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Wenn’s im Wald plötzlich „Muh“ macht


Rinder im Schönbuch? Worüber sich mancher Waldbesucher dieser Tage womöglich wundert, darauf freuen sich die Wald-Fachleute schon seit Wochen: Der von langer Hand vorbereitete Start der Waldweide ist Ende Juni geglückt, seither ist der Herrenberger Wald um eine Attraktion reicher.
 
Die fünf Galloway-Rinder haben den Umzug ans Sauhägle gut gemeistert, berichtet der Leiter des Kreisforstamts, Reinhold Kratzer, der zugleich Initiator des Waldweide-Projekts im Stadtwald Herrenberg ist. Zufrieden wiederkäuend sieht man die Tiere jetzt auf der lichten Waldfläche im hohen Gras, das in diesem Jahr erst spät, dann aber in großer Fülle  gewachsen ist. So erklärt sich auch der relativ späte Auftrieb der Tiere. Zwischen Sträuchern und jungen Bäumen finden die Tiere nun reichlich Nahrung. An drei Tränkteichen und am Sommerbach, der unterhalb der Freßeiche durch die Waldweide-Fläche läuft, können die Rinder ihren Durst stillen. Am Kayhersträßle etwa haben Spaziergänger nun gute Chancen, einen Blick auf die Rinder zu erhaschen. Auf der rund sieben Hektar großen Fläche bleiben die Tiere, solange das Futter reicht, denn zugefüttert wird auf der Waldweide nicht.
 

 
Historisch bedeutende Waldnutzungsform


Die fünf Galloways machen in den Sommermonaten eine historisch bedeutende Waldnutzungsform für die Besucher des Naturparks Schönbuchs sicht- und erlebbar. „Zurück zu den Wurzeln lautet das Motto hier im Stadtwald“, erläutert Bürgermeister Stefan Metzing, der sich über die neue Attraktion freut, von der Tiere, Pflanzen und Menschen profitieren. In der Ortschronik von Gültstein, die anlässlich der 1250-Jahr-Feier entstanden ist, wird die historische Bedeutung der Waldweide beschrieben. Über einen langen Zeitraum war die Waldweide für Mensch und Tier eine prägende Waldnutzungsform. So gab es im Jahr 1714 im Schönbuch (ohne den Bebenhäuser Klosterwald) 15.046 Stück Weidevieh in 117 Herden, wie forstgeschichtliche Dokumenten belegen. Im Gegensatz zu damals umgibt heute ein solar-gespeister Elektro-Zaun die Waldweide-Fläche. Dieser wurde im Mai 2019 von einer auf Weidezäune spezialisierten Fachfirma aus der Region erstellt und funktioniert tadellos, wie Reinhold Kratzer berichtet.
 

Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen


In diesem kleinen Bereich entsteht nun wieder ein lichter Weidewald, der selten gewordenen Tieren und Pflanzen als Lebensraum dient. So war bereits in diesem Frühjahr der Laubfrosch an einem der drei Tränkteiche zu hören, und lichtliebende Vogelarten, wie den Gartenrotschwanz, den Star und den Mittelspecht hat Winfried Seitz beobachtet, der für diesen Bereich zuständige Forstrevierleiter des Kreisforstamts Böblingen. Auch der dort vorkommende Hirschkäfer und die 13 im Stadtwald Herrenberg nachgewiesenen Fledermausarten werden von den lichten Strukturen in der Waldweide profitieren.
 

Augenweide für die Waldbesucher


Neben der hohen Bedeutung für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und der daraus resultierenden Biodiversität stellt die Waldweide aber insbesondere für die Besucher des Stadtwalds Herrenberg im Naturpark Schönbuch eine Bereicherung dar. „Eine Waldweide ist auch eine Augenweide“, sagt Reinhold Kratzer. Auf den rund sieben Hektar Waldweide-Fläche haben die Galloways viele Möglichkeiten, sich je nach Witterung und Tageszeit aufzuhalten und es gibt auch kleinere Bereiche, in denen sie von Waldbesuchern nicht gesehen werden können. Der weitaus größte Teil der Fläche ist aber aufgrund der günstigen örtlichen Gegebenheiten von den Waldwegen Kayhertalsträßle, Ludwig-Volz-Sträßle und Urschelrainweg aus einsehbar. Der Bau einer Beobachtungsplattform zur besseren Beobachtung und das Anbringen von Infotafeln zur weiteren Information für die Waldbesucher sind vorgesehen.
 

Wege zur Waldweide


Wer die Waldweide besuchen möchte, kommt vom Parkplatz am Schönbuchturm bzw. Waldfriedhof Herrenberg aus dorthin, indem er dem Sommertalsträßle bis zur Fresseiche in Richtung Neue Brücke / Bebenhausen auf rund drei Kilometern Fußweg folgt. Deutlich näher ist es vom Wanderparkplatz „Mönchberger Sattel“ oberhalb von Mönchberg aus. Von dort gelangt man über das Kayhertalsträßle in Richtung Neue Brücke / Bebenhausen nach gut einem Kilometer zur Waldweide.