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Kühne Träume und pragmatische Pläne


Ideenwerkstatt

Viele Neugierige hat am Freitagabend die Ideenwerkstatt zum „Quartier 2020 – Gemeinsam. Gestalten.“ für die Altstadt angezogen. Sie äußerten zahlreiche Vorschläge – angefangen von Sitzmöglichkeiten auf dem Marktplatz über Verkehrsberuhigungsideen bis hin zu Nachbarschaftsfesten.

 
In der Ideenwerkstatt am Freitagabend in der Spitalkirche konnten sich das Team Beteiligung und Engagement und der evangelische Bildungsreferent Johannes Söhner vor Anregungen kaum retten. Die Ideenwerkstatt ist Teil des Modell-Projektes in der Herrenberger Altstadt „Quartier 2020 – Gemeinsam. Gestalten“. Das Team Beteiligung und Engagement (BE) hatte 2017 Fördergelder im Rahmen des Wettbewerbs gewonnen und finanziert damit die Teilzeitstelle der Stadtteilkoordinatorin Ines Böttcher. Hinzu kommen 30.000 Euro des Landes, die Ines Böttcher vor kurzem erfolgreich eingeworben hat, für die Gestaltung von Freiräumen mit Informationsveranstaltungen, Cafés und Schaufenstergestaltungen, möglichst in leerstehenden Läden.
 
„Sie sind heute zur Ideenwerkstatt gekommen, um als Nachbarn gemeinsam ihren Stadtteil zum Besseren zu verändern. Nach dem heutigen Abend werden wir uns alle etwas besser kennen, haben Ideen ausgetauscht, Feedback bekommen und uns gemeinsam über die Umsetzung Gedanken gemacht“, begrüßte Ines Böttcher die 55 Besucher, die sich zum Brainstorming eingefunden hatten. Mit Kennenlernspielen, wie die Frage nach romantischen Plätzchen in der Altstadt, brachte das Team BE die Teilnehmenden in Kontakt. In Gruppen entwickelten sie dann Ideen für die Kernstadt, die das Team in drei Kategorien unterteilte: gute, schnell umsetzbare Ideen, sehr gute, aber etwas schwerer umsetzbare Vorschläge und originelle, jedoch schwierig zu realisierende Einfälle. Schon nach kurzer Zeit waren die Tafeln mit unzähligen Ideen bedeckt, die das Team nun in Oberthemen wie Verkehr, Wohlfühlen und Sicherheit, Belebung der Innenstadt, Natur, Müll oder Kinder gruppierte. Das Ideenspektrum reichte von leicht machbaren Vorschlägen wie einer abendlichen Gemeinschaftsstunde bis hin zu ausgefallenen Visionen von einer Seilbahn zum Schlossberg. Der Grafiker Heyko Stöber illustrierte die Vorschläge mit spontanen Skizzen anschaulich.
 
Ideenwerkstatt

Lehnstühle auf dem Marktplatz
In Themengruppen einigten sich die Besucher dann auf einzelne Anliegen und verliehen ihnen konkretere Gestalt. Ihre Ergebnisse präsentierten sie auf Plakaten. Eine Bürgergruppe möchte Sitzgelegenheiten mit Lehnen, gern auch mobiler Art, auf dem Marktplatz und den einmündenden Straßen schaffen. Außerdem schlägt sie Paletten zum Chillen, fahrbare Sitzbäume oder grüne Wände vor.
 
Eine andere Gruppe will das Gemeinschaftsgefühl und die Nachbarschaft mit Festen, offenem Singen und Treffpunkten wie im Spitalcafé oder im Interkulturellen Garten stärken und dazu auch die Internetplattform www.nebenan.de nutzen. Als konkretes Projekt schwebt der Gruppe schon ein „White Dinner“ vor.

Die Gruppe zum Thema Verkehr fordert eine autoarme, fahrrad- und auch fußgängerfreundliche Innenstadt. Sie empfiehlt dazu die Abschaffung öffentlicher Parkplätze in der Altstadt, versenkbare Poller, überdachte Abstellflächen für Räder, Lade- und Leihstationen und eine bessere Kennzeichnung der Radwege.
 
Orte für Jugendliche
Lärm und Müll zu vermeiden ist das Anliegen der vierten Gruppe. Dazu würde sie gern Plätze für Jugendliche schaffen, die mangels Treffpunkten in der Altstadt für manchen Unmut sorgen. Außerdem rät sie zu Plakaten nach Tübinger Vorbild, die bei Lärm nach 22 Uhr mit Bußgeld drohen, und feste Zeiten für den Lieferverkehr. Sie regen zudem mehr Streetworker – vielleicht auch im Ehrenamt – und das neue Amt eines Nachtbürgermeisters an.
Die Stadtverschönerung mit Blumenkübeln, Olivenbäumchen und Galeriebannern auf dem Marktplatz hat eine fünfte Gruppe im Sinn. Diese möchte auch die Erinnerungskultur stärken und mit einer Tafel vor der Spitalkirche der Euthanasieopfer während der NS-Zeit gedenken.

Die Gruppe „Nachbarn kennenlernen“ vereinbarte bereits einen nächsten Termin am Samstag, 21. September, 10:00 Uhr, an der Spitalkirche. Alle Gruppen hinterließen Kontaktdaten für weitere Treffen, um die Pläne auszugestalten. Einige Bürgerinnen und Bürger hatten sich bereits vor der Ideenwerkstatt gemeldet, da sie am Freitag nicht teilnehmen konnten. Aus diesen Rückmeldungen ergibt sich eine weitere Gruppe zum Thema „öffentliche Bücherschränke“.
 
Ideenwerkstatt

Entwürfe und Ideen ausgestellt
Ines Böttcher wird in den nächsten Wochen die Interessierten, je nach Themengebiet, einladen. Die Entwürfe, Ideen und Gedanken, die während der Ideenwerkstatt entstanden sind, sind in den nächsten Wochen im Büro des Herrenberger Stadtmarketing, Stuttgarter Straße 15/1, zu bestaunen.
 
Nächstes Treffen im Januar
Wer für ein Thema Feuer gefangen hat und sich den Gruppen noch anschließen möchte, kann gern bei Ines Böttcher (Telefon 07032 201 897 1, E-Mail: i.boettcher@herrenberg.de) Kontaktdaten hinterlassen. Sie wird auch als Vermittlerin zur Stadtverwaltung und Beraterin in Sachen Ansprechpartner und Förderungsmöglichkeiten wirken. Zusätzlich sucht sie noch Anregungen für das Projekt „Freiräume“ in Herrenberg, die sich vielleicht auch mit den Gruppenvorhaben verbinden lassen. Ein zweites Treffen aller Besucher der Ideenwerkstatt ist am 22. Januar 2020 angesetzt.