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Bürgerprojekte beleben Altstadt


Platz genommen auf den neuen Bänken vor der Spitalkirche haben (von links): Nathan Kitch und Johannes Söhner von der evangelischen Kirche sowie Vanessa Watkins und Ines Böttcher vom Team Beteiligung und Engagement.
Platz genommen auf den neuen Bänken vor der Spitalkirche haben (von links): Nathan Kitch und Johannes Söhner von der evangelischen Kirche sowie Vanessa Watkins und Ines Böttcher vom Team Beteiligung und Engagement.

Vor zwei Jahren ist das Modellprojekt „Quartier 2020“ gestartet, mit dem Ziel, die Bürgerinnen und Bürger in der Altstadt stärker zu vernetzen, die Lebensqualität in der Altstadt zu erhöhen und die Altstadt für alle aufzuwerten. Nach Abschluss des Projekts soll die Quartiersarbeit in der gesamten Innenstadt fortgeführt werden.
 
Seit zwei Jahren ist Ines Böttcher vom Team Beteiligung und Engagement als Quartiersmanagerin in der Altstadt unterwegs. In dieser Zeit hat sie mit vielen Altstadtbewohnerinnen und -bewohnern Gespräche geführt, Meinungen gesammelt, Akteure der Altstadt identifiziert und mit anderen Akteuren und Bürgern zusammengebracht, Netzwerke geknüpft und „Brücken“ zwischen den Altstadtbewohnern und der Stadtverwaltung gebaut. Nach zwei Jahren stellt sie fest: „Die Interaktion zwischen den verschiedenen Akteuren funktioniert sehr gut und es sind viele neue Bürgerprojekte in der Altstadt entstanden.“ Zudem habe sich die positive Wahrnehmung der Stadt bei den Anwohnern und Akteuren durch die Quartiersarbeit erhöht.“ Hauptamtsleiter Tom Michael ergänzt: „Die Quartiersarbeit passt sehr gut zu Herrenberg, denn: Als Mitmachstadt wollen wir Bürgerinnen und Bürger vernetzen und Engagement anregen – genau dazu hat das Projekt stark beigetragen.“

Innenstadt im Fokus

Nach den positiven Erfahrungen mit dem Modellprojekt „Quartier 2020“ soll die Quartiersarbeit in den kommenden vier Jahren in der gesamten Innenstadt fortgeführt werden. „Unsere Innenstadt ist in einem enormen Wandel. Uns ist es wichtig, die Menschen mitzunehmen, die davon stark betroffen sind“, erläutert Vanessa Watkins, die Leiterin des Teams Beteiligung und Engagement. Zudem sieht sie die Quartiersarbeit als wichtigen Schlüssel, um die Demokratie vor Ort zu stärken. „Viele Menschen meinen, sie können in unserer Gesellschaft nicht viel bewegen, und auch die Zahl der Nichtwähler steigt - genau hier kann die Quartiersarbeit entgegenwirken.“

Sichtbare Projekte in der Altstadt

Die beiden letzten Jahre zeigen, wie schnell Quartiersarbeit wirken und sichtbar werden kann: „Viele Bürgerinnen und Bürger haben Lust, sich einzubringen und kommen mit Ideen und Anliegen auf uns zu“, berichtet Ines Böttcher. Und so sind – Dank des großen Engagements verschiedener Bürgergruppen – zum Beispiel verschiedene Orte der Begegnung entstanden. Dazu gehören die beiden Sitzbänke vor der Spitalkirche, die zum Verweilen und Ausruhen einladen und von der Gruppe „Freunde der Spitalkirche“ gepflegt werden, oder der Bücherschrank an der Stadtmauer am Unteren Graben: „Bereits bei der Auftaktveranstaltung zum Modellprojekt in der Spitalkirche haben Bürgerinnen und Bürger den innigen Wunsch nach einem Bücherschrank geäußert“, berichtet Ines Böttcher. Im Juni dieses Jahres wurde der Bücherschrank dann aufgebaut. Seither kümmern sich engagierte Bürgerinnen – Manuela Sebastian, Brigitte Maurer, Pamela Strobel und Mary Rockenbauch – um ihn. „Der Bücherschrank wird sehr gut angenommen“, berichten sie. „Kinderbücher sind allerdings Mangelware.“ Wer das Team unterstützen möchte, kann sich bei Brigitte Maurer melden unter: info@weinbau-maurer.de.

