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Im Frühjahr wird die Seestraße zur Großbaustelle


Radler, Fußgänger und Autofahrer finden bequem ihre Wege über die Seestraße, die Verbindung vom Seeländerplatz zum Seelesplatz in Richtung Altstadt und der offene Aischbach laden zum Bummeln und Verweilen ein. Vor der Verwirklichung dieser Idee liegen noch einige Monate Baustellenzeit mit Einschränkungen und Belastungen für Anlieger und Verkehrsteilnehmende. Vergangene Woche hat der Gemeinderat mehrheitlich grünes Licht für die Planung der ersten beiden Bauabschnitte gegeben.
 
„Unser Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität im Bereich der Seestraße deutlich zu erhöhen, das heißt, wir wollen die Bundesstraße stadtverträglich umbauen“, erläutert Erster Bürgermeister Tobias Meigel die Pläne. „Die Geschwindigkeit für den Autoverkehr wird dynamisch zwischen 20 und 40 km/h geregelt, sodass sich alle Verkehrsteilnehmer sicher und komfortabel bewegen können und besonders Fußgänger die Seestraße in Richtung Altstadt gut queren können.“

Los gehen soll es mit dem Umbau im März oder April 2020, sobald die Witterung es zulässt. Um die Erreichbarkeit der Baustelle auf dem Seeländer-Areal zu gewährleisten, werden die Straßenbauarbeiten in zwei Abschnitten ausgeführt: Der erste Bauabschnitt erstreckt sich entlang der Seestraße von der Stadthallenstraße bis zum Seeländerplatz. Im zweiten Bauabschnitt wird die Fahrbahn vom Seeländerplatz inklusive der Überquerung bis kurz vor den Reinhold-Schick-Platz neu gestaltet. Im Herbst 2020 sollen der Seeländer-Platz und die Seestraße fertig sein – rechtzeitig zur geplanten Eröffnung des Seeländer-Neubaus. Für beide Bauabschnitte rechnet die Stadt mit Kosten in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro.

Schutzstreifen für Radler

Der Umbau der Seestraße bringt zahlreiche Neuerungen: Auf beiden Seiten der Fahrbahn entstehen 1,50 Meter breite Schutzstreifen für Radfahrende, die mit gestrichelten Linien, Piktogrammen und einem sogenannten Possehl-Belag, ein heller Kunstharz-Belag, gekennzeichnet werden; Autos dürfen die Schutzstreifen nur im Ausnahmefall befahren.
Dieser besondere Belag kommt auch bei der Querung auf Höhe des neuen Seeländerplatzes zum Einsatz: Er macht hier für alle deutlich, dass dies eine Hauptachse für Fußgänger aus Richtung Altstadt ist, die durch den langsameren Verkehr und die Mittelinsel sicher von einer Seite auf die andere kommen. Ebenso prüft die Verwaltung auf Anregung der SPD, den Possehl-Belag künftig auch auf den Schutz- und Fahrradstreifen in der Hindenburgstraße aufzubringen.
 

Weniger Verkehr, sicheres Queren

Die Stadt rechnet damit, dass sich der Verkehr auf der Seestraße durch das Lenkungskonzept um rund 6.000 Fahrzeuge pro Tag reduziert und damit auch das Überqueren für Fußgänger einfacher und sicherer wird. In Verbindung mit dem Bahndurchstich I3Opt. wird für die Seestraße eine Reduzierung um bis zu 11.500 Kraftfahrzeuge pro Tag prognostiziert.
Ein farblich auffälliger, heller Granitbordstein und grau-beige Pflastersteine kennzeichnen künftig die Gehwege auf beiden Seiten. Das gleiche Material kommt bei der Gestaltung der Mittelinseln zum Einsatz.
Mit insgesamt vier Metern Breite pro Richtung bietet die Fahrbahn genug Platz für dieses Plus an Sicherheit und Komfort für den Radverkehr neben dem Pkw-Verkehr (2,50 Meter Fahrbahn + 1,50 Meter Schutzstreifen). Das Tempolimit wird von heute 50 km/h auf künftig 20 bis 40 km/h reduziert. Eine dynamische Tempo-Anzeige soll den Verkehr flüssiger machen und für weniger Abgase sorgen. Auch die Bushaltestellen werden als Fahrbahnhalt neu und barrierefrei gestaltet.
 

