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Wie die kleine Börse Armut begegnet


Sozial gerechter und ökologischer soll es gemäß der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung in der Welt zugehen. Herrenberg möchte in diesem globalen Prozess mitwirken. Ein wichtiger Schritt dabei ist die Fortschreibung des städtischen Leitbilds im Sinne der 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen (UN). In einer Inforeihe stellt die Stadtverwaltung diese Ziele mittels Pressemitteilung und in den sozialen Medien vor. Dieses Mal im Fokus: SDG 1 „Keine Armut“ und das Engagement der kleinen Börse in Herrenberg.
 
„Armut in jeder Form und überall beenden“, so lautet das erste Ziel der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. 193 Staaten weltweit haben diese Strategie 2015 beschlossen. Um diese Ziele zu erreichen, brauchen sie die Mithilfe der Kommunen. Essentiell dabei ist, lokale Initiativen zu stärken, die oft schon lange vor der Agenda 2030 entstanden sind.

Bild von UN-Nachhaltigkeitsziel Nr. 1 - keine Armut

Gemäß SDG 1 soll bis 2030 Armut in all ihren Ausprägungen beendet sein. Auf Deutschland bezogen heißt das, dass der Anteil aller Bürgerinnen und Bürger, die nach der deutschen Definition in Armut leben, mindestens um die Hälfte sinken soll. Auch in Herrenberg gibt es Menschen mit geringen Einkommen, die es gerade in den Zeiten von Corona schwer haben, da die Lebensmittelpreise gestiegen und Anlaufstellen geschlossen sind. „Ein Ort, an dem das Engagement gegen Armut in der Stadt sichtbar wird, ist der Verein Die kleine Börse“, sagt Lena Schuldt, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik. Die kleine Börse ist ein Treffpunkt in der Hildrizhauser Straße, in dem man für kleines Geld speisen und Kaffee trinken kann. Die Einrichtung hat vergangenes Jahr ihr 10-jähriges Bestehen gefeiert.
 
Von Beginn an dabei war die Vorsitzende Manuela Sebastian. Angeregt und finanziert hat den Treffpunkt damals die Spendenaktion des Arbeitskreises Miteinander-Füreinander. „Das Ziel der kleinen Börse ist es, die Wahrnehmung und Wertschätzung sowie den Austausch untereinander zu steigern“, erklärt Sebastian. Nicht die Armut, sondern die Begegnung ist das zentrale Thema. Heute kommen viele Rentnerinnen und Rentner und Menschen mit geringen Einkommen. Neben ihnen spricht der Verein Menschen in seelischen Notlagen oder mit Behinderung, kranke und einsame Menschen oder auch Alleinstehende an. Willkommen sind auch Wohlhabende. „Sie müssen nicht befürchten, jemandem etwas wegzunehmen“, sagt Sebastian. Im Gegenteil: die Börse soll ein Ort des Austausches sein.
 
Foto von Essensausgabe in kleiner Börse
Einander wahrnehmen und Begegnung auf Augenhöhe - darum geht es Manuela Sebastian (links im Bild mit einer Besucherin der kleinen Börse).

33 Bürgerinnen und Bürger engagieren sich zur Zeit in der Begegnungsstätte, früher waren es 60. Nur leider zählen die meisten zur Risikogruppe, was Covid-19 angeht, und in die zwei Gasträume passen aufgrund der Sicherheitsabstände nur wenige Gäste hinein. Deshalb ist die kleine Börse seit dem 13. März geschlossen. Sie soll aber so bald wie möglich wieder öffnen. „In der Pandemie sind die soziale Isolation und die Einsamkeit größer“, so Sebastian.
 
Mitmacherinnen und Mitmacher dringend gesucht
Die kleine Börse sucht dringend weitere Mitarbeitende, die etwa die Gäste zum Tisch begleiten, bedienen und das Gespräch mit ihnen suchen. Außerdem hofft die kleine Börse auf finanzielle Unterstützung. Neben Spenden finanziert sie sich nur über Mitgliedsbeiträge und die kleinen Preise. Während der Pandemie laufen die Kosten natürlich weiter. „Wir planen ab Mitte Juli zu öffnen, allerdings zu veränderten Öffnungszeiten. Wir finden Wege trotz, oder gerade wegen Corona“, kündigt Sebastian an. „Es wird auf jeden Fall weitergehen, wenn auch vielleicht in anderer Form“, ist sie sich sicher. Ein Anliegen des Vereins ist es, auch Menschen in Unterkünften für Wohnungslose verstärkt zu erreichen. Wer unterstützen möchte, kann auf direktem Weg Kontakt aufnehmen: über E-Mail an info@diekleineboerse.de oder den Briefkasten in der Hildrizhauser Straße 5. Helferinnen und Helfer können die Bürgerschaft auf das Angebot der Begegnungsstätte hinweisen oder spontan vorschlagen, einfach gemeinsam hinzugehen – jede und jeder ist herzlich willkommen.
 
Kontakt zur kleinen Börse:
Manuela Sebastian, E-Mail info@diekleineboerse.de; Telefonanrufe können im Moment nicht entgegengenommen werden; Briefkasten: Hildrizhauser Straße  5.