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Spanische Fachkräfte starten in Herrenberger Kitas


Die Kinder der Kita Mittelfeldstraße freuen sich über die neue Erzieherin Francesca Hildago.
Die Kinder der Kita Mittelfeldstraße freuen sich über die neue Erzieherin Francesca Hildago.

Zwei pädagogische Fachkräfte aus Spanien haben Mitte September ihre Stellen in Herrenberger Kindertageseinrichtungen angetreten. Diese Rekrutierung von pädagogischem Fachpersonal aus Spanien ist Ergebnis von Herrenbergs Teilnahme an einem Projekt der länderübergreifenden Initiative „Vier Motoren für Europa“. Die beiden Spanier starten mit einem sogenannten „Anpassungslehrgang“.
 
Endlich ist es so weit: Das Ehepaar Sergio Tineo und Francesca Hidalgo – beide sind 30 Jahre alt – ist in Herrenberg angekommen. Mittlerweile haben die beiden ihre ersten Arbeitstage in den Kindertageseinrichtungen Hauffstraße und Mittelfeldstraße hinter sich. Sergio Tineo blickt zurück: „Das Team hat mich bestens aufgenommen. Die Kolleginnen haben mir bei allem sehr freundlich geholfen. Der erste Kontakt mit den Kindern war ebenfalls sehr gut, wenn auch aufgrund der Sprache mit einigen Schwierigkeiten. Dies hat sich jedoch schon im Laufe der ersten Tage zum Besseren entwickelt.“ Seine Frau hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Die Sprache ist für sie noch eine Herausforderung, aber auch sie spricht von schnellen Fortschritten. Und: „Ich habe sehr gute Kollegen, die mir immer helfen, wenn ich Hilfe brauche. Die Kinder sind bezaubernd.“

Sergio Tineo an seinem neuen Arbeitsplatz in der Kita Hauffstraße.
Sergio Tineo an seinem neuen Arbeitsplatz in der Kita Hauffstraße.

Bei einem Treffen mit den Leitungen der Herrenberger Kindertageseinrichtungen und den Mitarbeitenden des Fachdiensts Kindertageseinrichtungen wurden sie zum Start in Herrenberg willkommen geheißen. Im Rahmen des seit einem Jahr laufenden Rekrutierungsprojektes der Initiative „Vier Motoren für Europa“ wurden die beiden ausgewählt, um als pädagogische Fachkräfte in einer Kindertageseinrichtung der Stadt Herrenberg zu arbeiten. Beide kommen aus Barcelona und haben ein pädagogisches Studium an der dortigen Universität absolviert. Zunächst werden sie in zwei städtischen Kindertageseinrichtungen an einem 12-monatigen Anpassungslehrgang zur Anerkennung ihres beruflichen Abschlusses teilnehmen, um hier in Deutschland als staatlich anerkannte Erzieherin und Erzieher arbeiten zu können. Ihren ersten Arbeitstag hatten beide am 14. September 2020. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit“, sagt Dorothea Breindl, Fachberatung für Sprache und Inklusion von der Stadt Herrenberg, „und darauf, dass die beiden die Vielfalt in unseren Einrichtungen bereichern.“
 
Verzögerungen durch Corona-Pandemie
Ursprünglich war die Ankunft bereits für April geplant. „Ich bin sehr froh, dass es jetzt doch noch geklappt hat“, sagt Sergio Tineo. Aufgrund der Corona-Pandemie kam es zu mehreren Verzögerungen im Projektablauf. Er und seine Frau nutzten die gewonnene Zeit in Spanien, um einen Online-Deutschkurs zu absolvieren und mit einer Sprachtandempartnerin auch privat weiter zu üben. Ende August war das Ehepaar eingereist. Wie alle anderen, die aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreisen, mussten auch sie erst auf das Testergebnis der zwei Corona-Tests warten, bevor sie ihre neue Heimat erkunden konnten. Nach 14 Tagen gab es dann grünes Licht vom Gesundheitsamt. Wie schon vor ihrer Ankunft in Deutschland bekamen sie durch das Bildungswerk Bildung und Berufliche Qualifizierung (BBQ) Unterstützung beim Deutschlernen, den erforderlichen Formalitäten sowie der Wohnungssuche.
 
Projekthintergrund
Hintergrund des Projektes ist unter anderem der bundesweite Fachkräftemangel in Kindertageseinrichtungen. „Die Rekrutierung der spanischen Fachkräfte ist dabei eine Win-Win-Situation für beide Seiten“, erklärt Dorothea Breindl vom städtischen Fachdienst Kindertageseinrichtungen. Die Stadt Herrenberg hat durch dieses Projekt die Chance, neue Fachkräfte für den Aufbau von multiprofessionellen Teams zu gewinnen. Die pädagogischen Fachkräfte aus Spanien entkommen der dort herrschenden Arbeitslosigkeit und können zudem neue und spannende Erfahrungen in Deutschland sammeln.
 
Hinter der länderübergreifenden Initiative „Vier Motoren für Europa“ stehen die Regionen Baden-Württemberg, Katalonien, Lombardei und Auvergne-Rhône-Alpes. Sie unterstützen gemeinsame Projekte zwischen regionalen Stakeholdern. Auf diese Weise treiben zahlreiche innovative Vorhaben und viele wirtschaftliche, wissenschaftliche und universitäre sowie zivilgesellschaftliche Austauschprogramme die Zusammenarbeit zwischen den vier Ländern an. Umgesetzt wurde die Rekrutierung von Erziehern und Erzieherinnen von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), dem deutschlandweit tätigen Unternehmen BBQ - Bildung und Berufliche Qualifizierung sowie einem privaten Kitaträger. Die Stadt Herrenberg ist zu einem späteren Zeitpunkt als kommunaler Träger in das Projekt eingestiegen. Sollte sich das Pilotprojekt als erfolgreich erweisen, gibt es in Herrenberg Überlegungen, ein eigenes Projekt mit einer höheren Anzahl an spanischen Erzieherinnen und Erziehern für die Zukunft zu planen.