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Neue Wege für die Stadtmobilität


Mehr als zwei Jahre lang haben Gemeinderat und Verwaltung, Expertengruppen und Bürgerschaft intensiv gemeinsam an einem zukunftsfähigen Mobilitätskonzept für Herrenberg gearbeitet. Das Ergebnis liegt jetzt vor und soll im Mai verabschiedet werden, damit die Umsetzung der Maßnahmen starten kann.
 
„Damit haben wir den Weg aufgezeigt, wie wir unser Ziel erreichen, nämlich ein gut funktionierendes Mobilitätsnetz in Herrenberg aufzubauen, das den Umstieg von einem Verkehrsmittel auf das andere erleichtert und sich positiv auf die Lebensqualität und Attraktivität in der Stadt auswirkt“, betont Oberbürgermeister Thomas Sprißler. Denn: Stau, Lärm und schlechte Luft an den Hauptstraßen gehören auch in Herrenberg zum Alltag. Damit dieser Wandel gelingt, müssen mehr Menschen  umweltverträgliche Fahrzeuge wie Bus, Rad oder Bahn, Elektromobilität und vor allem eine smarte Kombination der unterschiedlichen Verkehrsmittel nutzen als bisher.
 
Der integrierte Mobilitätsentwicklungsplan (IMEP 2030) nimmt den Verkehr als Ganzes in den Blick und stellt die Bedürfnisse der Menschen an erste Stelle. Baubürgermeister Tobias Meigel erläutert: „Die Stadtmobilität der Zukunft bezieht alle Wege und Verkehrsmittel mit ein: Fuß-, Rad- und Autoverkehr sowie Öffentlichen Nahverkehr. Hinzu kommt die Förderung neuer Mobilitätsformen, wie etwa die Elektromobilität. Stadtentwicklung heute orientiert sich an Werten wie Lebensqualität, Ökologie und Klimaschutz. Die „autogerechte Stadt“ mit ihrem Fokus auf möglichst große Hauptverkehrsstraßen war gestern.“

Strategische Ziele angehen


Das Mobilitätskonzept bestimmt die strategische Ausrichtung der Verkehrspolitik und -Planung für die nächsten zehn bis 15 Jahre, definiert die Ziele und beschreibt die Maßnahmen, um sie zu erreichen. Das ganzheitliche Konzept gilt für alle Formen der Mobilität und für die gesamte Stadt. Es bringt ganz konkrete Schritte in eine zeitliche Ordnung und nennt als groben Kostenrahmen für die Umsetzung die Summe von 60 Millionen Euro.
 
Zu den wichtigsten Zielen gehören die Ausweitung der Angebote und die Veränderung der Infrastruktur, damit die Menschen im Alltag tatsächlich mehr umweltfreundliche Verkehrsmittel nutzen und das Auto öfter stehen lassen. Fast 60 Prozent der Menschen sind heute in Herrenberg mit dem Auto unterwegs, etwas über 40 Prozent mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln wie Rad und Bus. Dieses Verhältnis zu verändern, damit beide Verkehrssysteme etwa gleich stark vertreten sind, ist das ambitionierte Ziel der neuen Herrenberger Stadtmobilität. Die Reduktion des Autoverkehrs auf den Hauptverkehrsachsen soll eine bessere Gestaltung und Entwicklung der Stadt ermöglichen. Die Kernstadt soll für alle Altersgruppen gut erreichbar sein und barrierefreie, sichere, attraktive und leistungsfähige Wege bieten, die Mobilität für alle Nutzergruppen garantieren. Außerdem wird die Mobilitätspolitik der Stadt nachhaltiger und umweltfreundlicher. Ein Teil der Maßnahmen ist bereits durch das Projekt „Stadtluft verbessern“ realisiert, das Herrenberg als Modellkommune im Auftrag der Bundesregierung durchführt.

