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Bewegt - Einzigartig - Jugendlich: 11. Gedichte-Projekt


Teilnehmer*innen beim 11. Gedichte-Projekt
Das waren nur einige Fragen, die die Schülerinnen und Schüler der Herrenberger Hilde-Domin-Schule beschäftigten.

Im Rahmen des Gedichte Projekts „Bewegt – Einzigartig – Jugendlich“ nahmen am 05. und 06.12.2017 knapp 75 Schülerinnen und Schüler aus den Berufsvorbereitungsklassen an den Workshops mit dem Horber Dichter Walle Sayer teil. Seit 11 Jahren schafft es der Horber Dichter mit viel Fingerspitzengefühl auf die Jugendlichen einzugehen und sie an Lyrik heranzuführen.  

Seine Biografie verpackte Walle Sayer kurzweilig und spannend, indem er ausgewählte Gedichte und Fotos aus seinem Leben vortrug, interpretierte und illustrierte.
„Manche Gedichte brauchen 40 Jahre – von der Erfahrung bis zur Umsetzung.“ Als Beispiel dafür las er das Gedicht „Herbstnachmittage“, in dem er eine Szene aus seiner Kindheit als „Wiesenkicker“ skizziert, vor. Dazu brachte er ein Foto mit, das ihn mit seiner damaligen Jugendfußballmannschaft zeigt. Offen und wertschätzend beantwortete Walle Sayer die Fragen der Jugendlichen, veranschaulicht durch Situationen aus seinem Leben, durch Fotographien und seine Originalbücher. Beeindruckt waren die Schülerinnen und Schüler von seinem aktuellen Manuskript: Durchgestrichene, markierte Zeilen und flüchtige Notizen. „So sieht´s in meiner Werkstatt aus“, erklärte Walle Sayer.
„Ich selber war noch nie in Amerika, aber meine Gedichte sind schon dort hingekommen“, kommentierte der Dichter schmunzelnd die Veröffentlichung vier seiner Gedichte in der amerikanischen Fachzeitschrift World Literature Today.

Eingestimmt auf das Thema, durften sich die Jugendlichen im zweiten Teil des Gedichte-Projekts selbst ausprobieren. Angelehnt an die Schulnamensträgerin Hilde Domin, gab Walle Sayer Hilfestellungen und Themenvorschläge für Schülerinnen und Schüler, die noch unschlüssig waren. „Neue Wege möchte ich finden“, sagte Hilde Domin. Für einige Jugendlichen sollte dieser Satz Ausgangspunkt sein, um über ihre Sehnsüchte, Lebenswege und Erwartungen an Gesellschaft und Politik nachzudenken.

Mit der Zeile „Meine Hand greift nach einem Halt und findet nur eine Rose als Stütze“ aus einem Gedicht Hilde Domins, erhielten andere Jugendliche Zugang zu der Frage, wer ihnen Halt und Kraft im Leben gebe.
Zu diesen oder auch ganz anderen eigenen Themen begannen manche Schülerinnen und Schüler Wörter zu sammeln. Andere legten gleich mit kleinen Erzählungen los. In einer konzentrierten Arbeitsatmosphäre schaffte es Walle Sayer mit kleinen Tipps und Anregungen, dass aus diesen Konzepten Gedichte in Rohform entstanden.

Die abschließende Lesung der Schülergedichte war eindrucksvoll, von großer Offenheit und gegenseitiger Achtung geprägt und bewegend für die jungen Schriftstellerinnen und Schriftsteller, aber auch für Walle Sayer und die begleitenden Lehrkräfte. Und manches Gedicht hatte Walle Sayers Anspruch“…dass ein gutes Gedicht schimmert zwischen den Zeilen“, schon ein wenig erfüllt.

Die Organisatorinnen des Gedichte-Projektes, Sibylle Schorpp, Nadja Großmann und Christine Kegreiß, waren sehr zufrieden und freuen sich darauf, wenn eine Auswahl der besten Gedichte, nach ihrer Verfeinerung im Deutschunterricht, bei der Schuljahresabschlussfeier im kommenden Jahr vorgetragen werden.

Authorin: Nadja Großmann