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Anregung, Information, Begegnung und Austausch


Eine volle Stiftskirche und eine volle Stadthalle beim Neujahrsempfang von Kirchen und Stadt in Herrenberg: Auch die siebte Auflage des gemeinsamen Jahresauftakts kommt sehr gut an. Bevor bei regionalen Produkten aufs neue Jahr angestoßen wird, erfahren die Gäste Anregung beim ökumenischen Gottesdienst und erhalten Infos zu den im neuen Jahr geplanten städtischen Projekten.  

Der Tag beginnt mit dem ökumenischen Gottesdienst in der Stiftskirche. Dekan Eberhard Feucht (Evangelische Kirche) predigt zur diesjährigen Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach“. Er geht darauf ein, dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist: „Frieden ist eine Sehnsucht, ein Sehnen, das den Frieden sucht.“ Weiter appelliert Feucht an die Besucher, sich in ihrem ganz persönlichen Umfeld für Frieden einzusetzen: „Du Mensch, suche Frieden überall, wo er fehlt. Jage dem Frieden nach, wo er in Gefahr ist. Halte ihn fest, wo er zu entschwinden droht.“ Pfarrer Markus Ziegler (Katholische Kirche) und Pastor Alfred Schwarzwälder (Evangelisch-Methodistische Kirche) gestalten mit dem Dekan die Liturgie. Die Fürbitten werden Kirchengemeinderäten der drei Gemeinden vorgetragen. Für die musikalische Umrahmung mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy sorgt die Kantorei der Stiftskirche unter der Leitung von Kirchenmusikdirektor Ulrich Feige.

OB-Rede zum Neujahr

In seiner Neujahrsansprache zeichnet Oberbürgermeister Thomas Sprißler ein Bild vom zukünftigen Herrenberg. Er geht auf die aktuell anstehenden Projekte wie etwa die bereits gestartete Bebauung des Seeländer-Areals, die Umgestaltung der Seestraße, die geplante Baulandentwicklung im Herrenberger Süden, das Parkhaus in der Hindenburgstraße, die Freizeitanlage im Längenholz, neue Kindertagesstätten, den integrierten Mobilitätsplan oder das Areal Bahnhofstraße ein. Sprißler bedauert, dass in Herrenberg die eigene Stadt immer wieder schlecht geredet wird: „Das Meckern und Jammern, das Schlechtreden und Unken schlägt sich auch aufs Image der Stadt nieder“.

Er machte deutlich, dass der Stadtumbau und die anstehenden Veränderungen nicht ohne Einschränkungen für die Bürgerschaft zu machen sind: „Das Jahr 2019 wird in Sachen Verkehr noch unbequemer werden.“ Aber dies gehört dazu: „Entscheidend ist die eigene, innere Haltung, mit der ich solchen Widrigkeiten begegne“, so das Stadtoberhaupt weiter. In der Rückschau nennt Sprißler den vergangenen 3. Oktober als einen prägenden Moment: „Hier zeigte die Mitmachstadt ihr wahres Gesicht“. Er zollt den Initiatoren und Teilnehmern der kurzfristigen Demonstration für Vielfalt, Toleranz und Meinungsfreiheit großen Respekt.

Stadt von morgen

„Manchem fällt es schwer, sich ein Bild davon zu machen, wie unsere Stadt morgen und übermorgen aussehen wird“. Thomas Sprißler erwähnt auch die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung. Er lädt die Anwesenden ein, sich das im Foyer der Stadthalle aufgebaute 3D-Modell von Herrenberg nicht entgehen zu lassen: Im Rahmen der Teilnahme Herrenbergs am Projekt „Reallabor Stadt:Quartiere 4.0“ ist dieses Modell entstanden. Fabian Dembski und Uwe Wösser vom HLRS (High Performance Computing Center Stuttgart) sind begeistert von der Resonanz: „Bestimmt 200 Personen haben sich mit 3D-Brillen ausgestattet auf einen virtuellen Weg durch Herrenberg gemacht“.

Vor allem ältere Personen sind darunter, berichten die beiden. Zahlreiche Fragebögen, die dem weiteren Ausbau des Modells dienen, werden ausgefüllt. Zu dem von der Stadt Herrenberg angeschafften 3D-Drucker kann Thomas Dangel von der Abteilung Organisation und Digitales zahlreiche technische Fragen beantworten. Das Gerät wurde in der Weihnachtszeit für die Werbeaktion „Springerle gesucht“ des Bürgerschaftlichen Engagements genutzt. Dahinter steckt ein Aufruf an die Bevölkerung, sich bei Lust auf gelegentliches Engagement beim Freiwilligen-Pool zu melden. Die Mitarbeiterinnen des Bürgerschaftlichen Engagements freuen sich ebenfalls über viele Interessierte.

Musikalischer Rahmen

Die Gäste in der Stadthalle können einen kleinen musikalischen Ausschnitt der erfolgreichen Nachwuchsarbeit der Herrenberger Musikschule genießen: Klezmerband mit Vokalensemble unter der Leitung von Joachim Günther und Cordelia Hanus tragen jiddisches Liedgut vor.

Um Hörgeschädigten die Teilnahme an den beiden Veranstaltungsteilen zu ermöglichen, sind sowohl in der Stiftskirche als auch in der Stadthalle Gebärdendolmetscherinnen im Einsatz. Die Gruppe der Gehörlosen in Herrenberg, die vom Bürgerschaftlichen Engagement koordiniert wird, nimmt dieses Angebot gerne an.

Der Oberbürgermeister lädt ein, „bei aller Faszination für 3D und 4.0 die Begegnung von Mensch zu Mensch nicht zu vergessen“. So kommen beim anschließenden Stehempfang in der Stadthalle die rund 550 Gäste bei Streuobstsecco, Brezeln und Salzschnecken miteinander ins Gespräch. Es sind klirrende Sektgläser, der Austausch von Neujahrswünschen oder Diskussionen über kommunalpolitische Themen zu hören: „Man trifft Leute, die man lange nicht gesehen hat“, erzählt eine Besucherin.

Auch die vielen an die Besucher verteilten Blumensamenmischungen finden reißenden Absatz: Die Körbe sind zum Schluss der Veranstaltung leer. Der Herrenberger Neujahrsempfang 2019 wird so im Frühsommer nachklingen, wenn sich die ersten bunten Blüten im eigenen Garten oder Topf öffnen.