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Architekturwettbewerb für Fruchtkasten gestartet


Mit der Zukunft des Fruchtkastens haben sich Bürgerschaft, Verwaltung und Gemeinderat in den vergangenen Jahren intensiv auseinandergesetzt. Nun hat die nächste Phase begonnen: Seit Donnerstag, 26. März 2020, ist der EU-weit ausgeschriebene Architektenwettbewerb gestartet. Über die Vergabeplattform „subreport“ und das Amtsblatt der Europäischen Union können sich auch international renommierte Büros noch bis zum 27. April bewerben.
 
Ursprünglich diente der 1683/84 erbaute Fruchtkasten in Herrenberg als Lager für den „Zehnt“, also die Abgaben des landwirtschaftlichen Ertrags an die Herrschaft. Nachdem der Zehnt im Jahre 1851 abgeschafft wurde, erwarb die Stadt das Gebäude, das lange Zeit überwiegend als Lagerraum genutzt wurde. Mit der Zukunft des Fruchtkastens beschäftigten sich Bürgerschaft, Gemeinderat und Verwaltung schon seit langem: Im Oktober 2018 fasste der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss zur „Sanierung und Revitalisierung“ des Fruchtkastens. Im Dezember 2019 dann wurde die Stadtverwaltung ermächtigt, das Büro „kohler grohe architekten“ zu beauftragen, einen beschränkten Wettbewerb mit bis zu 25 Teilnehmenden durchzuführen – seit dem 26. März ist dieser nun gestartet: Architekten und Ausstellungsgestalter haben jetzt bis zum 27. April Zeit, sich online zu bewerben.
Die Ausführung des Wettbewerbs erfolgt in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit der städtischen Projektstelle, bei der die Architektin Jessica Dubovski seit Oktober 2019 für die Sanierung des Fruchtkastens verantwortlich ist.
 
EU-weite Ausschreibung
Der Architekturwettbewerb ist EU-weit ausgeschrieben und wird über das Amtsblatt der Europäischen Union (ABI) veröffentlicht: Das ABI erscheint täglich und wird in allen Amtssprachen der EU herausgegeben. Auch auf der Vergabeplattform „subreport“ ist die Veröffentlichung aktiv; über sie können sich Architektinnen, Architekten, Planerinnen und Planer sodann bewerben. Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgt, nach Ablauf der Bewerbungsfrist, am 28. April nach einem Punktesystem. Anschließend werden die Wettbewerbsunterlagen im Mai an die 19 geeignetsten Büros versandt. Sechs Teilnehmende wurden bereits vorab ausgesucht und angefragt. Daraus ergibt sich eine Gesamtteilnehmerzahl von 25 Architekturbüros. Voraussichtlich im Mai ist eine Besichtigung für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs vorgesehen: Diese sehen dann den Fruchtkasten das erste Mal von Innen.
 
Das Gebäude
Der Herrenberger Fruchtkasten steht unter Denkmalschutz und wurde im Jahr 1683/84 errichtet. In diesem Zuge überbaute man einen Teil der Stadtmauer sowie die alte Kelter. Nachträglich wurde an der Südostecke des Gebäudes ein, mit Schießscharten versehener, Beobachtungserker zur Stadtverteidigung angebracht. Innerhalb des Fachwerkbaus ist ein romanischer Steinbau aus dem 13. Jahrhundert, den Gründungsjahren der Stadt, erhalten.
Anlässlich des 800-jährigen Bestehens der Stadt Herrenberg stehen im Jahr 2028 große Feierlichkeiten an. Der Fruchtkasten bildet hierbei als eines der herausragenden, historischen Gebäude einen wichtigen, identitätsstiftenden Baustein der Stadtgeschichte.
 
Lange Zeit wurde der Fruchtkasten überwiegend als Lagerraum genutzt: Das Gebäude ist in kleinere Raumeinheiten unterteilt, die vermietet wurden. Seit 1998 befindet sich – neben den Lagerräumen - eine kleine, stadtgeschichtliche Ausstellung im Erdgeschoß, die bis Februar 2020 einmal monatlich besucht werden konnte. Nach deren Schließung für die Öffentlichkeit wurde damit begonnen, die Sammlung und weitere Gegenstände von einer Bauforscherin und Archäologin katalogisieren zu lassen, die dazu jedes Exponat fotografiert, vermisst und beschreibt. Diese Daten sind für eine mögliche spätere Ausstellung wichtig. Auch ein Holzschutzgutachter ist im Fruchtkasten tätig, der die Beschaffenheit der Holzkonstruktion bewertet. Das Obergeschoß wird derzeit noch durch eine Theatergruppe genutzt.
 
Teilnahme
Architektur- und Planungsbüros, die sich bewerben möchten, können dies auf der Vergabeplattform „subreport“ tun. Zur Ausschreibung des Wettbewerbs geht es unter www.subreport.de/E51487451.