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Übersetzer lassen die Hände sprechen


Gehörlose und Schwerhörige sind oft außen vor – nicht so bei vielen Veranstaltungen in Herrenberg, denn hier finanziert die Stadt den Einsatz von Gebärdensprachen-Dolmetschern als Beitrag zu mehr Teilhabe. Für 2019 ist noch Budget verfügbar, es können also weitere Einsätze bestellt werden. Wichtig ist, dass sich die Betroffenen melden.
 
„Jährlich 15.000 Euro lässt sich die Stadt Herrenberg die Gebärdendolmetscher kosten, weil damit die Teilhabechancen von Gehörlosen steigen und die Beteiligung gestärkt wird“, erläutert Ines Böttcher vom Team Beteiligung und Engagement. Das Angebot kommt gut an: Beim Neujahrsempfang etwa, bei der Eröffnung der Mutgeschichten oder bei der Langen Kulturnacht (LaKuNa) beispielsweise waren die Dolmetscher mit den sprechenden Händen im Einsatz. Wer diesen Service benötigt, sollte die Stadt und andere Veranstalter mit sechs bis acht Wochen Vorlauf darauf hinweisen, damit ein Einsatz der gefragten Gebärdendolmetscher organisiert werden kann. Das Dolmetscher-Budget der Stadt Herrenberg steht für städtische Veranstaltungen zur Verfügung und kann auch von Vereinen und anderen nicht-kommerziellen Veranstaltern genutzt werden, wenn die Veranstaltung öffentlich zugänglich ist und gehörlose Menschen aus Herrenberg davon profitieren.
 
Eine Expertin für Gebärdensprache ist die gehörlose Haslacherin Heidemarie Mezger, die seit vielen Jahren in Herrenberg und in der Region Kurse für Gebärdensprache gibt. „Man kommt mehr mit den Hörenden in Kontakt“, hat sie bei Veranstaltungen mit Dolmetschern erlebt. Um die manchmal zurückgezogenen Gehörlosen anzuziehen, empfiehlt sie, mit einem Logo für Gebärdensprache auf Veranstaltungen mit Übersetzern aufmerksam zu machen und soziale Netzwerke, die Zeitungen und persönliche Einladungen zu nutzen. Gut möglich sei der Einsatz von Dolmetschern bei Führungen wie etwa im Glockenmuseum, auf dem Skulpturenpfad oder über die Streuobsterlebniswege. Auch Vorträge der VHS oder des Herrenberger Krankenhauses oder Altennachmittage dürften auf viel Interesse stoßen. Eine Übersetzung der Auftritte der Herrenberger Bühne bei den „Sommerfarben“ würden die Gehörlosen ebenfalls begrüßen.
 
Ideal fände Heidemarie Mezger einen Treffpunkt in Herrenberg für Gehörlose und Menschen, die die Gebärdensprache beherrschen: „Mein Traum wäre eine Begegnungsstätte im Klosterhof mit Gebärdendolmetscher“. Insgesamt sind durchschnittlich 0,1 Prozent der Bevölkerung gehörlos; an der Gebärdensprache interessiert sind aber noch viel mehr: Mezger hat unter anderem schon Lehrer, Führungskräfte von Firmen, medizinisches Personal, natürlich Angehörige von Gehörlosen, Pfarrer und Flughafenmitarbeiter unterrichtet.
 
 

Dolmetscher rechtzeitig buchen


Wer die sehr gefragten Gebärdensprachdolmetscher bei einer städtischen Veranstaltung benötigt, sollte sich sechs bis acht Wochen vorher an die Veranstalter wenden. Es ist auch möglich, mehrere Dolmetscher gleichzeitig anzufragen. Sie übersetzen meist jeweils eine Stunde, andere entscheiden von Fall zu Fall. Beim Berufsfachverband der GebärdensprachdolmetscherInnen Baden-Württemberg kann man Dolmetscher aus dem Umkreis online anfragen, siehe www.bgd-bw.de.
 
Ines Böttcher ermutigt Betroffene dazu, den jeweiligen Veranstalter auf eigene spezielle Bedürfnisse aufmerksam zu machen: „Wenn wir davon wissen, können wir dafür sorgen, dass Veranstaltungen möglichst barrierearm organisiert werden – zum Beispiel mit Gebärdensprachendolmetschern oder in einem Rollstuhl-geeigneten Raum. In der Mitmachstadt sollen möglichst alle Bürgerinnen und Bürger teilhaben können“, betont Ines Böttcher. Veranstaltern empfiehlt sie, bereits in ihre Einladungen folgenden Satz einzubauen: „Wir bitten Sie, uns Ihren behinderungsspezifischen Bedarf frühzeitig mitzuteilen. Gerne unterstützen wir Sie.“ Auch beim Dankeschönfest auf dem Schlossberg am 24. Juli mit Sommernachtskino wird übrigens ein Gebärdendolmetscher bereitstehen.