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Herrenberger Kita-Offensive kann starten


Der Blick in die nackten Zahlen der jährlichen Bedarfsplanung zeigt, dass weiterhin Kita-Plätze benötigt werden und die Stadt neue Wege beschreiten muss, um das Fachpersonal für die Betreuung zu gewinnen. Der Gemeinderat hat die Vorschläge der Verwaltung in seiner Sitzung am Dienstag einstimmig befürwortet und die Bedarfsplanung verabschiedet.

Der bundesweite Fachkräftemangel macht sich auch in Herrenberg deutlich bemerkbar und wird verschärft durch zahlreiche Schwangerschaften und krankheitsbedingte Ausfälle: 22 von rund 260 Stellen sind in den Herrenberger Kitas aktuell nicht besetzt, weshalb die Kitas teilweise die Öffnungszeiten eingeschränkt haben und auf die Unterstützung von Eltern als Aushilfen setzen.

Gleichzeitig läuft der im Vorjahr begonnene Bau von 260 neuen Kitaplätzen, von denen rund 150 bereits geschaffen sind. Die stete Nachfrage bei der Kinderbetreuung sorgt dafür, dass aktuell und in den nächsten Jahren händeringend pädagogisches Fachpersonal gesucht wird. Um dieses zu finden und zu binden hat die Stadtverwaltung Maßnahmen erarbeitet und in einer Kita-Offensive gebündelt. Deren Umsetzung und Finanzierung mit rund 390.000 Euro jährlich hat der Gemeinderat nun zugestimmt.
 

Personal finden und halten

Das Personal in den Herrenberger Kitas zeigt momentan besonderen Einsatz, Flexibilität und Solidarität, um die Situation trotz aller Ausfälle zu meistern. Um die Arbeitsplätze in den Ganztageshäusern attraktiver zu machen, zahlt Herrenberg hier künftig eine Zulage. Eine pauschale Erhöhung aller Gehälter, um Fachkräfte anzulocken, ist hingegen nicht zuletzt deshalb ausgeschlossen, weil die Stadt als Arbeitgeberin tarifgebunden ist.

Von einem intensiveren Personalmarketing und schnelleren Bewerbungsverfahren verspricht sich die Stadt mehr Bewerbungen und mehr abgeschlossene Arbeitsverträge. Wer als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter eine pädagogische Fachkraft an die Stadt vermittelt, kann dafür eine Prämie erhalten. Als Unterstützung für die Leitungskräfte in den Kitas werden ständige Stellvertretungen und eine Springkraftstelle für die Einrichtungsleitungen eingerichtet.

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Personalbindung und -Gewinnung ist die Ausbildung in den Herrenberger Kitas. Neue Plätze für die sogenannte praxisintegrierte Ausbildung (PIA) schaffen einen attraktiven Einstieg in den Beruf und eröffnen jungen Leute eine Perspektive, je nach Voraussetzung beispielsweise an ihr freiwilliges soziales Jahr anzuknüpfend, in der Einrichtung zu bleiben. Für die klassische Form der Ausbildung werden auch weiterhin Plätze für das Berufspraktikum angeboten.
 

Hochrechnung fürs nächste Kita-Jahr

Ein Blick in die Statistik und die Bedarfsplanung für 2019 zeigt, dass mit dem Ausbau der Kinderbetreuung der richtige Weg eingeschlagen wurde und die Nachfrage kontinuierlich steigt. In den 28 städtischen Einrichtungen und den zusätzlichen fünf Einrichtungen freier Träger gibt es dieses Jahr 1043 Plätze für Kindergartenkinder zwischen drei und sechs Jahren sowie 357 Plätze für Kleinkinder unter drei Jahren. Das sind 69 und 34 Plätze mehr als im Vorjahr.

Dennoch: Vor allem in der Kernstadt ist die Lage sehr angespannt. Der Neubau von Kita-Plätzen im Seeländer, an der Aischbachstraße und in Haslach sollen im kommenden Jahr die Situation weiter bessern. Weiterer Ausbau ist in Kayh und in Gültstein in Planung.

Neue Organisationsstruktur

Mit der stetig wachsenden Zahl an Kitaplätzen und rund 500 Mitarbeitenden ist die Organisation des städtischen Fachdienstes Kindertageseinrichtungen und des Amts für Familie, Bildung und Soziales an ihre Grenzen gekommen.

Um die wachsenden Aufgaben künftig effizient und erfolgreich abwickeln zu können, werden neue Stellen geschaffen und die Organisationsstruktur angepasst.