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Von Glücksspiel bis Platzverweis


PM257: Dieter Bäuerle wird Amtsleiter
Der neue Leiter des Herrenberger Ordnungs- und Standesamts, Dieter Bäuerle, vor seiner Wirkungsstätte, dem Oberamt.

Ab 1. September ist Dieter Bäuerle Chef des Ordnungs- und Standesamts. Bereits im März 2018 hatte ihn der Gemeinderat einstimmig zum neuen Amtsleiter und zum Nachfolger von  Hans-Peter Rapp gewählt. Eine längere Einarbeitungszeit braucht Bäuerle sicher nicht: Seit 1982 war er als stellvertretender Amtsleiter im Einsatz und kennt sich bestens aus mit Recht und Ordnung.
 
Bewährt ist auch die Kraft, die künftig Dieter Bäuerles ehemaligen Posten übernehmen wird. Sabrina Eberhardt betreute drei Jahre als Sachbearbeiterin das Rechtswesen der Stadt, ab 1. September ist sie die Stellvertreterin Bäuerles. Obgleich die Stellen nach einem kompletten Bewerbungsverfahren letztlich intern besetzt wurden, bedeutet das nicht, dass alles beim Alten bleibt. Bereits seit Monaten tüftelt Dieter Bäuerle an einer neuen Organisationsstruktur für das Ordnungs- und Standesamt, ein Konzept mit mehr als 40 Seiten hat er erstellt. Die sogenannten Fallzahlen wie Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle, die etwa das Standesamt betreffen, sind in Herrenberg kontinuierlich gestiegen, das Personal nicht, erklärt Bäuerle. „Wir schaffen das nur, weil wir langjährige, erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben.“ Gleiches gilt etwa auch für die Bürgerdienste und die Bezirksämter, denn Herrenbergs Einwohnerzahlen weisen ebenfalls nach oben, sprich die Arbeit wächst. „Ich muss meine Mitarbeiter auch schützen, damit sie nicht verheizt werden“, sagt Bäuerle, „außerdem müssen wir uns für die Zukunft wappnen, wenn die eine oder andere Mitarbeiterin in den Ruhestand geht.“

Neue Organisation des Amts

Doch nicht nur den Stellenplan hat Bäuerle im Blick, auch das Amt mit seinen vielfältigen Aufgaben soll neu organisiert werden: So ist etwa eine eigene Straßenverkehrsabteilung geplant, bei der die bisher verteilten Aufgaben gebündelt und auch die Verkehrsüberwachung und die Bußgeldstelle angedockt werden sollen. Hinzu kommen prozentuale Stellenaufstockungen in verschiedenen Bereichen. Intern sieht der neue Amtsleiter Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation: Künftig will er mit einer regelmäßigen E-Mail und mehr Teamsitzungen die 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Amt informieren.

Abgegeben hat er das Amt als Leiter des Bezirksamts Haslach, bis auf weiteres übernimmt dies Sabrina Eberhardt. Und bei der nächsten Personalratswahl wird er sich nicht  mehr aufstellen lassen. „Das verträgt sich nicht mit einer Führungsposition“, ist er überzeugt und sieht mögliche Interessenkonflikte seiner künftigen Position als Arbeitgebervertreter mit der Personalratstätigkeit.

Menschliche Schattenseiten

Das Ordnungsamt habe einen gewissen „Suchtcharakter“, meint Bäuerle fasziniert. Für Außenstehende vielleicht schwer nachvollziehbar, sei die Aufgabenbreite von Bußgeld und Baustellen bis hin zu Glücksspiel und Waffenrecht sehr vielfältig. „Die Unwägbarkeiten machen es spannend.“ So kann es passieren, dass er am Montagmorgen erstmal einen Platzverweis aussprechen muss, weil es in Herrenberg zu handgreiflichen Ehestreitigkeiten gekommen ist und die Polizei vor Ort war. Schlagende Ehemänner und seltener auch Ehefrauen, Glückspielsüchtige oder auch „nur“ aufgebrachte Autofahrer: Nicht selten offenbaren sich in Bäuerles Amt die Schattenseiten der menschlichen Seele. Begeistert erzählt er von Waffen- und Spielhallenkontrollen und sogar einem Bestechungsversuch in früheren Zeiten. Doch neben der menschlichen Seite, interessiert den Diplomverwaltungswirt vor allem auch die rechtliche Seite. Hier kann er sich „reinfuchsen“ bis ins kleinste Detail. So war Herrenberg beispielsweise eine der ersten Kommunen, die das Landesglücksspielgesetz umsetzte und drei von vier Spielhallen die für den Weiterbetrieb notwendigen Konzessionen versagt hat. Die Besitzer legten Widerspruch ein, momentan laufen die Prozesse.

Gründlichkeit und Erfahrung

„Der Bäuerle ist ein 150-Prozentiger“ sagen Kritiker, wenn er kommt und etwa die Abnahme vor einem Vereinsfest macht. Aber: Vielleicht braucht man genau diese Gründlichkeit gepaart mit langjähriger Erfahrung und einem „breiten Kreuz“ auf dieser Stelle. Auf Aussagen wie „es wird schon alles gutgehen“ und „es ist noch nie was passiert“ will sich der Amtsleiter nicht verlassen. Das Unglück bei der Loveparade in Duisburg 2010 hätte gezeigt, wohin „organisierte Verantwortungslosigkeit“ führen könne. Deshalb nimmt es Bäuerle auch gelassen hin, wenn er mitunter als „Griffelspitzer“ oder „Paragraphenreiter“ gilt, wie jüngst, als die Bestimmungen für die Außengastronomie in der Altstadt kritisiert wurden. „Wenn ein Feuer ausbricht und die Feuerwehr kommt nicht durch oder auf dem Stadtfest eine Panik ausbricht, dann ist das in hohem Maße sicherheitsrelevant“, sagt er. Deshalb werden im Ordnungs- und Standesamt Extremsituationen theoretisch durchgespielt und dafür Sicherheitskonzepte erstellt. „Ich will nicht, dass jemand zu Schaden kommt, weil ich etwas versäumt habe.“

Spannende Zeiten stehen an

Im September feiert Dieter Bäuerle seinen 60. Geburtstag, trotzdem suchte der Haslacher nochmal die Herausforderung als Amtsleiter. „Ich fühle mich fit und es stehen spannende Zeiten an.“ So wurde Herrenberg zu einer der fünf Modellstädte ernannt, die beispielhaft Maßnahmen zur Senkung des Stickoxidgehalts in der Luft erproben sollen. Dies betrifft natürlich in starkem Maß auch die Verkehrslenkung und -steuerung, für die Bäuerle ebenfalls verantwortlich ist.  Außerdem stehen im Mai 2019 die Kommunal- und Europawahlen an, die aufwendigsten Wahlen überhaupt. „Das wird eine Maximalherausforderung“, weiß Bäuerle. Bange ist ihm indes nicht. Entspannung sucht der passionierte Wanderfreund in der Natur, die er gerne fotografiert, und in seinem Garten. Dass dafür in den nächsten Monaten genug Zeit bleibt, ist ihm zu wünschen.