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Herrenberger Ideen im Gepäck nach Tunesien


Die Stadtverwaltung Herrenberg beteiligte sich an einem Deutsch-Tunesischen Verwaltungsaustausch, den die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit mit dem Land Baden-Württemberg durchgeführt hat. Acht Wochen lang erhielt Aymen Hassen Einblicke in die Herrenberger Stadtverwaltung. Lena Schuldt vom Team Beteiligung und Engagement begleitete ihn dabei.
 
In einer globalisierten und digitalisierten Welt ist Herrenberg mit dem Rest der Welt gut vernetzt. Das ist nicht immer direkt spürbar, aber manchmal wird es dann doch ganz konkret: Wollt Ihr einen Beitrag zur demokratischen Entwicklung Nordafrikas leisten? Diese Frage stellte die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung Gisela Erler im Frühjahr 2019 der Stadt Herrenberg. Dank dem tatkräftigen Einsatz von Lena Schuldt, Mitarbeiterin im Team Beteiligung und Engagement (BE) sowie Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik, stellte sich das Team BE dieser außergewöhnlichen Herausforderung und meldete sich. Der Deutsch-Tunesische Verwaltungsaustausch wurde von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit dem Land Baden-Württemberg durchgeführt.
 
Studium an der ENA in Tunis
Im Mai und im Juni 2019 war Aymen Hassen, 30 Jahre alt, aus Tunesien für acht Wochen in Herrenberg zu Gast. In seinem Heimatland absolviert er an der Ecole Nationale d’Administration de Tunis (ENA) eine Ausbildung für den dortigen höheren Verwaltungsdienst. Anders ausgedrückt könnte man sagen, er gehört zur zukünftigen Verwaltungselite seines Landes: Große Aufgaben stehen ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen bevor. Die angehenden Verwaltungsexperten haben nach dem so genannten arabischen Frühling - den politischen Umbrüchen der Jahre 2010/2011 -  die Aufgabe, die Dezentralisierung des Landes voranzubringen. Dies wurde in der seit 2014 gültigen neuen Verfassung verankert. Gleichzeitig soll die lokale Ebene gestärkt werden und ein kommunaler Bürgerservice aufgebaut werden. 
 
Vor dem Historischen Rathaus: Der tunesische Praktikant Aymen Hassen und Lena Schuldt vom Team Beteiligung und Engagement.
Vor dem Historischen Rathaus: Aymen Hassen und Lena Schuldt.

Programm in Herrenberg
Lena Schuldt koordinierte den Einsatz und stellte im Vorfeld ein umfassendes Programm für den Gast zusammen. Dazu hat sie mit verschiedensten Ämtern der Stadt Kontakt aufgenommen und Termine abgestimmt. Ziel war es, dem tunesischen Gast die große Bandbreite einer baden-württembergischen Kommunalverwaltung und ihre Besonderheiten wie Bürgernähe, Beteiligungsprozesse oder Transparenz nahe zu bringen. Hassen hat in Tunesien im Rahmen seiner Ausbildung einen ersten Deutschkurs absolviert, er versteht Deutsch ganz gut, aber die Kommunikation mit den Herrenberger Verwaltungsmitarbeitern lief dann doch meistens auf Englisch. Schuldt begleitete Hassen immer wieder zu Terminen und half bei der Übersetzung mit.
 
Komplexität des Bürgerentscheids
Während seiner Zeit in Herrenberg konnte Aymen Hassen die Stadtverwaltung gut kennenlernen. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der Komplexität des Bürgerentscheids um das Geschäfts- und Parkhaus an der Hindenburgstraße, welchen ihm die Mitarbeitenden des Stadtplanungsamts detailliert erklärten. Auch für Lena Schuldt war der Aufenthalt bereichernd. Gerne hat sie dem tunesischen Gast das Baden-Württembergische Verwaltungssystem nähergebracht und die Besonderheiten Herrenbergs herausgestellt. Sie bilanziert: „Herrenberg nimmt als Mitmachstadt im Kreise der Kommunalverwaltungen eine Vorreiterrolle ein und ich finde es wichtig, die Vielfältigkeit der Aufgaben in der Stadtverwaltung, aber auch die vielen tollen Projekte, die es bei uns dank der Zivilgesellschaft gibt, hervorzuheben.“
 
Zukunft in Tunesien
Schon bald nach seinem Aufenthalt in Herrenberg wird Aymen Hassen seine Karriere im höheren Dienst in Tunesien antreten: „Ich möchte im Finanzministerium oder am Rechnungshof in Tunis arbeiten“, so sein Wunsch. Dabei ist es ihm wichtig, seine Tätigkeiten künftig effizient und zuverlässig zu erledigen und er möchte das in Herrenberg Gelernte und Erlebte zum Einsatz bringen. Dies war nur möglich durch den Einsatz von Lena Schuldt, aber auch den anderer Kolleginnen und Kollegen der Stadtverwaltung, die sich Zeit genommen haben, ihre Aufgaben und ihre Arbeit darzustellen und zu vermitteln: „Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten. Ihr Engagement ist gewissermaßen unser kleiner Beitrag zum zukünftigen Weltfrieden“, freut sich Vanessa Watkins, die Leiterin des Team BE, über diese positive Folge unserer globalisierten Welt.