Nachricht

Fruchtkasten: Klares Ja zur Reaktivierung


Der Fruchtkasten in der Tübinger Straße.

Ein wichtiger Meilenstein ist gesetzt: Am Dienstagabend hat der Gemeinderat die Grundsatzentscheidung zum Fruchtkasten getroffen. Mit 22 Ja- und sieben Nein-Stimmen fiel sie klar für den Vorschlag der Verwaltung aus, das denkmalgeschützte Gebäude umfangreich zu sanieren und zu revitalisieren. Damit ist ein Ende des jahrelangen Dornröschenschlafs des Fruchtkastens abzusehen.


Jetzt steht fest: Das zweitgrößte historische Gebäude in der Herrenberger Altstadt wird nicht weiter im Dornröschenschlaf liegen, sondern zu einem modernen Gebäude mit Erlebnis-Ausstellungen, Gastronomie, Veranstaltungsräumen, Shop und Tourist-Info umgebaut. So sieht es das Konzept vor, das die Verwaltung mit externen Fachleuten entwickelt hat und in das auch die Ergebnisse aus der Bürgerbeteiligung eingegangen sind. Dieses zukunftsfähige Konzept hat die Gemeinderatsfraktionen mehrheitlich überzeugt und zur klaren Zustimmung bewogen.

Vor der Abstimmung hatte sich Oberbürgermeister Thomas Sprißler noch einmal für die Revitalisierung und Sanierung des Fruchtkastens stark gemacht. Dabei erinnerte er daran, dass viele Gemeinden vor ähnlichen Entscheidungen standen. „Ich kenne keine einzige Stadt oder Gemeinde, die solch eine Entscheidung hinterher bereut hat.“

SPD, Grüne und Freie Wähler stimmen dafür

„Wir haben heute ein tragfähiges Konzept vorliegen - es wird nicht besser, wenn wir mit der Entscheidung warten“, sagte Günter Achilles, der für die SPD-Fraktion Stellung nahm. „Wir sind dafür, dass wir den Fruchtkasten aktivieren.“ Für ihn persönlich sei der Fruchtkasten eine Herzensangelegenheit: „Ich bin froh, dass wir heute an dem Punkt sind und hoffe, dass wir die Jahrhundertchance nutzen.“

Geschlossen dafür stimmte auch die Fraktion der Grünen. Fraktionsvorsitzender Jörn Gutbier machte deutlich, dass seine Fraktion, auch angesichts der soliden Haushaltslage, den Zeitpunkt für richtig halte. Er regte außerdem an, auch den Bereich vor dem Fruchtkasten aufzuwerten. „Man könnte das Tübinger Stadttor wieder aufstellen, vielleicht sogar als Bürgertopf-Projekt.“

Ein klares Ja zum Fruchtkasten gab es auch von den Freien Wählern. „Wir werden zustimmen, weil wir das Projekt als wichtigen Baustein für die Stadtentwicklung sehen und weil wir mehr Chancen als Risiken erkennen“, machte Thomas Deines für seine Fraktion deutlich. 

CDU stimmt gemischt ab

Kontrovers sei das Thema bei der CDU diskutiert worden, wie Fraktionsvorsitzender Hermann Horrer darlegte. „Wir sind nicht zu einer einheitlichen Meinung gekommen und werden gemischt abstimmen.“ Einerseits brauche man die Belebung der Innenstadt, andererseits würde das Projekt weiterhin viel Geld und Kapazitäten binden, so Horrer.

Kosten und Folgekosten

Mit knapp elf Millionen Euro wird die Sanierung und Modernisierung des Fruchtkastens eine der größten Investitionen der Stadt in den kommenden Jahren. Voraussetzung für die Umsetzung der baulichen Maßnahmen ist – so sieht es der Beschluss vor –, dass 40 bis 50 Prozent der Baukosten finanziell gefördert werden. Die Verwaltung wird auch eine mögliche Privatisierung des Projekts prüfen.

CDU-Stadtrat Dieter Haarer machte deutlich, dass es ihm weniger um die Höhe der Investition geht: „Für mich sind die Folgekosten ein zu großes Risiko, ich kann deshalb nicht zustimmen.“ Eva Schäfer-Weber, Fraktionsvorsitzende der Frauenliste, ging es ähnlich. Sie befürchtet, dass durch den Fruchtkasten andere Projekte, wie die Sanierung der Schulen, hinten anstehen müssten.

Ausblick

Wie geht es nun weiter? Nach der positiven Grundsatzentscheidung zum Fruchtkasten wird die Verwaltung die Nutzungskonzeption finalisieren, die Vergabe der Planungsleistungen vorbereiten und mit der Fördermittelakquise beginnen. 2021 bis 2023 soll das denkmalgeschützte Gebäude dann saniert werden, 2024 ist die Eröffnung geplant.