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Kulturkonzeption: Bürgerbeteiligung startet im Herbst


Gut 200 kulturelle Vereine und Organisationen, Kulturschaffende sowie private und städtische Einrichtungen prägen das kulturelle Leben in Herrenberg. Eine neue Kulturkonzeption soll hierfür künftig als Grundlage dienen und die Herrenberger Kulturlandschaft über die Stadtgrenzen hinaus bekannter machen. Vor gut einem Jahr hat die Arbeit an dem neuen Konzept begonnen. „Kultur für alle und von allen“ lautet dabei die Devise. Im Herbst dieses Jahres beginnt die Beteiligung der Bürgerschaft, Kulturschaffenden und Politik – wegen der Coronakrise später als ursprünglich vorgesehen und mit neuen Formaten.
 
In Herrenberg gibt es ein vielfältiges kulturelles Angebot – es reicht von Kunstausstellungen, Konzerten und Kulturfestivals über Stadtführungen und Theater bis zu Veranstaltungen von Vereinen, Organisationen und Kirchen. Aktuell ist das kulturelle Leben durch die Coronakrise stark eingeschränkt. „In den vergangenen Monaten haben wir gemerkt, wie sehr uns Kunst und Kultur fehlen und wie sehr wir als Stadtgesellschaft Kunst und Kultur brauchen“, sagt Oberbürgermeister Thomas Sprißler. „Umso wichtiger ist es, das kulturelle Leben in unserer Stadt auf eine gute Basis zu stellen.“
 

Neuer Zeitplan und Online-Workshops

Im Mai sollten die Workshops mit der Bürgerschaft, den Jugendlichen, Kulturschaffenden und dem Gemeinderat beginnen; im Dezember dieses Jahres sollte die Kulturkonzeption verabschiedet werden. „Corona hat unseren Zeitplan leider durcheinandergebracht“, sagt Elsa Riebelmann vom Amt für Wirtschaftsförderung und Kultur, die die Kulturkonzeption erarbeitet. Die Verabschiedung im Gemeinderat ist jetzt im kommenden Jahr vor der Sommerpause geplant. „Außerdem mussten wir ein neues Konzept für die Beteiligung erarbeiten“, berichtet sie. Als Auftakt findet nun ein Online-Workshop für die Bürgerschaft am 17. Oktober statt. „Wir werden hierfür Zufallsbürger auswählen, die dann eine Einladung erhalten“, kündigt Elsa Riebelmann an. Weitere Informationen werden noch folgen. Laut dem aktuellen Zeitplan ist Ende November/Anfang Dezember ein Online-Workshop für die Kulturschaffenden geplant, im Januar 2021 ein Runder Tisch mit dem Gemeinderat und im Februar 2021 ein Abschlussworkshop mit Bürgern, Kulturschaffenden und Vertretern der Verwaltung.
 

Jugendbeteiligung

In enger Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring hat die Stadtverwaltung aufgrund der Coronakrise auch ein neues Konzept für die Beteiligung der Jugendlichen erarbeitet. „Uns ist es wichtig, die Jugendlichen in den Prozess miteinzubeziehen“, erläutert Riebelmann. „Die Jugendlichen haben viele Ideen und Verbesserungsvorschläge, die wir gerne berücksichtigen und in das neue Konzept miteinfließen lassen möchten.“ Vereine, Jugendhäuser und Stadtjugendring sind eng in den Prozess eingebunden. Voraussichtlich im November wird es eine Veranstaltung im Jugendhaus geben.
 

Bürgerumfrage

In einem ersten Schritt hat die Verwaltung Bürgerinnen und Bürger zum kulturellen Leben in Herrenberg befragt. Ziel der Umfrage war es, kulturelle Nutzungsgewohnheiten zu erfassen und das allgemeine kulturelle Interesse abzufragen. „Teilgenommen haben etwa 100 Interessierte“, berichtet die Projektleiterin. „Wir werden aus der Umfrage Handlungsfelder und Ziele ableiten, die dann in den Workshops vertieft werden“, erklärt Elsa Riebelmann. „Am Ende sollen für jedes Handlungsfeld verschiedene Maßnahmen stehen.“ Die Auswertung der Befragung zeigt zum Beispiel, dass sich vor allem Jugendliche und Erwachsene mehr kulturelle Angebote und Begegnungsstätten wünschen. Außerdem wünschen sich die Befragten mehr finanzielle Unterstützung für die Kulturschaffenden seitens der Stadt und mehr Angebote in der Sparte Film, dicht gefolgt von Musik und Theater. Handlungsbedarf sehen sie auch bei der Barrierefreiheit von Veranstaltungsorten und deren Anbindung an den ÖPNV. Die Ergebnisse der Bürgerbefragung sind online zu finden unter: www.herrenberg.de/kulturkonzeption.
 

Online-Umfrage für Kulturschaffende

Nach der Bürgerbefragung hat die Verwaltung begonnen, mit einer Bestandsaufnahme möglichst alle Kulturakteure in Herrenberg zu erfassen. „Daraus soll ein sogenanntes Cultural Mapping entstehen, also eine Karte, die alle Orte, an denen Kultur geschaffen wird, abbildet, und auf die alle zugreifen können“, erläutert Elsa Riebelmann. Interessierte Kulturschaffende können die Online-Umfrage noch bis Ende September ausfüllen unter: www.herrenberg.de/kulturkonzeption
 

Neue Förderrichtlinie

Auf Grundlage der neuen Kulturkonzeption soll eine neue Kulturförderrichtlinie erarbeitet werden. „Die jetzige Satzung wurde zuletzt vor fast 20 Jahren aktualisiert und berücksichtigt hauptsächlich kulturelle Vereine“, erläutert Riebelmann. „Sie wird der Vielfalt der Kulturlandschaft in Herrenberg nicht gerecht.“ Die neue Richtlinie solle das breite Spektrum der kulturellen Akteure und Angebote berücksichtigen und für die Arbeit der Stadtverwaltung und Kulturschaffenden als klare Orientierung dienen. 
Außerdem soll das Planungspapier Grundlage für die Neuausrichtung der Kulturpolitik, die Neukonzeptionierung der Sommerfarben und die Etablierung eines Netzwerkes der Kulturschaffenden sein. „Es gibt viele andere Projekte und Themen, die mit der Kulturkonzeption zusammenhängen“, sagt Elsa Riebelmann. „Deshalb freue ich mich, dass wir nun im Herbst mit der Bürgerbeteiligung starten und die Erarbeitung der neuen Kulturkonzeption weiter voranbringen können.“