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Neue Mut-Geschichten aus Oberjesingen


Zum dritten Mal gastiert die Ausstellung „Nur Mut“ in einem Herrenberger Stadtteil. Nach den Stationen Kayh und Mönchberg ist sie am Sonntag in Oberjesingen in der Scheune von Doris Dengler eröffnet worden.

Es ist der Gruppe Kulturorte zu verdanken, dass die Schau jetzt auch in Oberjesingen zu sehen ist. Die Gruppe will historische Gebäude wieder mit Leben füllen. Und das ist am Sonntag gelungen: Rund 60 Besucherinnen und Besucher tummelten sich dort, als Doris Dengler sowie Vanessa Watkins und Manuela Epting vom Team Beteiligung und Engagement die Schau feierlich eröffneten. Acht neue, noch nie gehörte Mutgeschichten aus Oberjesingen wurden dabei präsentiert. In der Ausstellung können Interessierte den Schilderungen lauschen, sie auf Tafeln nachlesen und sie dank der anschaulichen Exponate auch sinnlich erleben. „Es ist toll, was die Gruppe Kulturorte hier auf die Beine stellt“, sagte Johannes Roller, ehemaliger Ortsvorsteher von Oberjesingen.

Doris Dengler eröffnet die Mut-Ausstellung in Oberjesingen.
Doris Dengler eröffnet die Mut-Ausstellung in Oberjesingen.

Schwäbische Bescheidenheit

Die Ausstellungseröffnung war verbunden mit einem Dankeschönfest. Der Dank gilt den zahlreichen Erzählenden, den Organisatorinnen und den vielen Helfenden, die die Geschichten vermittelt haben und mit eigenen Aktionen während des Festivals die Mut-Kampagne unterstützten. Auch die Mitmachenden und Gäste waren voll des Lobes für das Projekt, so etwa Brigitte Schäfer aus Affstätt. Für sie sind die „unterschiedlichen Facetten von Mut“ bemerkenswert.

Was ihre eigene Geschichte betrifft, gibt sie sich aber schwäbisch bescheiden: „Meine eigene Geschichte fand ich selbst gar nicht so mutig, weil ich mich nie versteckt habe. Doch natürlich ist es etwas anderes, wenn jetzt so viele Menschen, die ich selbst nicht kenne, meine Geschichte erfahren. Doch nur so ändert sich die Welt.“ Andere Mitmachende, wie Roland Dommer aus Mönchberg, erzählt: „Wir haben ein koreanisches Kind adoptiert, was ich selbst gar nicht so mutig fand. Persönlich finde ich es unheimlich mutig, was andere im Zweiten Weltkrieg gemacht haben.“ Manche Besuchende haben die Ausstellung auf allen Stationen verfolgt, andere sahen sie zum ersten Mal. „Wenn man solche Geschichten nicht zusammen hält, geht vieles verloren“, meint der Oberjesinger Thomas Walz.

Mut auch in Stuttgart

„Nur Mut“ hat in der Region inzwischen übrigens noch weitere Kreise gezogen: So gastierte am 26. September die Ausstellung in Stuttgart in den Seefrachtcontainern von Lampedusa Calling auf dem Pariser Platz. Die Schau zog eine Menge junge Besuchende an und bot für viel Diskussionsstoff. Dabei stand besonders das Thema Mut und Flucht im Mittelpunkt.