Der Bücherschrank am Unteren Graben wird sehr gut angenommen. Mary Rockenbauch (2.v.r.) und Pamela Strobel (r.) kümmern sich um ihn.
Der Bücherschrank am Unteren Graben wird sehr gut angenommen. Mary Rockenbauch (2.v.r.) und Pamela Strobel (r.) kümmern sich um ihn.

Streuobst-Geschichten in Unterführung

Spannende Informationen rund um das Thema Streuobst, Porträts von Produzenten und verschiedene Streuobstprodukte findet man seit Kurzem in den Schaukästen der Unterführung bei der Volksbank. „Wir waren begeistert von der Produktvielfalt der Produzenten“, berichten Gisela Grandinetti und Thomas Wappler von der Bürgergruppe, die das Projekt initiiert hat. „Von Schnaps und Secco über Moscht bis hin zu Walnussöl und Linsen ist alles dabei.“ Dieselbe Gruppe hat übrigens bereits die Streuobsterlebniswege entwickelt (https://streuobsterlebnis.mitmachstadt-herrenberg.de).

Streuobst-Geschichten in der Unterführung Hindenburgstraße hat eine Bürgergruppe, zu der auch Gisela Grandinetti (3. v.l.) und Thomas Wappler gehören, zusammengetragen.
Streuobst-Geschichten in der Unterführung Hindenburgstraße hat eine Bürgergruppe, zu der auch Gisela Grandinetti (3. v.l.) und Thomas Wappler gehören, zusammengetragen.

Mit dem neuen Projekt konnten gleich mehrere Ziele erreicht werden: „Uns war wichtig, dass Menschen in Herrenberg sehen, wie sich andere Herrenbergerinnen und Herrenberger für die Stadt engagieren“, sagt Ines Böttcher. „Und ganz nebenbei haben wir eine „Schmuddelecke“ in der Altstadt aufgewertet.“ Zudem sei es gelungen, eine Verknüpfung zwischen den Stadtteilen und der Altstadt zu schaffen, ergänzt Vanessa Watkins.

Offener Bürgertreff

Ein weiteres dringendes Anliegen der Altstadtbewohner ist es, mehr Möglichkeiten zu schaffen, Gemeinschaft zu erleben. Daraus entstanden ist der Offene Bürgertreff, eine bunt gemischte Gruppe, die sich regelmäßig trifft, um sich auszutauschen. Interessierte, die dazu stoßen möchten, können sich bei Ines Böttcher melden.

Litfaßsäulen

Wer sich über das Modellprojekt „Quartier 2020“ informieren möchte: Seit Kurzen hängt an der Litfaßsäule in der Bronngasse und auf dem Unteren Graben ein Plakat, das das Projekt dokumentiert. Zu finden sind hier auch viele weitere Ideen, die zu Beginn bei der Ideenwerkstatt gesammelt wurden, wie zum Beispiel ein Beach-Café, ein Kneippbecken, Nachbarschaftsfeste oder eine Gemeinschaftswerkstatt.

An der Litfaßsäule in der Bronngasse kann man sich über das Modellprojekt "Quartier 2020" informieren.
An der Litfaßsäule in der Bronngasse kann man sich über das Modellprojekt "Quartier 2020" informieren.

Über das Projekt

„Quartier 2020 – Gemeinsam. Gestalten“ war ein Programm des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg. Die Stadt Herrenberg hat für das Modellprojekt in der Herrenberger Altstadt rund 60.000 Euro Fördermittel vom Land bekommen. Teil der Altstadtentwicklung war das Vorhaben „Freiräume — Platz für Deine Aktionen in der Altstadt von Herrenberg", das mit weiteren 30.000 Euro durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg unterstützt wurde. Aktuell wird die Umfrage zur abschließenden Evaluation des Modellprojektes ausgewertet, bei der im Juni/Juli 2020 die rund 1.200 Altstadtbewohner befragt wurden.

 
Kontakt bei Stadt

Wer Fragen zur Quartiersarbeit hat, kann sich an Ines Böttcher vom Team Beteiligung und Engagement wenden: Telefon 07032 201 89 71, E-Mail i.boettcher@herrenberg.de.