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Treffpunkt Klosterhof mit neuer Ausstellung


Im Offenen Bürgerhaus war vergangene Woche etwas für alle Sinne geboten, denn dort stellten sich vier spannende Gruppen vor. Einen gehaltvollen Augenschmaus bereiteten die Montagsmalerinnen den Besucherinnen und Besuchern in der Reihe Kunst im Klosterhof mit ihren „Ur-Seelen-Landschaften“. Diesen Eindruck ergänzte die Cajongruppe audiovisuell mit temperamentvollen Trommelwirbeln und Rhythmen.
 
Außerdem stellten sich in der Reihe Treffpunkt Klosterhof zwei weitere Gruppen des Bürgerhauses vor: so der Verein zur Erhaltung der Stiftskirche und die neu gegründete Regionalgruppe der Gemeinwohlökonomie. Für das kulinarische Wohl der vielen Gäste sorgten umsichtig die Küchen-Asse – das Catering-Team der Albert-Schweitzer-Schule.
 
Im Jahr 2019 wird es drei bis vier Mal den Treffpunkt Klosterhof in Kombination mit Kunst im Klosterhof geben. Das entschied das Lenkungsteam nach der Evaluation der Reihe im Jahr 2018. Ziel des Treffpunkts Klosterhof, stellte Manuela Epting vom Team BE den zirka 50 Anwesenden dar, ist eine Vernetzung der über 80 Gruppen und Initiativen, die in diesem Haus aktiv sind. Jede Gruppe kann ihre jeweiligen aktuellen Projekte und ihre Arbeit vorstellen und sich darüber ins Gespräch bringen, Anregungen einholen und Mitstreitende gewinnen. Menschen, die Lust haben auf einen ungezwungenen Abend, können hier interessante Einblicke gewinnen.

Treffpunkt Klosterhof

Verein zur Erhaltung der Stiftskirche: 2012 zugezogen hat sich Burkhard Hoffmann in die Glucke des Gäus verliebt und leitet nun seit mehreren Jahren den Verein zur Erhaltung der Stiftskirche. Die Gruppe existiert aber schon länger. „Sie wurde 1974 gegründet, als die Stiftskirche abzurutschen drohte“, erzählt Hoffmann. Als diese Gefahr gebannt war, ging den Mitgliedern die Arbeit jedoch nicht aus. Sie unterstützten weitere Renovierungen wie etwa der Kuppel und der Epitaphen und begannen aktiv die Kulturpolitik zu gestalten, etwa mit Kunstausstellungen. Heute betreiben sie das Glockenmuseum und organisieren die Aufsichten für die Besuchszeiten.

Erst kürzlich konnten sie mit Hilfe des Teams Beteiligung und Engagement (BE) und eines Flyers zwölf neue Mitglieder für den Besucherservice gewinnen. Sie haben außerdem erfolgreich ein einjähriges Coaching der Weiterbildungsreihe „Jetzt HEBT‘S!“ des Teams BE in Anspruch genommen. „Wir gehen nun mehr nach außen“, meint Hoffmann. Zu tun gibt es immer etwas: So überarbeiten sie zum Beispiel dieses Jahr im Glockenmuseum die Beschilderung nach kunstpädagogischen Gesichtspunkten und bereiten das große Glockenkolloquium im Oktober 2019 vor. Zu diesem werden sich Glockenexperten aus ganz Europa in Herrenberg einfinden.

Mensch im Mittelpunkt der Wirtschaft

Die Gemeinwohlökonomie elektrisiert: Die zweite Gruppe befindet sich gerade in der Gründungsphase. Karl-Heinz Weiss würde gern in Herrenberg eine Regionalgruppe für Gemeinwohlökonomie gründen und hat als ersten Mitstreiter über die Mitmachbörse des Teams BE schon Bennet Melcher gefunden. „Ich sehe hier in Herrenberg viel Potenzial“, so Weiss. In der Tat stieß seine Kurzpräsentation mit Film auf großes Interesse, und viele stellten Fragen. Die Gemeinwohlökonomie möchte den Menschen wieder in den Mittelpunkt des Wirtschaftens stellen und hat dazu für Unternehmen ein Punktesystem ersonnen.

Überprüft wird, wie es die Firma mit Menschenwürde, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit sowie mit Transparenz und demokratischer Entscheidung hält. Unternehmen mit einer guten Gemeinwohlbilanz könnten in den Genuss von Steuererleichterungen kommen und leichter an Kredite gelangen. „Ethisches Handeln sollte sich lohnen“, erklärt Weiss. Die Organisation existiert weltweit, das Ziel der Gemeinwohlökonomie steht auch im baden-württembergischen Koalitionsvertrag, und die EU hat ebenfalls bereits mit einer Stellungnahme auf die Idee reagiert. Weiss würde über die neue Gruppe das Konzept gerne bekannter machen, Netzwerke zu Vereinen mit ähnlichen Zielsetzungen und zu Firmen knüpfen und idealerweise ein Pionierunternehmen finden. Im Mai wird eine Infoveranstaltung der VHS zu dem Thema stattfinden.

Preise für die ersten Freiwilligen

Nach den Gruppenvorstellungen verlieh Ines Boettcher vom Team BE Preise an die ersten Mutigen, die sich für die neue Freiwilligenbörse gemeldet haben, um ehrenamtlich aktiv zu werden. Für sie gab es Taschen und Fairtrade-Kochbücher. Anschließend zogen die vielen Besucherinnen und Besucher durchs Haus, um die beiden Ausstellungen mit den „Ur-Seelen-Landschaften“ anzusehen.

Die Montagsmalerinnen haben unter der Anleitung von Gabriele Pfaus-Schiller zum Beispiel stimmungsvolle Gebirgszüge, leuchtstarke Szenen mit Nordlichtern und abstrakte Kompositionen geschaffen. Die einen bevorzugen Acryl, die anderen zartes Pastell und weitere nutzen Spachtelmasse mit eingearbeiteten Materialien. Mal steht Gustav Klimt Pate, mal Gabriele Münter oder einfach die eigene Vorstellung. Pfaus-Schiller erklärte, dass Freies Malen mitnichten Beliebigkeit bedeutet: „Freiheit entsteht im Umgang mit den Grenzen, die gesetzt sind.“ Vor allem malten die Frauen, „um zur Ruhe zu kommen“.

Von den Bildern hat sich auch Ben Breitlings Cajongruppe inspirieren lassen. Die Hobbymusiker verwandelten die Landschaften bei der Vernissage in Rhythmen und veranschaulichten auf Bildern Satzfetzen, die als Eselsbrücke für den Rhythmus dienen. Dabei sind Bilder mit so disparaten Motiven wie Spaghetti, tropischen Inseln, Fächern und Fäusten oder Darth Vader aus Star Wars entstanden. So kann dann jeder sein Lieblingsmotiv in der Ausstellung entdecken.