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Ärger vermeiden und den Sommer genießen


Laue Sommernächte und fröhliche Partys, leckeres vom Grill und Rauchgeruch, lautstarke Gartenarbeit am Mittag und Musik in den kühlen Abendstunden – all das bringt der Sommer mit seinen hohen Temperaturen und langen Nächten mit sich. Damit das nachbarschaftliche Verhältnis nicht beeinträchtigt wird, gilt es sich an die Regeln für das Zusammenleben zu erinnern.
 
In den letzten Wochen gehen bei Dieter Bäuerle im städtischen Ordnungsamt wieder vermehrt Beschwerden ein. „Die Sommerhitze bringt wie in jedem Jahr auch häufigere Hinweise mit sich, wenn sich Anwohner durch Lärm, Gerüche oder Rauch belästigt fühlen“, weiß Bäuerle. Sei es das laute Rufen und Anfeuern beim Fußballspielen auf dem Bolzplatz, der brummende Rasenmäher im der Mittagszeit oder laute Musik bei der abendlichen Feier, Anlässe bietet der Sommer viele.
 
Die Regeln für das Zusammenleben geben hier einen klaren Rahmen vor. Sie sind in der polizeilichen Umweltschutzverordnung der Stadt Herrenberg festgeschrieben. So dürfen Musikinstrumente, Fernseher und Radios etwa nur so laut sein, dass andere sich nicht erheblich belästigt fühlen. Vor allem bei offenen Fenstern, in der Nacht und am Wochenende ist besondere Rücksicht geboten. Außerdem kommt es darauf an, wann und wie lange die Beschallung stattfindet.

Allgemeine Ruhezeiten beachten

Im nachbarlichen Verhältnis gilt hier immer die allgemeine Nachtruhe, die werktags von 22 bis 6 Uhr festgelegt ist. An Sonn- und Feiertagen gelten darüber hinaus die Zeiten von 6 bis 9 Uhr, von 13 bis 15 Uhr und von 20 bis 22 Uhr als besonders störungsempfindlich. Für die zulässige Lautstärke gibt es Richtwerte, deren Höhe vom jeweiligen Gebietstyp abhängt  und in reinen Wohngebieten, Klinik- und Kurgebieten am niedrigsten ist. „Im Zweifelsfall hat übrigens derjenige Unrecht, der meint, die Nachbarn sollten halt die Fenster schließen, um ihre Ruhe zu haben. Denn gemessen wird der Lärm immer vor dem geöffneten Fenster“, erklärt Bäuerle. 
 
Hartnäckig hält sich laut Bäuerle das Gerücht, dass besondere Anlässe oder einmalige Ausnahmen das Stören der Nachtruhe rechtfertigen und die Nachbarn dies aushalten müssen. „Das Motto ‚Einmal ist keinmal‘ ist schlichtweg falsch. Dafür gibt es keinerlei Grundlage“, sagt Bäuerle.

Mittagszeit ist gleich Ruhezeit? 

Die Annahme, dass in der Mittagszeit ebenfalls besondere Regeln gelten, stimmt zum Teil. Spiel- und Bolzplätze dürfen zum Beispiel generell täglich zwischen 8 und 22 Uhr benutzt werden. Andere Nutzungszeiten mit Ruhepausen bereits ab 20 Uhr oder in der Mittagspause gelten nur noch an einzelnen Spielplätzen in unmittelbarer Nähe der Wohnbebauung. Hier stehen dann entsprechende Schilder.
 
Für den Einsatz von Werkzeugen und Geräten zur Haus- und Gartenarbeit gilt die Mittagszeit zwischen 12.30 Uhr und 14.00 Uhr durchaus als Ruhezeit in der die Ruhe anderer nicht gestört werden darf. Das gleiche gilt abends und nachts von 20 bis 8 Uhr.
 

Rasenmähen ist meistens erlaubt

Was bedeutet das nun für den Rasenmäher des Nachbarn? Hier wird die rechtliche Situation nun für den Laien langsam unübersichtlich, räumt Dieter Bäuerle ein, und erklärt: „Durch eine bundesrechtliche Vorschrift (Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung) sind unter anderem für Rasenmäher, die die europarechtlichen Vorgaben erfüllen – und das sind inzwischen praktisch alle gängigen Modelle – nur noch Ruhezeiten werktags zwischen 20 und 7Uhr, sowie an Sonn- und Feiertagen (ganztägig) zu beachten. Eine Mittagsruhe in Wohn- und Sondergebieten gibt es nach dieser Vorschrift insbesondere noch für Freischneider, Grastrimmer, Kantenschneider, Laubsammler und Laubbläser. Und eben für sonstige lärmintensive Haus- und Gartenarbeiten, die nicht unter diese Spezialvorschrift fallen.“ Das feiertagsrechtliche Verbot typisch werktäglicher Arbeiten, die öffentlich bemerkbar und geeignet sind, die Ruhe des Tages zu stören, gilt an allen Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen ergänzend – und zwar ebenfalls ganztägig.

Im Zweifel lieber Rücksicht üben

Dass die Regelungen über den Lärmschutz während der Mittagsstunden nicht mehr umfassend gelten, sollte jedoch niemanden daran hindern, die Mittagsruhe auch dann – freiwillig – einzuhalten, wenn es nicht mehr ausdrücklich vorgeschrieben ist, empfiehlt Bäuerle. „Die Nachbarschaft wird es in jedem Fall dankbar annehmen.“ 
 
Dasselbe gilt auch für andere Bereiche, für die es keine Vorschriften gibt, wie zum Beispiel das Grillen im Vorgarten oder auf dem Balkon. „Darüber streiten sich Jahr für Jahr Nachbarn vor Gericht. Das Urteil hängt im Einzelfall oft von der Art der benutzten Grills und dem jeweiligen Abstand zwischen den streitenden Parteien ab.“
 
Die Orientierung an den oben genannten Verhaltensregeln sollte helfen, unterschiedliche Bedürfnisse in Einklang zu bringen. Daneben appelliert Dieter Bäuerle an die Menschen, auch mal ein Auge zuzudrücken. „An warmen und hellen Sommerabenden sind wir doch alle gerne draußen und niemand sitzt dabei still vor sich hin. Tolerierbare Lautstärke, Rücksicht nehmen und die Nachbarn vorher informieren hilft dabei viel. Im Zweifelsfall hat aber die Nachtruhe Vorrang.“