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Ein Zukunftsplan für die Herrenberger Schulen


Wie entwickeln sich die Herrenberger Schulen in den nächsten zehn Jahren? Wie bekommt man die künftige Entwicklung der Gebäude zusammen mit dem bestehenden Sanierungsbedarf in den Griff? Auf diese Fragen und die dahinterstehenden komplexen Herausforderungen für die Stadt als Schulträger und Eigentümer der Gebäude soll ein Masterplan Antworten liefern. Die Festlegung der Ziele und Klärung des Erwartungshorizonts soll der Gemeinderat als Auftraggeber am 26. März beraten.
 
Sanierungsbedarf, Barrierefreiheit und Brandschutz, Ausbau der Ganztagsbetreuung an der Schule, neue Unterrichtsformen und pädagogische Ansätze – Entwicklungen und Trends wie diese stellen die Stadt Herrenberg vor große Herausforderungen. Was mit den 15 Schulgebäuden in der Stadt passiert und wie man sie fit macht für die künftigen Aufgaben, dafür will die Stadt einen Masterplan erarbeiten. „Wir schlagen dem Gemeinderat ein Prozedere vor, wie wir diese  große und wichtige Aufgabe strukturieren um verlässliche Antworten und Planungsgrundlagen zu erhalten“, betont Oberbürgermeister Thomas Sprißler. Ein grundlegender Strategievorschlag könnte mit Beteiligung der Schulen bis zum Herbst aufgestellt werden, die Verabschiedung könnte dann im kommenden Frühjahr folgen. Der Masterplan nimmt die nächsten zehn Jahre in den Blick, beleuchtet also die Perspektive der Schulen  2020-2030.
 
Die Besonderheiten am Herrenberger Masterplan Schulen ist die Kombination der Gebäude- und der Schulperspektive. Der Masterplan soll den Gebäudebestand mit dem vorhandenen Sanierungsbedarf abbilden und diesen kombinieren mit den inhaltichen Anforderungen aus einem Schulentwicklungsplan. Letzterer enthält die pädagogische Neuausrichtung und Weiterentwicklung der Schulgebäude, die mit dem Potenzial der Gebäude abgeglichen wird und so eine Priorisierung und langfristige Planungsperspektive erhält. „Es ist nötig beide Aspekte, nämlich Gebäudezustand und Schulentwicklung unter Berücksichtigung der finanziellen Mittel zu betrachten. Dazu braucht es einen Masterplan Schulen“, betont Sprißler. Der Gemeinderat hat jetzt die Aufgabe, über Inhalt, Prozess und den geplanten Ablauf zu entscheiden sowie die Ziele festzulegen. Der Masterplan soll die Basis bilden für einen strategischen und proaktiven Umgang mit dem Gebäudebestand und den finanziellen Ressourcen. „Dehalb wollen wir die Aufgabe strategisch angehen und eine dynamische Gebäude- und Finanzierungsstrategie aufstellen“, so der OB.
 
Der erste Schritt zur Erstellung des Masterplans ist die Analyse von drei Themenfeldern: der bautechnische Zustand der Gebäude, die Entwicklungsperspektive der einzelnen Schule und die finanziellen Mittel inklusive Fördermöglichkeiten.
 
Der Gebäudezustand wird durch „In-Augenscheinnahme“ ermittelt, nicht durch gutachterliche Untersuchungen – diese erfolgen später bei der Detailplanung einzelner Baumaßnahmen. Erhoben werden zunächst Faktoren wie Zustand von Dach, Fassade und Konstruktion, Innenausbau und Technik sowie der Status von Brandschutz, Amok-Prävention und energetischer Zustand, Barrierefreiheit und Ambiente.
 
Zweiter Analyse-Schwerpunkt ist die Perspektive von Pädagogik und Raum. Hier geht es neben einer Prognose künftiger Schülerzahlen um die Frage, welche räumlichen Entwicklungsperspektiven die einzelne Schule hat und welche pädagogischen Entwicklungsbedarfe bestehen, damit die Schule ihre in Bildungsplan und Schulgesetz verankerten Aufgaben erfüllen kann. Hierbei spielen übergeordnete Fragestellungen wie der Ausbau der Ganztagesbetreuung an den Grundschulen in den Stadtteilen und Überlegungen zum Thema Inklusion eine Rolle.
 
Die Schulen sind aufgefordert, sich in den Prozess einzubringen und gemeinsam mit Schülern, Eltern und Lehrern eine Vision für ihre jeweilige Schule zu entwickeln, die gemeinsam mit der Schülerprognose in den Schulentwicklungsplan mündet. Aus diesem Schulentwicklungsplan, der Gebäudeanlyse und der Planung von Finanz- und Fördermitteln ergibt sich der strategische Vorschlag, kurz „Masterplan Schule“. Johannes Roller, Leiter des Amts für Familie, Bildung und Soziales, kennt die Anforderungen, die die Schulen an den Prozess haben: „Die Schulen wollen als Partner der Stadt mitreden, wenn wir die langfristige Perspektive für eine ausgwogene Fortentwicklung fixieren. Sie haben die Eindrücke aus erster Hand, welcher Veränderungs- und Verbesserungsbedarf besteht, so haben uns die Jugendlichen schon beim Jugendforum klare Anforderungen mitgegeben, was in puncto Aufenthaltsqualität, Atmosphäre und Ausstattung getan werden muss. Schulen brauchen einen verlässlichen Rahmen und zugleich eine flexible Planung, die auf Änderungen reagieren kann.“ Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleitung sind deshalb aufgefordert zu erarbeiten, welche Perspektive sie für ihre Schule bis 2030 sehen. Das betrifft die Arbeitsbedingungen, die Lernumgebung, die Schule als Aufenthaltsraum zum Wohlführen und Lernen ebenso wie die absehbaren Neuerungen im pädagogischen Bereich und bestehende Mängel.
 
Aus dem Masterplan als dynamischer Gebäude- und Finanzstrategie leiten sich dann Projekte für den künftigen Umgang mit einzelnen Gebäuden ab. Hier findet sich die Entscheidung, wo und in welcher Form Ganztagsangebote entwickelt werden, wie man mit den Anforderungen an Inklusion und Barrierefreiheit umgeht, welche Schulen vergrößert und wie sie ausgebaut werden müssen.
 
Der Verwaltungsausschuss berät den Vorschlag für den Masterplan Schulen in seiner Sitzung am 19. März. Am 26. März kann der Gemeinderat in seiner Sitzung grünes Licht geben. Dann haben die Schulen bis Juli Zeit, ihre Vision zu erarbeiten, gleichzeitig läuft eine Analyse der Gebäude. Die so erhobenen Informationen werden im Sommer/Herbst abgeglichen und in einen Strategievorschlag überführt, d.h. kategorisiert und priorisiert.  Im November erfolgt die Rückkoppelung mit den Schulen und die Einbringung im Gemeinderat. Für die Anpassung und Beratung des Strategiekonzepts ist der Zeitraum Dezember 2019 bis März 2020 reserviert, so dass im kommenden Frühjahr der Masterplan Schulen steht.