Ziele und Maßnahmen


In der Erarbeitungsphase des Mobilitätskonzepts hat das beauftrage Büro brennerBERNARD aus Aalen in mehreren Experten- und Bürgerrunden die heutige Verkehrslage analysiert, Probleme und Handlungsfelder beschrieben, Ziele definiert und konkrete Maßnahmen zur Lösung vorgeschlagen. In Szenarien und Verkehrsmodellen haben Planer die Wirksamkeit dieser 48 Vorschläge überprüft und sie thematischen Kategorien zugeordnet. Seine volle Wirkung entfaltet der Mobilitätsplan aber erst im Zusammenspiel aller Maßnahmen. Die Kernpunkte sind die Schaffung eines besseren Radwegenetzes, sichere und angenehme Fußwege, Verbesserungen im Angebot von Stadtbus und Bahn, eine optimale Verkehrslenkung und –steuerung auf den Hauptstraßen, ein neu organisiertes Parksystem und die Förderung innovativer, nachhaltiver Ansätze und der Elektromobiliät.

Rad- und Fußwege verbessern


Der Radverkehr soll durch ein Sofortprogramm zur Ausbesserung der bestehenden Radwege attraktiver werden. Die IMEP-Analyse zeigt, dass etwa 60 Prozent der Bevölkerung am Radfahren intressiert, aber um die Sicherheit besorgt sind. Durch Bildung eines Innenstadtrings und attraktiver Zubringerrouten aus den Stadtteilen will die Stadt diese potenziellen Radfahrer zum Umsteigen animieren. Dazu trägt weiter das Schließen von Lücken im Radwegenetz und die Einrichtung von Fahrradstraßen bei. Hinzu kommen neue Wegweiser und Fahrradständer. Beim Fußwegenetz ist ein neues und erweitertes Fußgängerleitsystem geplant. Barrierefreie Fußgänger- und Radfahrerquerungen am Reinhold-Schick-Platz und den Hauptverkehrsachsen plus eine Fußgängerzone in der Horber Straße (zwischen Bismarckstraße und Reinhold-Schick-Platz) sollen den Fußgängern bessere bedingungen bieten. . Ein Kleinbus soll als neue Altstadt-Linie den Marktplatz barrierefrei erreichbar machen.

ÖPNV fördern


Beim Stadtbus sind zentrale Maßnahmen durch das Modellprojekt „Stadtluft verbessern“  bereits umgesetzt: Günstige Tickets, der dritte Bus und bessere Verbindungen in die Stadtteile sind seit Jahresbeginn Realität. Weiter geht es mit neuen Linien und durchgehendem 30-Minuten-Takt sowie mit neuen Verbindungen ins Alzental und nach Herrenberg-Süd. Vorfahrt für den Bus an der Ampel, elektronische Anzeigetafeln mit Fahrgastinformationen in Echtzeit, ein barrierefreier Busbahnhof und der 15-Minuten-Takt bei der S-Bahn ergänzen das Paket.

Verkehr verflüssigen


Im Straßenverkehr sollen dynamische Tempolimits den Verkehr besser steuern – auch dieses Vorhaben wird im Zuge des  Modellstadtprojekts bereits vorbereitet. Die Durchfahrt durch das Wohngebiet Alzental zu stoppen und die bereits 2015 grundsätzlich beschlossene  Entlastungstrasse in der Innenstadt als Bahndurchstich (sogenannte Variante i3opt) zu bauen, komplettieren diesen Bereich.

Modernes Parksystem


Ein neues System soll das Parken in der Stadt neu ordnen. Zu den ersten Ansätzen gehört ein dynamisches Parkleitsystem, das den Verkehr zu freien Parkplätzen lenkt, sowie die Einrichtung von vier Tarifzonen mit einheitlicher Regelung und einer kostenlosen ersten Stunde. Ein bequemeres, digitales Bezahlsystem soll für Herrenberg passend noch entwickelt und umgesetzt werden, ein Ende des unkomfortablen Bezahlens der Gebühren am Anfang liegt bei Planern und der Verwaltung im Fokus.
 
Der autofreie Graben sowie die Einführung von Parkgebühren und Anwohnerparken in Wohngebieten sollen weitere Verbesserungen bringen. Zwei neue Parkhäuser auf beiden Seiten des Reinhold-Schick-Platzes sind bereits im Fahrplan Innenstadt verankert und sollen in diesem Zusammenhang realisiert werden. Die Standortfrage des Parkhauses östlich des Reinhold-Schick-Platzes, das bislang als Park- und Geschäftshaus in der Hindenburgstraße neben der Volksbank vorgesehen ist, wird voraussichtlich ein Bürgerentscheid klären.


Auf einen Blick


Faltblatt zur Stadtmobilität (PDF)