeuge mit einem Gerät ausgerüstet, das das Fahrverhalten analysiert. Dadurch kann der Stickoxidausstoß berechnet werden. Außerdem werden die Zusammenhänge zwischen Geschwindigkeit, Beschleunigen und Halten einerseits und Schadstoffen andererseits genau erfasst und können entsprechend ausgewertet werden.

Freie Fahrt für Busse

Die Busse sollen schneller an ihr Ziel kommen. Dazu werden Busspuren eingerichtet:
  • Horber Straße zwischen der Einmündung Walther-Knoll-Straße und der Einmündung Alzentalstraße in Fahrtrichtung Reinhold-Schick-Platz
  • Mühlstraße bei der Kauflandkreuzung: Rechtabbiegerspur wird Busspur. Rechtabbiegerverkehr rückt dafür auf die mittlere Spur.

Besser und billiger: der öffentliche Nahverkehr

Ein dritter Bus soll das Angebot der bisherigen Citybuslinien verbessern. Zusätzlich werden Linientaxis eingeführt: Kleine Busse, die das Angebot verbessern und auch in den Abendstunden auf vier Linien nach einem festen Fahrplan unterwegs sind. Die Linientaxis ersetzen das Ruftaxi und schaffen eine regelmäßige Verbindung zwischen der Innenstadt und den Stadtteilen.  
 
Der Stadtbusverkehr soll insgesamt günstiger werden. Bisher wird der Einzelfahrschein subventioniert. Künftig sollen stattdessen das Monatsticket und das Tagesticket billiger werden. Das Tagesticket soll drei Euro kosten und das Monatsticket um 20 Euro billiger werden.

Smart vernetzt zu zukunftsfähiger Mobilität

Mit einer App für mobile Endgeräte wie Smartphones will Herrenberg die Mobilitätsberatung einfach und bequem nutzbar machen. Dazu erklärt Bürgermeister Meigel: „Es gibt viele Verkehrs-Apps. Solche, die den nächsten Zuganschluss kennen oder wissen, wo gerade ein Stau ist. Herrenberg will eine kommunale Mobilitäts-App anbieten, die über alle Verkehrsmittel wie S-Bahn, Fahrrad und Auto hinweg und über die Gemeindegrenzen hinaus den schnellsten Weg von A nach B kennt.“ Hinzu kommen die Organisation von Mitfahrgelegenheiten und Fahrtgemeinschaften.

Zeitplan der Umsetzung

Das Projekt startet sofort, denn die Förderung ist auf die kommenden zwei Jahre begrenzt. „Nach den Sommerferien steigen wir in die Planung ein und informieren die direkt Betroffenen ebenso wie alle Interessierten in einer Veranstaltung und mit Texten, die wir online und offline zur Verfügung stellen“, erklärt Meigel. Unter www.herrenberg.de werden regelmäßig aktuelle Informationen veröffentlicht.
 
Erster sichtbarer Bestandteil des Projekts ist die Messflotte, die noch im Herbst mit den Zusatzgeräten ausgestattet wird. Ebenfalls noch 2018 können die Längsparkplätze stillgelegt werden, die nach dem Umbau Platz für Radfahrer oder Busspuren bieten. Die Busspuren können gleichfalls bereits im Herbst provisorisch eingerichtet werden. Im Jahr 2019 werden die baulichen Maßnahmen dann geplant und umgesetzt und auch die Verkehrslenkung wird größtenteils 2019 starten können. Der zusätzliche Bus ist 2019 startbereit und die günstigen Tages- und Monatstickets stehen dann auch zur Verfügung. Die App soll ebenfalls 2019 abrufbar sein.
 
Die Fördermittel des Bundes erlauben es, Maßnahmen aus dem Integrierten Mobilitätsentwicklungsplan (IMEP) vorzuziehen. Der IMEP selbst wird parallel weiterentwickelt. Für das Frühjahr 2019 sind unter anderem Maßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs geplant.
 
Weitere Informationen und Materialien:
Alles zum Projekt
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