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Bäumchen wechsel dich


Sonne satt und möglichst wenig Regentage – das steht bei vielen ganz oben, wenn man sie nach ihren Wünschen für den Sommer fragt. Doch wie so häufig gibt es auch hier eine Kehrseite der Medaille: Die Natur kommt mit diesem „Traumwetter“ nicht ganz so gut zurecht. Besonders die Bäume in der Stadt haben damit zu kämpfen. Wie die zwei Megatradens Digitalisierung und Migration zur Lösung dieses Problems beitragen weiß Baumkontrolleur Christoph Stotz.
 
Der längst spür- und messbare Klimawandel bringt nicht nur trockenere, heißere und regenärmere Sommer mit sich. In den Wintermonaten gibt es zugleich extremere Frost-Phasen und deutlich mehr Niederschläge. Ein Trend, der sich mit belastbaren Zahlen belegen lässt: „Das Umweltbundesamt sagt voraus, dass bis ins Jahr 2050 nicht nur die Regenfälle in den Sommermonaten um 25 Prozent zurückgehen, sondern dass im gleichen Zeitraum auch die Niederschläge in den Wintermonaten um 20 Prozent zunehmen werden“, zitiert Christoph Stotz aus einer offiziellen Statistik. Dies bedeutet, dass in den Sommermonaten noch weniger Wasser zur Verfügung stehen wird. Prasselt der vermehrte Niederschlag im Winter als Starkregen nieder, fließt er schnell ab – und steht somit den Bäumen auch nicht in vollem Umfang zur Verfügung. Zudem besagt der Klimabericht der Bundesregierung, dass sich allein in den letzten Jahren die mittlere Lufttemperatur in Deutschlang um 0,3°C erhöht und sich die Zahl der Hitzetage seit Aufzeichnung der Wetterdaten mehr als verdreifacht hat. War es im Jahr 1951 durchschnittlich an drei Tagen im Jahr mehr als 30°C heiß, so klettert das Thermometer derzeit an mehr als zehn Tagen im Jahr über die 30-Grad-Marke.
 
Die Konsequenz: „Unsere heimische Baumarten sind diesen Herausforderungen nicht mehr gewachsen“, sagt der Baumkontrolleur des städtischen Amts für Technik, Umwelt, Grün (TUG) der Stadt Herrenberg und er weiß: „Schon heute haben viele Bäume im Stadtgebiet die Grenze ihrer Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit überschritten.“
 
Im Wissen um diese Entwicklung hat die Stadt Herrenberg bereits erste Weichenstellungen vorgenommen und wird zukünftig bei den Stadtbäumen konsequent neue Wege gehen. Was sich auch im Stadtbild bemerkbar machen wird. Statt der bislang bekannten werden neue Baumarten für grüne Akzente in der Stadt und für mehr Lebensqualität bei den Bürgern sorgen. Baumarten wie der Japanische Schnurbaum, die Blumenesche, der Amerikanische Zürgelbaum, der Amberbaum, die Silberlinde oder auch Ulmen. Baumarten also, die trocken-stresstolerant, hitzeresistent und frosthart sind und deren Anblick man bislang in unseren Breitengraden eher nicht gewohnt war. Baumarten, die natürlicherweise im südost-europäischen, asiatischen oder auch amerikanischen Raum vorkommen, wie teilweise schon am Namen abzulesen ist. „Dort herrschen schon längere Zeit die klimatischen Bedingungen, die wir in den nächsten Jahren ohne Zweifel erreichen werden“, nennt Christoph Stotz den Hauptgrund für das „Bäumchen wechsel dich“. Oder wie es in einem Positionspapier des Deutschen Städtetages aus dem Jahr 2012 nachzulesen ist: „Neue, nicht heimische Baumarten sind den Folgen des Klimawandels oftmals besser gewachsen und finden verstärkt Verwendung im Straßenbereich.“
 
Damit aber nicht genug: Die Stadt Herrenberg wird eine ganze Reihe weiterer Maßnahmen ergreifen, um das Baumsterben zu verhindern. Zum einen werden künftig verbesserte Baumquartiere geschaffen, die nicht nur über einen durchwurzelbaren Bereich von mindestens zwölf Kubikmetern verfügen und somit den Bäumen trotz Innenstadt-Lage gute Wachstumsbedingungen bieten. Die Baumquartiere sind zudem mit einem Belüftungssystem zur Sauerstoffversorgung ausgestattet. „Zum anderen installieren wir ein Bewässerungssystem, das garantiert, dass unsere Bäume auch in den trockenen, heißen Sommermonaten immer ausreichend Wasser bekommen“, nennt Christoph Stotz eine zweite Maßnahme. Beim schrittweisen Ein- und Aufbau des Bewässerungssystems profitiert Herrenberg ganz entscheidend von seinem stadteigenen Funknetz. In die neuen Baumquartiere werden Feuchtigkeitssensoren verbaut, LoRaWAN sei Dank können die so erhobenen Daten übertragen werden. Damit wird die pauschale Bewässerung nach dem Gießkannenprinzip hinfällig, das Wasser kommt bedarfsgerecht an die Bäume. Sowohl der Zeitpunkt der Wasserzufuhr als auch die Wassermenge an sich ist wird ganz individuell und auf die Bedürfnisse des einzelnen Baums zugeschnitten sein. Ein weiterer ökologischer Aspekt, denn dies bedeutet einen sparsamen und zugleich verantwortungsvollen Umgang mit unserem Wasser.