Nachricht

Vom Herrenberger Lateinschüler zum Maler in Düsseldorf


Am 17. Juni jährte sich der Todestag des Malers Theodor Schüz zum 120. Mal. Schüz verbrachte seine Kindheit und Jugend in Nufringen und ging auf die Herrenberger Lateinschule. Später lebte er in Stuttgart, München und Düsseldorf. Seiner schwäbischen Heimt blieb er zeitlebens verbunden und reiste in den Sommermonaten immer wieder ins Gäu. Heute erinnert die Herrenberger Theodor-Schüz-Realschule an diesen großen Sohn der Stadt.
 
Theodor Schüz wurde 1830 als Sohn des Pfarrers Magister Georg Christoph Schüz in Thumlingen bei Freudenstadt geboren. Die Familie zog bald nach Nufringen. Theodor besuchte in Herrenberg die Lateinschule. Ein Bruder seines Vaters war dort Apotheker. Er schreibt darüber in einem Vortrag für einen Düsseldorfer Freundeskreis zurückblickend: „Es war doch eine schöne Zeit, dieser Herrenberger Schulbesuch! Von Frühjahr bis Herbst wanderten wir von Nufringen morgens früh zur Stadt, den Mittagstisch hatten wir beim Onkel, abends ging’s heim. Im Winter blieben wir die ganze Woche in der Stadt, nur Samstag bis Montag früh zu Haus. … Dann, vor dem Abstieg der Stadt kam man an einer alten Schloßruine vorbei und durch ein altes Tor an der alten schönen gotischen Kirche vorbei, deren Umgebung einen oftbesuchten Spielplatz bot, von dem aus nach beiden Seiten lange, breite Steintreppen hinab auf den Marktplatz führten. Davor ein großer runder Röhrenbrunnen, mit immer fließendem Wasser, auf dem in der Mitte auf einer Säule ein Löwe saß. Wenn ich nicht irre, sperrte er manchmal im Jahre seinen Rachen gegen das Rathaus auf und streckte den Schwanz nach der königlichen Post oder umgekehrt, wenn’s die Herren verdroß“.
 
Berufsausbildung
Nach dem Schulabschluss begann Schüz auf Wunsch des Vaters und entgegen seiner Begabung und Liebe zur Kunst zunächst in Herrenberg und dann in Göppingen bei Gerichtsnotar Judler eine Ausbildung zum Notar, mit der er sich allerdings so sehr quälte, dass der Vater schließlich doch den Berufswechsel in die Kunst erlaubte. So durfte Schüz anfangs an der Universität Tübingen Zeichenkurse bei Professor Heinrich Leibnitz (1811-1889) belegen, bevor er dann im Herbst 1848 sein Studium an der Kunstschule in Stuttgart aufnahm und unter anderem die Klassen von Gottlob Friedrich Steinkopf (1779-1860, Landschaftsmalerei) und Heinrich Franz Gaudenz von Rustige (1810-1900, Porträt und Genremalerei) besuchte.
 
Nächste Stationen
1854, nach dem Tod seiner Mutter, wechselte Schüz nach München, wo er jedoch zunächst - trotz der Anregungen durch Alpenlandschaften als Motiv - in eine ernste Schaffenskrise geriet, die sich erst durch Aufenthalte im Kreis der Familie in Unterlenningen und Nufringen wieder beheben ließen. Im Jahr 1856 kehrte Schüz wieder nach München zurück und wurde dort Schüler des Historienmalers Karl von Piloty in München, zu dessen engstem Kreis er unter anderem mit später so bekannten Malern wie Franz von Lenbach (1836-1904), Hans Markart (1840-1884) oder Franz von Defregger (1835-1921) gehörte. 1858 folgte Theodor Schüz der Einladung Pilotys nach Rom. Dort beschäftigte er sich vor allem mit Porträtstudien.
 
Werke
Sein heute wohl bekanntestes Bild, das in der Staatsgalerie Stuttgart ausgestellte Gemälde „Mittagsruhe in der Ernte“, entstand 1861 ebenfalls in seiner Münchner Zeit.
Bereits 1862 löste sich Schüz allerdings immer mehr von seinem Lehrer von Piloty, indem er beispielsweise aus dessen Atelier auszog. Grund dafür war wohl die eher freie Geisteshaltung von Pilotys, während Schüz wohl auch aufgrund seiner Herkunft aus einer Pfarrersfamilie von einem tiefen evangelischen Glauben erfüllt war. In München gehörte Schüz nach 1860 einer Künstlervereinigung namens „Kassandra“ an, zu der auch Albert Kappis (1836-1914), Anton Braith (1836–1905) und Christian Mali (1832–1906) zu zählen sind.
 
Foto des Gemäldes "Kirchenportal" von Theodor Schüz.
Aus dem Bestand des Herrenberger Stadtarchivs: Auf dem Gemälde „Kirchenportal“ von Theodor Schüz ist ein Seitenportal der  Stiftskirche zu sehen.


Familienleben
1866 kehrte Schüz München jedoch den Rücken und ging nach Düsseldorf, wo er sich neue Impulse für seine Malerei durch Andreas Achenbach, Benjamin Vautier (1829-1898) oder Ludwig Knaus (1829-1910) versprach und optimale Arbeitsbedingungen vorfand. Er blieb auch in Düsseldorf und ließ sich dort mit der Tochter Anna des Tübinger Professors der Philosophie Immanuel Tafel nieder. Der Ehe entstammen die Kinder Friedrich, Elisabeth, Martin und Hans. Dennoch blieb er seinen schwäbischen Wurzeln nicht nur in der Wahl seiner Bildthemen weiterhin verbunden, er reiste auch jährlich zur Sommerzeit dorthin. Während dieser Reisen fertigte er sorgfältige Landschafts- und Figurenskizzen an, die er dann in der Tradition der Düsseldorfer Genremalerei umsetzte. Bei ihm überwiegen ländlich-idyllische Motive, zum Beispiel Szenen am Sonntagmorgen beim Kirchgang oder bei der Arbeit, meist in sehr idealisierter Form. So tragen die dargestellten Bauern eher Sonntagskleidung.
 
Erinnerungen in Herrenberg
Die Genremalerei ist neben der Landschaftsmalerei, der Illustration und der Porträtmalerei eine der Stärken von Theodor Schüz, wie Professor Helge Bathelt in seiner Biographie über den Maler im 1999 erschienen Band der „Herrenberger Persönlichkeiten“ schrieb. Bathelt bezeichnete Schüz als den „Schilderer und „Photograph“ Schwabens“. Theodor Schüz verstarb vor 120 Jahren am 17. Juni 1900 in Düsseldorf.  Zur Erinnerung an Theodor Schüz‘ Schulzeit in Herrenberg wurde die 1975 eingeweihte Realschule im Längenholz nach ihm benannt. Im selben Jahr fand im Verwaltungsgebäude Markplatz 1 auch eine Gemäldeausstellung zu Schüz‘ Ehren statt.
 
Interesse an der Archivarbeit
Haben Sie Fragen an das Stadtarchiv oder möchten Sie alte Unterlagen, Briefe, Fotos oder Tagebücher oder Ähnliches abgeben? Dann wenden Sie sich gerne unter der Telefonnummer 07032/954633-0 oder E-Mail archiv@herrenberg.de an das Team des Herrenberger Stadtarchivs, Marienstraße 21.