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Konstruktive Suche nach Lösungen fürs Alzental


Groß war das Interesse bei den betroffenen Bewohnern des Alzentals und entsprechend hoch die Konzentration: Zum Austausch über Lösungen für das vom Durchgangsverkehr geplagte Wohnviertel hatte die Verwaltung vorige Woche in die Stadthalle eingeladen. Das richtig Rezept für einen sachlichen Austausch bei dieser emotionalen Debatte, wie sich herausstellte. Für einen konstruktiven Austausch und die offene, sachliche und kritische Diskussion dankte Bürgermeister Metzing allen Beteiligten.
 
Rund 250 Bürgerinnen und Bürger nahmen sich drei Stunden Zeit, um mit Bürgermeister Stefan Metzing, Verkehrsplaner Michael Tröger und Ordnungsamtsleiter Dieter Bäuerle auszutüfteln, was den momentanen Ärger verursacht und welche Alternativen es gibt. Schnell war klar, dass die aktuelle Situation rasches Handeln verlangt, weil die versuchsweise Sperrung mancher Durchfahrtstrecken in erster Linie zu einer Verlagerung der Verkehrsbelastung in kleinere Nebenstraßen führte. Die Verkehrssicherheit ist in der Wahrnehmung der Anwohner gefährdet, wie die jüngste Teilnehmerin des Abends, ein etwa 10-jähriges Mädchen, eindrücklich schilderte.
 
„So kann es nicht bleiben“, ist daher ein zentrales Fazit, das Bürgermeister Stefan Metzing nach diesem Abend und den vorherigen Anwohner-Gesprächen in kleineren, informellen Runden zieht – ein Urteil das Ordnungsamtsleiter Bäuerle unterstreicht, er spricht von einem erheblichen Sicherheitsproblem in den Nebenstraßen. Da also in puncto Sicherheit dringender Handlungsbedarf gegeben ist, wie nicht zuletzt der Informationsabend verdeutlicht hat, will die Verwaltung in der nächsten Woche die Verkehrsführung nochmals verändern. „Wir setzen den Feldversuch fort, reagieren dabei aber wie angekündigt unverzüglich auf die Erkenntnisse der ersten vier Wochen“, betont Metzing. Mit regelmäßiger Kontrolle und intensiver Datenerhebung soll die neue Regelung durchgesetzt und ihr Erfolg überprüft werden.
 
Als klarer Favorit stellt sich die strikte Trennung der Wohngebiete entlang der Gültsteiner Straße dar. Keinerlei Durchfahrtmöglichkeit in Ost-West-Richtung würde den Schleichverkehr ausbremsen, dafür könnten die Straßen innerhalb der Wohngebiete Alzental und Schafhausfeld jeweils wieder in alle Richtungen geöffnet werden, wie Ordnungsamtsleiter Bäuerle erläutert. Um diesen Effekt zu erzielen, sind eine Reihe von Fahrverbotsschildern entlang der Gültsteiner Straße nötig, die von einer Verengung der Straße auf 3,50 Meter Breite flankiert werden sollen.
 
So ist die Gültsteiner Straße von der Innenstadt her nur noch bis einschließlich Markusstraße und aus der Gegenrichtung nur bis einschließlich Erhardtstraße befahrbar. Die Weiterfahrt ist jeweils untersagt. Außerdem ist die Einmündung der Johannesstraße von der und zur Gültsteiner Straße in beide Fahrtrichtungen gesperrt.  Die momentanen Einbahnstraßen-Schilder in Goethe- und Erhardtstraße würden hingegen wieder abgebaut. Die Befahrbarkeit für den Radverkehr und die Rettungs- und Einsatzfahrzeuge ist uneingeschränkt gewährleistet.
 
Diese Lösung ist keine ganz neue Variante: sie war schon 2018 als „Poller-Lösung“ im Gespräch, damals mit der Idee, dass nicht Schilder, sondern Pfosten die Durchfahrt an den Straßen verhindern sollten. Damals ist die Idee am Widerstand der Einsatzkräfte gescheitert, die für den Einsatzfall einen Zeitverlust durch die Poller befürchtet hatten. Mit der jetzt anvisierten „Schilder-Lösung“ steigt der Kontrollaufwand für Ordnungsamt und Polizei, um die Einhaltung der neuen Verkehrsregeln zu überwachen und durchzusetzen. Auch diese Verkehrsregelung soll zunächst versuchsweise eingeführt und während der im kommenden Jahr geplanten Sperrungen und Baumaßnahmen auf der Hindenburgstraße und Seestraße auf den Prüfstand kommen. Eine Ausweisung der Strecke als Umleitung ist dann jedoch nicht vorgesehen.
 
Diese Lösung hat unter den Bewohnern mit Abstand die meisten Fürsprecher, wie das Stimmungsbild des Infoabends zeigte, den Ute Kinn gekonnt moderierte. Sie erhielt dreimal so viele Stimmen wie der Wunsch nach einer Südumfahrung und der Vorschlag, den Feldversuch sofort abzubrechen. Nur Einzelne überzeugte der Vorschlag, die Hauff- und Hölderlin-Straße zu Sackgassen zu machen und damit die aktuelle Lösung nachzubessern. Auch die Vorstellung, dass die aktuelle Lösung nur besser mit technischen Hilfsmitteln überwacht werden müsse, fand kaum Anhänger.