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Hüter der Herrenberger Stadtgeschichte


Am 29. März 2019 jährt sich der Todestag des ersten hauptamtlichen Herrenberger Stadtarchivars zum zehnten Mal. Von 1960 bis 1985 war Traugott Schmolz der Hüter der Herrenberger Stadtgeschichte. Insbesondere „seine“ Stiftskirche und das Schloss lagen ihm am Herzen.
 
Traugott Schmolz wurde am 23. September 1922 aus medizinischen Gründen in Stuttgart geboren. Seine Eltern Wilhelm und Maria, geb. Ulmer, stammten aus Herrenberg bzw. Kayh und wohnten seit 1917 in der Spitalgasse 17. 1923 war die Familie mit der Geburt der Schwester Hedwig Lydia komplett.
Schmolz selbst heiratete 1950 in Herrenberg Frida Murschel. Nach dem Besuch der Volks- und Gewerbeschule hatte Schmolz zunächst Sattler oder Tapezierer werden sollen, wandte sich aber aufgrund einer chronischen Erkrankung dem Malen und Zeichnen zu, das er sich selbst beibrachte. Eine Ausbildung zum Dekorationsmaler konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht beenden.
 
Akribischer Landschaftsmaler
Er malte akribisch und detailgetreu Häuser, Staffeln und Gassen, aber auch Landschaften in und um Herrenberg. Auch mit seiner Fotoausrüstung war er oft in seiner Heimatstadt unterwegs, um das Stadtbild und dessen Veränderungen zu dokumentieren. Durch Plakatmalerei und Dekorationen verdiente er sich teilweise seinen Lebensunterhalt. Auch Entwürfe von Fahnen, Logos, Programmen und später der städtischen Weihnachtskarten stammten von ihm. Und noch nach seinem Eintritt in den Ruhestand unterstützte er beispielsweise die Verantwortlichen der Stadt Herrenberg im Jahr 1990 bei der Gestaltung eines Festwagens für die “Fête des Mousselines” in der Partnerstadt Tarare.
Bei dieser intensiven Beschäftigung mit der Stadt und ihrem Erscheinungsbild wurde offenbar auch sein Interesse für die Geschichte geweckt, so dass ihm durch die Bürgermeister Jakob Schroth (1937-1945) und Heinz Schroth (1953-1985) mehrfach ein Blick in die Chronik des Herrenberger Vogtes Gottlieb Friedrich Heß (1697-1761) gewährt wurde. Dies hatte Folgen: Bis zu seinem Tod sollte Schmolz sich voller Engagement der Erforschung und Dokumentation der Stadtgeschichte widmen.
 
Erster Herrenberger Stadtarchivar
1947 saß Traugott Schmolz als zunächst ehrenamtlicher Ortschronist in dem vom Bürgermeisteramt gebildeten Ausschuss für Kultur- und Heimatpflege und wurde mit den Vorbereitungen zum Aufbau der Herrenberger Volkshochschule betraut. Zum 1. Januar 1949 übernahm er zudem offiziell die Führung der Ortschronik von Wilhelm Niethammer, der diese Aufgabe seit 1923 erledigt hatte. Ab dem 1. Oktober 1960 wurde er aufgrund seiner profunden Kenntnisse in der Herrenberger Stadtgeschichte – gleichwohl ohne archivarische Ausbildung, was damals freilich üblich war – offiziell zum Herrenberger Stadtarchivar bestellt. Die Stelle füllte er mit viel Herzblut bis zum 31. Januar 1985 aus und hinterließ der Stadt überall sichtbare Spuren seines Engagements, sei es im Bereich der Fachwerkfreilegung, bei der Sanierung der Innenstadt und besonders bei den Baumaßnahmen und Renovierungen der Stiftskirche und deren Dokumentation. Zudem sammelte er nicht nur Exponate als Grundstock für ein von ihm erträumtes Heimatmuseum im Fruchtkasten, sondern rettete auch – wie man sich erzählt – Unterlagen, z. B. Teile des Archivs des VfL Herrenberg, vor der Altpapiersammlung.
 
Symptomatisch für Traugott Schmolz’ Akribie und seine Liebe zum Detail scheint sein jahrelanges Bemühen um die Rückkehr des im Zuge der Sanierung der Stiftskirche verschwundenen Vogels am nordöstlichen Stützpfeiler der Sakristei, dessen Dokumentation ihm vor der Einrüstung nicht mehr gelungen war. Leider erlebte Schmolz die Realisierung seines sehnlichen Wunsches nicht mehr – der durch die Herrenberger Künstlerin Linde Wallner entworfene und von Peter Glasbrenner gegossene Vogel konnte erst nach seinem Tod im Sommer 2009 an seinem ursprünglichen Standort platziert werden.

Traugott Schmolz beim Basteln seines Herrenberger Schlossmodells aus Pappe
Traugott Schmolz beim Basteln des Herrenberger Schlosses aus Pappe.

Herausgeber von Chroniken und Bildbänden
Traugott Schmolz hat nicht nur mit seinen Gemälden, Zeichnungen und Skizzen, sondern auch mit zahlreichen Publikationen Bleibendes für Herrenberg hinterlassen: 1983 veröffentlichte er in Zusammenarbeit mit dem Kirchentellinsfurter Fotografen Manfred Grohe einen ersten Bildband über Herrenberg, 1987 dann die Monografie „Herrenberg – Chronik einer Stadt“, die längst vergriffen ist. 2003 schließlich publizierte er als Band 7 der Reihe „Herrenberger Historische Schriften“ die Ergebnisse seiner Forschungen über das Schloss, die auch in ein maßstabsgerechtes Schlossmodell zum Nachbasteln mündeten.
Traugott Schmolz war seit 1984 Ehrenmitglied des inzwischen aufgelösten Heimatgeschichtsvereins für Schönbuch und Gäu, seit 2003 Ehrenmitglied des Vereins zur Erhaltung der Stiftskirche e.V. und bereits seit 1985 Träger der Bürgermedaille der Stadt Herrenberg in Gold. Im Stadtarchiv liegt sein umfangreicher künstlerischer und privater Nachlass, und auch seine in seiner Dienstzeit angelegten Handakten sind dort einsehbar.
 
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