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Mit Nasslagerung und Akkugeräten gegen Käfer und Klimawandel


Das Holzlager in Gültstein war die erste Station des Waldbegangs.
Das Holzlager in Gültstein war die erste Station des Waldbegangs.

Der Gemeinderat informiert sich traditionell nach der Sommerpause über den aktuellen Zustand des städtischen Waldes. Mit knapp 2.000 Hektar ist die Stadt Herrenberg der größte kommunale Waldbesitzer im Landkreis Böblingen und der drittgrößte in der Region Stuttgart. Dabei steht der Wald vor großen Herausforderungen. Der Klimawandel und der Borkenkäfer machen ihm zu schaffen.

Erste Station des Waldbegangs am 17. September 2020 war das Holzlager in Gültstein. Mit Borkenkäfern befallenes Holz wird aus dem Wald gebracht und hier gelagert. „Dadurch wird eine weitere Verbreitung des Käfers aufgehalten und gesunde Bäume werden geschützt“, erläutern Forstrevierleiter Winfried Seitz und Stadtkämmerer Tim Deininger, die für den Stadtwald verantwortlich sind. Im Holzlagerplatz in Gültstein wird aber auch gesundes Holz zum Verkauf angeboten. Dafür wird es bereits in vier Hauptsortimente kundengerecht gelagert. Durch die sortierte Lagerung und die Nähe zur Autobahn können höhere Verkaufserlöse erzielt werden, als bei der herkömmlichen Lagerung im Wald. „Das lagernde Holz wird mit Wassersprenglern bewässert, um es vor Pilzen zu schützen“, so Deininger. Denn: Für Holz schädlich sind Pilze, die bei Trockenheit wachsen. Feuchte Pilze und Algen sind für Holz im Normalfall unschädlich. „Im Kreis Böblingen wird bei der Holzlagerung in Gültstein bereits vom „Herrenberger Modell“ gesprochen“, berichtet Deininger weiter.

Corona-Auswirkungen auf Holzmarkt

Die höheren Verkaufserlöse gleichen den schwachen Holzmarkt jedoch nur zu Teilen aus. Denn in diesem Jahr liegt käferbedingt ein Überangebot an Nadelholz vor, gleichzeitig konnten viele Laubholz-Bestellungen aufgrund der Corona-Pandemie nicht ausgeliefert werden. In der Folge wird es in der nächsten Saison auch ein Überangebot an Laubholz geben.

Riesenbaum auf Schlossberg

Nächste Station war eine knapp 30 Meter hohe Säulenpappel auf dem Schlossberg. Eindrucksvoll zeigte Jürgen Baumer von der städtischen Abteilung Grün, dass der Riesenbaum innen vollständig hohl ist, obwohl er von außen gesund aussieht. Die Krone wird nur noch von Rinde getragen, die wenige Zentimeter dick ist. Aus Verkehrssicherungsgründen muss der Baum daher im Herbst vor der kommenden Sturmsaison gefällt werden.

Sehr beeindruckend ist der Riesenbaum auf dem Schlossberg.Sehr beeindruckend ist der Riesenbaum auf dem Schlossberg.


Schwere Motor- und leichte Akku-Sägen

Im Wald stellten die Waldarbeiter anschließend ihre technischen Arbeitsgeräte vor. Von schweren Motorsägen über leichte, akkubetriebene Sägen ist im städtischen Forstbetrieb alles vorhanden. Dabei hat jedes Geräte Vor- und Nachteile. Bei Akkugeräten verhindert oftmals die begrenzte Akkulaufzeit und die fehlende Power bei dicken Stämmen eine weitergehende Nutzung. Highlight der Vorstellung war ein akkubetriebener funkferngesteuerter Fällkeil. Dabei hat der Forstarbeiter Leon Kossinna einen Baum leicht angesägt und das Fällkeil angebracht. Anschließend durfte OB Thomas Sprißler aus sicherer Entfernung den Baum mittels Fernbedienung fällen.

Forstarbeiter Leon Kossinna zeigt, wie der akkubetriebene ferngesteuerte Funk-Fällkeil, der im Baum steckt, funktioniert.
Forstarbeiter Leon Kossinna zeigt, wie der akkubetriebene ferngesteuerte Funk-Fällkeil, der im Baum steckt, funktioniert.

Abschlussvortrag zur Gesamtlage

Beim abschließenden Essen erläuterte der Amtsleiter des Kreisforstamtes Wolfgang Kratzer die aktuelle Gesamtlage des städtischen Waldes. Im Vergleich zu anderen Regionen in Baden-Württemberg habe man weit weniger Schäden zu verzeichnen. Im Einzelnen merke man die Trockenheit im Herrenberger Wald aber auch.