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Vom Acker zum Bauland auf neuen Wegen


Das Interesse war spürbar groß: Rund 250 Besucher fanden sich am Montagabend in der Stadthalle ein, um mehr über das weitere Verfahren bei der Entwicklung von Bauland im Bereich Herrenberg-Süd zu erfahren. Besitzer und Eigentümergemeinschaften von rund 250 Grundstücken waren zu dem Expertenvortrag über das Bodenordnungsmodell eingeladen.
 
Für den Prozess, wie sich im Herrenberger Süden Acker- in Bauland verwandelt, hat Herrenberg einen neuen Weg eingeschlagen. Was das konkret bedeutet, darüber wollten sich viele der betroffenen Eigentümer informieren. Den Auftakt machte der Infoabend am Montagabend in der Stadthalle. Weitere Veranstaltungen und Einzelgespräche mit den Eigentümern sollen in den nächsten Monaten folgen. Im Dezember und Januar läuft zusätzlich eine schriftliche Befragung der Eigentümer, bei der die Datenbestände abgeglichen und die grundsätzliche Mitwirkungsbereitschaft abgefragt werden. So will sich die Verwaltung ein Bild davon machen, wie viele der heutigen Eigentümer Interesse daran haben, im Herrenberger Süden künftig selbst zu bauen und zu wohnen oder ihr Grundstück zu verkaufen
 
Zu Beginn des Abends hob Oberbürgermeister Thomas Sprißler die übergeordneten Ziele für das neue Gebiet hervor: Auf den heutigen Ackerflächen im Bereich Herrenberg-Süd soll ein modernes Stadtquartier entstehen, das den Mangel an bezahlbarem Wohnraum, Neubau- und Gewerbeflächen lindert. Die Zielvorgabe des Gemeinderats lautet, ein Gebiet mit hoher städtebaulicher und architektonischer Qualität zu entwickeln, das möglichst bald von Privatleuten, Baugemeinschaften und Investoren bebaut werden kann und zeitgemäße Wohnformen mit innovativen Ansätzen verbindet. Ein modernes Stadtquartier mit einer Vielfalt an Wohnformen und einer sozialen Mischung von Bewohnerinnen und Bewohnern soll auf den heutigen Äckern und Wiesen entstehen. „Um diese Ziele überhaupt erreichen zu können, setzen wir auf einen für Herrenberg neuen Ansatz: ein Ankaufsmodell. Das heißt, die Stadt will Ihre Grundstücke in einem fairen und transparenten Verfahren kaufen oder mit Ihnen vertragliche Vereinbarungen treffen und die Bebauung so steuern. Dafür beginnen wir gemeinsam mit Ihnen jetzt die vorbereitende Untersuchung“, erläuterte der Rathauschef. Bauwillige und verkaufsbereite Eigentümer sind in diesem Verfahren Partner der Stadt.
 
Im Auftrag der Stadt Herrenberg führt die STEG Stadtentwicklung GmbH aus Stuttgart die sogenannte vorbereitende Untersuchung in den kommenden zwei Jahren durch. Dafür bieten Sonja Knapp und Dr. Frank Friesecke allen Eigentümern Einzelgespräche an, die im Frühjahr 2019 beginnen und sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinziehen werden. Die vorbereitende Untersuchung umfasst ein sehr viel größeres Gebiet als die spätere Bebauung. In diesem Stadium der städtebaulichen Untersuchungen ist noch Flexibilität in der Festlegung der endgültigen Grenzen im Übergang zwischen Bebauung und angrenzenden Freiflächen notwendig.  Auch für spätere Ausgleichsmaßnahmen werden Flächen benötigt.  
 
Viele Eigentümer wollten erfahren, wieviel ihr Grundstück wert ist. Die Antwort wird ein Wertgutachten bringen, für das ein neutraler Gutachter derzeit den Wert der Grundstücke ermittelt. Eines steht schon heute fest: Im Bereich Herrenberg-Süd wird es unterschiedliche Wertzonen geben, das heißt der Anfangswert der Grundstücke unterscheidet sich je nach Lage. Auf Grundlage dieses Wertgutachtens will die Stadt im Zuge der vorbereitenden Untersuchung Verträge mit den Eigentümern abschließen. Gelingt dies nicht, besteht anschließend für den Gemeinderat die Möglichkeit, eine sogenannte städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) einzuleiten.

Über dieses Instrument der Baulandentwicklung berichtete am Abend Stadtplaner Uli Hellweg, der die Stadt Herrenberg berät. An Beispielen aus verschiedenen Städten erläuterte Hellweg, wie städtebauliche Entwicklungsmaßnahmen die Neuordnung von Bauland zum Wohl der Allgemeinheit fördern und für einen gerechten Interessensausgleich sorgen. Er erläuterte die rechtlichen Instrumente und die Rechte der Eigentümer und betonte, dass die heutigen Eigentümer der Grundstücke bei der Zuteilung von Bauland zuerst berücksichtigt werden müssen. Mit diesem neuen Verfahren zur Entwicklung des Baugebiets hat die Stadt wesentlich mehr Möglichkeiten, die Entwicklung zu steuern und eine zügige Realisierung voranzutreiben. In der nun folgenden Verhandlungsphase können die Grundstückseigner wesentlich zum Entwicklungstempo beitragen.