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Dankbarkeit und Freude als Lebensphilosophie


Knapp vier Jahrzehnte hat Helmut Maier bei der Stadt Herrenberg gewirkt: 26 Jahre davon als Amtsleiter, weitere 13 als Erster Bürgermeister, bis er 2003 aufgrund gesundheitlicher Umstände in den Ruhestand ging. Heute blickt er gerne auf eine reiche Zeit an Erfahrungen, Aufgaben und Möglichkeiten zurück. Am kommenden Mittwoch, 1. Juli 2020, wird Helmut Maier 80 Jahre alt.
 
Für Helmut Maier und seine Frau Else scheint 2020 ein Jahr der Jubiläen zu sein: Passend zum runden Geburtstag können die beiden zudem ihren Hochzeitstag und den anschließenden Umzug nach Herrenberg vor 55 Jahren feiern. Seine Frau war es damals auch, wegen der der ehemalige Diplom-Verwaltungswirt nach nur kurzer Zeit in Korb zum damalig noch deutlich kleineren Herrenberg wechselte. Bereits während seiner Schulzeit auf dem Gymnasium hatte Maier Herrenberger Luft geschnuppert; das Kennenlernen seiner Frau, einer geborenen Böblingerin, besiegelte dann die Wahl des zukünftigen Wohnorts: Maier trat zum 1. Februar 1964 seine Stelle als Leiter des damaligen Sozial- und Ordnungsamts in Herrenberg an. Und er blieb, bis heute. „Wir sind echte Herrenberger geworden“, lacht der ehemalige Finanzbürgermeister.
 
Gewerbegebiet und Ammertalbahn
Als Maier 1964 die Leitung des Sozial- und Ordnungsamts in Herrenberg übernahm, war er 23. „Man braucht immer wieder junge Kräfte, denen man Verantwortung übertragen kann“, weiß Maier „Nur so wächst man – auf beiden Seiten“. Und mit der Verantwortung gewachsen, das ist der Verwaltungsfachmann in seinen fast 40 Jahren bei der Stadt: Die Eingliederung der Ortsteile, die Entwicklung des Gewerbegebiets in Gültstein oder die Reaktivierung der 1966 stillgelegten Ammertalbahn nach Tübingen – der Generalist setzte sich in alle Richtung für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger ein. „Ich habe mich immer über die Breite der Tätigkeiten gefreut. Es war eine ungemein reiche und schöne Zeit“, so der noch 79-Jährige. Auch über die Wahl Stefan Metzings als neuer EBM Herrenbergs freue er sich. „Es ist schön, dass der Posten wieder da ist, wo er hingehört“, schmunzelt der Pensionär.
 
Geschichte, Kunst und Bibel

Aber: „Man muss auch loslassen können“, auch dessen ist sich Maier bewusst und erzählt von seinem Vater, der Pfarrer war. Als Pfarrer sei es früher üblich gewesen, dass man, nachdem man sich zur Ruhe gesetzt und das Amt niedergelegt habe, die frühere Wirkungsstätte verließe – loslässt eben. Das hat sich der ehemalige Finanzbürgermeister zu Herzen genommen: Das Rathaus besucht er nur noch zu gegebenen Anlässen. Einzig die Drucksachen liest er immer wieder im Internet nach.
Manche Dinge haben sich aber auch im Ruhestand, nach seiner Zeit bei der Verwaltung, nicht geändert: „‘Der geborene Vollstrecker‘, so hat mich der ehemalige OB Gantner einmal genannt“, erzählt der bald 80-Jährige. Stets an der Praxis orientiert und mit dem Bedürfnis etwas zu tun, von der eigenen Arbeit auch etwas zu sehen, hat Maier in seinen bald 18 Jahren Ruhestand viel geschafft: Unter anderem drei Kunstausstellungen hat er organisiert und kuratiert. Alle drei hatten einen historischen Bezug, zwei davon stehen direkt mit der Herrenberger Stiftskirche in Verbindung. Zu ihr hat der ehemalige Erste Bürgermeister der Stadt ein besonders inniges Verhältnis. 1982 brachte er sich während der Sanierung des Wahrzeichens der Stadt bei der Innengestaltung ein: Jeden Donnerstag war er im Rahmen seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Kirchengemeinderat für zwei Stunden lang mit den Architekten auf der Baustelle zugange. Auch darüber hinaus hat er in der Kirche Spuren hinterlassen. Zum Reformationsjahr 2015 war der gläubige Christ am Nachbau des Mömpelgarder Altars beteiligt, der bis heute in der Turmempore der Stiftkirche – oder im dazugehörigen Bildband – zu sehen ist.
Immer noch ist die Stiftskirche mit all ihrer Geschichte Maiers Lieblingsplatz in Herrenberg. Und Geschichte, das ist ohnehin das liebste Hobby des baldigen Geburtstagskindes, „schon immer gewesen“, so Maier. „Gewachsen ist es damals vor allem durch Traugott Schmolz“, erinnert er sich an den ehemaligen Stadtarchivar Herrenbergs zurück. „Das war ein richtiger Urherrenberger – und ein väterlicher Freund“. Geprägt hat die Liebe zur Historie nicht nur Helmut Maier. Auch der älteste Sohn des Vaters dreier Kinder scheint eine Menge davon abbekommen zu haben: Das gemeinsame Interesse an Geschichte trägt sein Sohn inzwischen in dessen Tätigkeit als Präsident des Landesarchiv Baden-Württemberg weiter.
 
Zeit für die Familie

„Es war der richtige Zeitpunkt“, antwortet Maier auf die Frage nach seiner Entscheidung für den Ruhestand, die er 2002 getroffen hatte. Seither widmet er seine Zeit, neben seinen Hobbys, vor allem der Familie. Seiner Frau, den drei Kindern und sechs Enkelkindern. Aber auch für andere da zu sein, das ist dem Pensionär eine Herzensangelegenheit. „Es ist schön, wenn ich etwas von dem, was ich erlebt habe, teilen und weitergeben darf“, freut sich Maier, „Ich bin sehr dankbar für all die Jahre und Erfahrungen“.
Die Planungen für den anstehenden runden Geburtstag sahen vor der Corona-Pandemie anders aus: Die große Familienfeier muss leider entfallen. Nun geht es stattdessen zu Maiers Tochter nach Schwetzingen. Hier wird im engsten Familienkreis gefeiert. „Mit Dankbarkeit und Freude“, sagt Maier. Ganz im Sinne seiner Lebensphilosophie.