Nachricht

Gesellschaftliche Vielfalt leben


„Alle Menschen, die in Herrenberg leben, sind willkommen und werden wertgeschätzt, unabhängig von ihrer Herkunft. Wir streben deren Einbindung in unsere offene Gesellschaft an und gestalten gemeinsam unsere Stadt so, dass sich alle zugehörig fühlen.“ So lautet die Präambel des ersten Herrenberger Integrationskonzepts, dass der Gemeinderat am Dienstagabend mehrheitlich verabschiedet hat.
 
„Es ist wichtig, dass wir das Integrationskonzept nun in einer ersten Stufe beschließen, um in die Maßnahmen zu kommen“, betont Oberbürgermeister Thomas Sprißler in der Sitzung. „Gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern sowie mit den beteiligten Organisationen wollen wir das Konzept mit Leben füllen, im Sinne einer vielfältigen Stadtgesellschaft.“ Heidi Maisch (CDU) bezeichnet das Konzept als „hervorragend“ und hält vor allem die Sprachförderung für einen zentralen Schlüssel, damit Menschen mit Migrationshintergrund gleichberechtigt teilhaben können.
Auch Bodo Philipsen (SPD) lobt das Integrationskonzept als „gelungenen Einstieg“, die Arbeit komme aber noch. Noch immer hätten Menschen mit einem ausländischen Namen in vielen Lebensbereichen Nachteile, sei es bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Job. Philipsen ruft dazu auf, Migrantinnen und Migranten stärker in politische Parteien einzubinden. Kritisch bewertet Gabriele Hüttenberger (Freie Wähler) das Integrationskonzept: Sie bezeichnet es als „schönen Plan, aber realitätsfern“. Sie frage sich, wie man sicherstellen wolle, dass sich alle Beteiligten auf dieselben Werte verpflichteten. Annegret Stötzer-Rapp (Bündnis90/Die Grünen) begrüßt dagegen das Integrationskonzept und fordert mehr „Plätze der Begegnung“ zu schaffen. Sie wünscht sich einen feierlichen Auftakt nach der Verabschiedung im Gemeinderat: „Viele Leute haben an dem Konzept mitgearbeitet, diese sollten wir jetzt nochmals zusammenrufen.“
 
Getragen von breiter Basis
Rund 30 Seiten stark ist das Integrationskonzept, dass die Integrationsbeauftragte der Stadt, Meliha Geiger, in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet hat. Zahlreiche gesellschaftliche Organisationen und Gruppen waren daran beteiligt: neben der Stadtverwaltung auch das Landratsamt, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Arbeiterwohlfahrtsverband (AWO), Gesamtelternbeirat, Schulsozialarbeit, Stadtjugendring, eine Ärztin, Gemeinnützige Werkstätten und Wohnstätten (GWW), Diakonie, Caritas, ehrenamtlicher Dolmetscherpool, Kirchen, Moscheegemeinden, Migrantenorganisationen, politische Fraktionen, Vereine aus unterschiedlichen Bereichen (Kunst, Kultur, Sport, Gewerbeverein, DLRG, DRK) und die Waldhaus-Jugendhilfe.
 
Netzwerktreffen am Anfang
Im November 2018 hatte auf Einladung des Oberbürgermeisters in der Stadthalle ein Netzwerktreffen zum Thema Integration stattgefunden. Insgesamt hatten rund 60 Personen teilgenommen. Auch viele Zugewanderte hatten sich beteiligt und ihre Bedürfnisse formuliert. Damit wird das Konzept von einer breiten, gesellschaftlichen Basis in Herrenberg getragen. Die Verwaltung wird manches davon umsetzen, Angebote machen sowie bei der Umsetzung von Maßnahmen unterstützen. Seit Oktober 2018 gibt es die Stelle der Integrationsbeauftragten in Herrenberg, die die Koordination innehat. Ursprünglich war die Stelle 2016 als Flüchtlingsbeauftragte für die geplante Landeserstaufnahmeeinrichtung geschaffen worden.
 
Das gemeinsame Ziel müsse sein, so Meliha Geiger, Chancengleichheit zu schaffen und damit längerfristig ein friedliches Zusammenleben in Herrenberg zu sichern. Die Integrationsbeauftragte ruft alle Herrenbergerinnen und Herrenberger dazu auf, mitzumachen: „Mit dem Integrationskonzept gestalten wir ein vielfältiges, bereicherndes WIR unserer Stadtgesellschaft. Das Konzept ist auch eine Einladung: Engagieren Sie sich für ein gutes Zusammenleben in Herrenberg für alle.“
 
Zahlen und Fakten
Die Vielfalt ist in Herrenberg schon lange Realität: Menschen aus 113 Nationen leben hier und sprechen viele verschiedene Sprachen. Von knapp 33.000 Einwohnerinnen und Einwohnern haben rund 9.200 einen Migrationshintergrund. Besonders Menschen aus der Türkei, Griechenland, Italien oder aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in Herrenberg niedergelassen. Dazu kommen über 400 geflüchtete Menschen, vorwiegend aus Syrien, Irak, Iran und Afghanistan.