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Landschaftspflege mit Biss


Im Stall von Schäfer Paul Lemke war in den vergangenen Wochen schwer was los: Das Ablammen hat begonnen, langsam aber stetig gewinnt der Nachwuchs die Oberhand. Zahlenmäßig haben sie die trächtigen Muttertiere inzwischen überholt und auch was die Neugierde anbelangt, sind die Lämmchen schon jetzt ganz vorne mit dabei.
 
Zeitgleich zum Ablammen stand für den Rest der Herde der „Frühjahrsputz“ auf dem Programm: Impfen, Ohrmarken-Kontrolle, Maniküre, Pediküre - das volle Programm. Schließlich sollen die Schafe gut gerüstet ins neue Wanderjahr gehen, das in diesen Tagen beginnt.
 
Dank den milden Temperaturen können der Altinger Schäfer und seine Herde früher als in den Vorjahren den Stall verlassen und sich auf den Weg in Richtung Schönbuchhang machen. Dort finden die wolligen Vierbeiner frisches, schmackhaftes Gras auf den Flächen, die Schäfer Paul Lemke für die Grundstücksbesitzer beweidet. Er arbeitet also im Auftrag der Stadt Herrenberg und von Privatleuten, die es aus Zeitmangel oder aufgrund der extremen Steilhanglage kaum schaffen, ihr Grundstück alleine zu bewirtschaften.
 
Gewinn für beide Seiten

Von einer klassischen „win-win“-Situation spricht Jürgen Baumer, Umweltbeauftragter der Stadt Herrenberg. „Die Besitzer erhalten ein Rundum-Sorglos-Paket. Sie müssen sich nicht mehr selbst abplagen und trotzdem verbuscht ihr Grundstück nicht. Und Schäfer Lemke bekommt eine zusammenhängende Weidefläche.“ Augenzwinkernd spricht der Umweltbeauftragte der Stadt im Zusammenhang mit der Schafbeweidung von einer „Pflege mit Biss“. Die Beweidung sei die „natürlichste Art der Landschaftspflege“, sie fördere die Artenvielfalt auf unnachahmliche Art und Weise - nicht nur in der Pflanzen-, sondern auch in der Tierwelt. „Auf dem selten gewordenen Mager- und Trockenrasen entsteht auch mal ein Ameisenhügel und der lockt wiederum Spechte an“, nennt Jürgen Baumer ein Beispiel. Ein anderes: Durch den zurückgedrängten Bewuchs kommt mehr Licht auf die Wiese, was allerlei seltenen Orchideenarten gefällt. „Die Schafbeweidung ist einfach die ökologisch wertvollere Alternative zum Mulchen“, bringt es Baumer auf den Punkt.
 
Nicht nur im Ammertal sind Schäfer Lemke und seine Schafe unterwegs. Sein Einzugsgebiet erstreckt sich über den kompletten Westhang des Schönbuchs. Beginnend bei Kayh und Mönchberg, über das Gültsteiner Baumfeld bis hin zum Roten Meer auf dem Schlossberg hoch über Herrenberg. Von dort wandert die Herde traditionell über die Schafwäsche am Ende des Mähdertals und über das Goldersbachtal durch den Schönbuch bis nach Reusten. Von dort geht es über den Kochartgraben zurück ins heimische Altingen – und die Tour beginnt von neuem.
 
Weitere Weideflächen gesucht
Gerne beziehen die „fleißigen Mitarbeiterinnen“ von Schäfer Lemke künftig weitere Weideflächen in ihren Rundgang ein. Haben Sie ein Grundstück, das im genannten Einzugsgebiet liegt? Haben Sie Freude daran, ihre Wiese auf natürliche Art zu erhalten und pflegen zu lassen? Dann nehmen Sie Kontakt auf mit dem Umweltbeauftragten der Stadt, Jürgen Baumer.
 
Weitere Informationen zur Schafbeweidung auf Herrenberger Gemarkung enthält ein Flyer, der in den Bezirksämtern von Mönchberg, Kayh und Gültstein ausliegt und der an der Infotheke des Bürgeramtes am Marktplatz erhältlich ist.

Landschaftspflege mit Biss