Nachricht

Unterkünfte für Obdachlose und Flüchtlinge


Die Stadt Herrenberg muss kurzfristig Unterkünfte für 130 obdachlose und geflüchtete Menschen schaffen. Der Gemeinderat folgte am Dienstag bei vier Enthaltungen einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung. Dieser sieht den Bau zweier Wohngebäude an der Benzstraße, Interimslösungen mit „Mobile Homes“ in der Zeppelinstraße sowie die Verlängerung der Anmietung von Gebäuden des Landkreises in der Berliner Straße vor.

Aktuell leben 164 geflüchtete Menschen in Herrenberg, die sich in der Anschlussunterbringung befinden. Davon sind 90 Personen in Wohnungen untergebracht, die die Stadt vom Landkreis Böblingen angemietet hat. Da die Mietverträge mit dem Landkreis zum Teil Ende 2019 bzw. 2020 auslaufen, besteht nun Handlungsbedarf. Zudem bekommt Herrenberg dieses Jahr noch weitere 40 Geflüchtete zugewiesen, die mit einer Unterkunft zu versorgen sind. Insgesamt ergibt sich deshalb die Notwendigkeit, kurzfristig 130 Plätze zu schaffen.

Außer den geflüchteten Menschen sind momentan auch 114 Obdachlose in kommunalen Einrichtungen und Wohnungen untergebracht. Auch hier läuft bei einer Unterkunft mittelfristig ein Mietvertrag aus, was einen Ersatzneubau erforderlich macht. Hierfür gilt es, einen geeigneten Standort zu finden.

Nachhaltige Lösungen

Ämterübergreifend wurden in der Verwaltung strategische Konzepte erarbeitet, um nachhaltige Lösungen zu finden. Dazu gehört die Stärkung der Präventionsarbeit, um Obdachlosigkeit schon im Vorfeld zu vermeiden. Notunterkünfte sollen nur zeitlich befristet zur Unterbringung genutzt und danach die Vermittlung in Wohnungen ermöglicht werden. Kurzfristige Interimslösungen mit „Mobile Homes“ sollen zeitlich befristet und nur im notwendigen Umfang genutzt werden.

Sozialer Wohnungsbau als mittelfristiges Ziel

„Unser Ziel ist es, dauerhafte und nachhaltige Unterbringungsgebäude zu schaffen“, sagt Bert Rudolph, Leiter des städtischen Gebäudemanagements. Mittel- und langfristig solle sozial geförderter Wohnraum entstehen, wie es der Gemeinderat 2017 in seiner wohnungsbaupolitischen Strategie festgelegt hat.

Mobile Homes als kurzfristige Maßnahme

Als kurzfristige Maßnahme sollen zum einen die Mietverträge in der Berliner Straße verlängert werden, zum anderen auf einem ungenutzten städtischen Grundstück an der Zeppelinstraße für zwei Jahre fünf „Mobile Homes“ aufgestellt werden. Sie bieten Platz für 20 Personen. Die Unterkünfte können eventuell vom Landkreis übernommen werden, der diese bisher an einem anderen Standort aufgestellt hat, jedoch nicht mehr benötigt. Die Gesamtkosten werden auf 250.000 Euro geschätzt.

Neubau in Benzstraße

Auf einer städtischen Fläche in der Benzstraße 26 ist ein flexibel nutzbares Mehrfamilienhaus vorgesehen. Auf dem vorderen südlichen Teil des Grundstücks stand bis letztes Jahr das Gebäude der ehemaligen Rinderunion. Dieser Grundstücksteil soll weiterhin gewerblich genutzt werden.

Der Neubau des Wohngebäudes soll hingegen auf dem nördlichen Teil nach dem bautechnischen Konzept der sogenannten Hoffnungshäuser erstellt werden, die mehrfach ausgezeichnet wurden. Auf 675 Quadratmetern entstehen acht Wohneinheiten für bis zu 40 Menschen. „Großer Vorteil der Hoffnungshäuser ist die modulare Bauweise, die schnell, flexibel und kostengünstig ist“, erklärt Rudolph. „Die vorgefertigten Bauteile machen es möglich, dass das Gebäude nach Vorlage der Baugenehmigung in sieben Monaten steht und bezugsfertig ist“, erklärt Bert Rudolph die Vorteile. Die Gesamtkosten betragen ca. 2,1 Millionen Euro – nach Abzug der Fördermittel rund 1,6 Millionen Euro.

Auch in der Benzstraße 10 ist ein städtisches Mehrfamilienhaus mit acht bis zwölf Wohneinheiten geplant. Es bietet Platz für 40 bis 60 Personen. Aufgrund der exponierten Lage am Stadteingang soll hier ein Architekturbüro eine angemessene städtebauliche Lösung erarbeiten. Die Kosten werden auf zwei bis drei Millionen Euro geschätzt.

Weitere Maßnahmen

Sollte weiterer akuter Unterbringungsbedarf bestehen, bietet sich auf einer städtischen Fläche im Römerweg in Kuppingen die Möglichkeit, mobile Häuser aufzustellen. Die Anzahl und damit die Kapazität kann dabei abschnittsweise und bedarfsorientiert gestaltet werden. Außerdem wird bei neuen Baugebieten und Konversionsarealen, die gerade entwickelt werden, geprüft, ob dort Grundstücke mit weiteren Hoffnungshäusern bebaut werden können, um Sozialmietwohnungen zu generieren.

Darüber hinaus entstehen gemäß der vom Gemeinderat beschlossenen grundstücks- und wohnungsbaupolitischen Strategie bei verschiedenen Wohnungsbauprojekten Zug um Zug Sozialmietwohnungen. Dazu gehören z.B. ein Gebäude mit neun Wohnungen in der Lutherstraße in Gültstein. Ebenso viele Sozialwohnungen werden auf dem Leibfried-Areal gebaut. Auch auf dem Areal an der Bahnhofstraße und im Bereich des Wiedenhöfer Stifts ist sozialer Wohnraum geplant.