Seeländer-Platz

Parallel zu den Bauarbeiten an der Seestraße gestaltet das städtische Tiefbauamt den Seeländer-Platz und legt den Aischbach offen. Die Stadthallenstraße wird ebenfalls umgestaltet und ausgebaut, um die neue Zufahrt zum Seeländer-Parkhaus zu ermöglichen. Im Einmündungsbereich in die Seestraße werden eine Geradeaus-/Rechtsabbiegespur, eine Linksabbiegespur sowie ein einseitiger Gehweg angeboten. Im Bereich des Seeländerplatzes geht der Gehweg in die Platzgestaltung über. Die Einmündung Stadthallen-/ Seestraße wird mit einer Ampel geregelt. Auf der Ostseite werden entlang der Stadthalle und Mehrzweckhalle senkrecht angeordnete Stellplätze angeboten und durch Pflanzflächen eingefasst.
 

Seelesplatz wird attraktiver

2021 folgt die Umgestaltung des großen Platzes zwischen Nufringer Tor und Bronntor. Der Seelesplatz wird nach Plänen des Landschaftsarchitekten Stefan Fromm, der den Gestaltungswettbewerb für sich entscheiden konnte, zum attraktiven Aufenthaltsbereich mit Pavillons, Sitzmöbeln und Wasserfläche.
 

Neue, klimaangepasste Bäume

Im gesamten Planbereich (Seestraße, Stadthallenstraße und Seelesplatz) werden insgesamt 15 alte Bäume entnommen und 20 Bäume neu gepflanzt. In der Seestraße etwa sollen sechs Platanen und eine Linde durch neue, andere Baumarten ersetzt werden, die dem Klimawandel besser gewachsen sind. Eine Verpflanzung der 30 bis 40 Jahre alten Bäume ist technisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll möglich. „Wir haben im gesamten Planungsprozess große Mühen unternommen, alle Bäume zu erhalten, aber es hat sich nun gezeigt, dass dies leider unmöglich ist“, erklärt Baubürgermeister Meigel. „Ökologische Vielfalt und Grün in der Stadt sind zentrale Themen der Stadtentwicklung, die auch im Bereich Seestraße eine wichtige Rolle spielen“, so Meigel weiter. Deshalb werden die alten Bäume durch neue, große klimaangepasste Bäume ersetzt.
 

Diskussion im Rat

Dass einzelne Punkte der Planung umstritten sind, zeigte die lebhafte Diskussion im Gemeinderat in der vergangenen Woche. OB Sprißler betonte, dass aufgrund gewisser Rahmenbedingungen nicht alle Ziele erreicht werden können, die sich Verwaltung und Gemeinderat gesetzt hatten: „Die Stadt kann nicht frei planen und frei bauen – wir haben aber das möglichst Optimale herausgeholt.“ Auch sagte die Verwaltung – mit Blick auf die Kritik an der Radwegeführung vor der Stadthalle – zu, die Anbindung des Radwegs vom Schick-Platz bis zur Benzstraße als Anregung mitzunehmen.

Die SPD hatte eine Stellungnahme mit neun Punkten zu den Plänen der Verwaltung verfasst. Einige wurden von der Verwaltung zwischenzeitlich eingearbeitet, wie der Possehl-Belag auf den Schutzstreifen, andere Punkte werden später geprüft, wie die Begrünung der Mittelinsel in der Seestraße; wieder andere wurden von Fraktionssprecher Bodo Philipsen zurückgenommen. Wie er betonte, trage seine Fraktion die Ziele des Wettbewerbs weiterhin mit und übe lediglich Kritik an Teilen der Planung. Jörn Gutbier legte dar, die Fraktion der Grünen lehne die vorgelegte Planung mehrheitlich ab, da all das, was man sich vorgenommen habe, damit nicht umgesetzt werden könnte. Seine Kritik richtete sich insbesondere gegen die Radverkehrsplanung und das Fällen der Bäume. Dagegen bezeichnete Thomas Deines (Freie Wähler) die Pläne der Verwaltung als „gute Lösung“; seine Fraktion stimmte der Planung zu. Ebenso signalisierte Dieter Haarer Zustimmung seitens der CDU-Fraktion: Diese sehe in dem Entwurf die gesetzten Ziele weitestgehend erreicht.

Letztlich stimmte der Gemeinderat bei fünf Nein-Stimmen und vier Enthaltungen der Planung der Verwaltung mehrheitlich zu und hat diese damit ermächtigt, die Arbeiten zur Umgestaltung der See- und Stadthallenstraße auszuschreiben und zu vergeben.