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Verkehr durch die Stadt wird flüssiger


Die drei großen Straßenumbauten – Seestraße, Hindenburgstraße und Horber Straße – waren Thema von zwei Baustellenführungen, zu denen die Verwaltung eingeladen hatte. Knapp 40 interessierte Bürgerinnen und Bürger haben die Gelegenheit genutzt, um bei den eineinhalbstündigen Touren am 1. und 2. Oktober mit dem Ersten Bürgermeister Stefan Metzing und Ordnungsamtsleiter Dieter Bäuerle ins Gespräch zu kommen.
 
Erste Station war die Seestraße, die seit März dieses Jahrs umgebaut wird. „Ein wichtiges Ziel aller Maßnahmen in der Seestraße ist die Schaffung von Aufenthaltsqualität und die Belebung der Altstadt“, erklärte Metzing. „Wichtig war hier, die Trennwirkung zur Altstadt zu brechen“, so Metzing weiter. Der Verkehr wird künftig vorrangig über die jetzige Umleitungsstrecke geführt, wodurch die Zahl der Fahrzeuge auf der Seestraße reduziert wird. Für Autofahrer wird eine dynamische Tempo-Regelung zwischen 20 und 40 Kilometer pro Stunde gelten. Dadurch können Fußgänger künftig einfacher und sicherer queren. Zudem gibt es nun eine breite Fußgängerinsel und einen neuen, hellen Pflasterbelag als optische Verbindung zur Altstadt. Für Radfahrer wurden beidseitige Schutzstreifen angelegt. Radschutzstreifen und Querung werden durch einen besonderen Belag optisch hervorgehoben. Der Epoxidharz-Belag ist auch der Grund für die zeitlichen Verzögerungen auf der Baustelle. „Es gibt leider Lieferschwierigkeiten“, berichtete Metzing. Laut aktuellem Zeitplan wird die Fertigstellung der Seestraße jedoch pünktlich zur Eröffnung des Seeländers am 20. Oktober fertig. In dem modernen Neubau kommen Geschäfte, Gewerbe und eine Gastronomie unter, sowie eine städtische Kita, das Technische Rathaus und Mietwohnungen. „Ein Highlight wird die begehbare Dachterrasse“, sagte Metzing. „Es wird eine bunte Mischung aus Wohnen, Einkaufen und Arbeiten – und sicher einen Effekt haben für die Belebung der Altstadt.“

Mehr Aufenthaltsqualität beim Seelesplatz

Doch nicht nur auf der einen Seite der Seestraße tut sich städtebaulich etwas. Auch den Bereich gegenüber dem Seeländer-Neubau hat die Verwaltung auf der Agenda: „Die Stadt hat seit Langem die Flächen entlang der Stadtmauer, wenn möglich, erworben“, erzählte Metzing. So soll in 2021 der Seelesplatz umgestaltet und die Stadtmauer sichtbar gemacht werden. „Wir wollen den Platz erlebbar machen und auch hier mehr Aufenthaltsqualität schaffen“, beschreibt Metzing die Ziele.

Großer Glücksfall für Herrenberg

Von der Seestraße ging es dann weiter in die Hindenburgstraße, die von Juni bis Mitte September dieses Jahres umgebaut wurde. „Das war extrem schnell“, machte Metzing deutlich. „Auch beim Umbau der Horber Straße geben wir Gas, da wir dieses Jahr die Fördermittel des Bundes erhalten.“ Denn: Beide Straßenumbauten sind Teil des Modellstadt-Projektes zur Verbesserung der Luftqualität. „Ein großer Glücksfall für die Stadt Herrenberg“, brachte es Metzing auf den Punkt. Zum einen, weil die Förderquote bei 95 Prozent liegt. Das heißt: Von 3,5 Millionen Euro Gesamtbaukosten übernehmen Bund und Land 800.000 Euro als Straßenbaulastträger für die Belagserneuerung. Von den verbleibenden 2,7 Mio. Euro erhält die Stadt 95 Prozent Zuschuss aus dem Modellstadtprogramm. „Am Ende zahlen Sie als Herrenbergerinnen und Herrenberger 200.000 Euro“, rechnete der Finanzbürgermeister vor. „Hinzu kommt, dass wir Maßnahmen, die schon lange politisch in Herrenberg auf der Agenda standen, mit dem Modellstadt-Projekt nun endlich umsetzen können“, so Metzing weiter. Dabei sei der Verwaltung bewusst, dass die Baustellen Unannehmlichkeiten für viele bedeuten: „Baumaßnahmen auf Hauptverkehrsachsen sind immer besondere Herausforderungen.“

Dynamische Verkehrssteuerung

Zentrales Element der beiden Baumaßnahmen ist die dynamische Verkehrssteuerung, die man heute baulich noch nicht vollumfänglich erkennen kann. „Es wird eine dynamische, das heißt von der Verkehrsmenge abhängige Geschwindigkeitsregelung geben“, erläuterte Metzing. „Der Verkehr wird flüssiger, aber nicht schneller.“ Deshalb wurden Längsparkplätze und Linksabbiegespuren in beiden Straßen entfernt. Denn: „Beides löst Rückstau aus und führt zu Stop-and-Go.“ Auch werden die Ampeln synchron geschaltet werden, damit der Verkehr möglichst flüssig durch die Stadt kommt. „Die Umrüstung der Ampeln dauert jedoch länger als die Straßenumbauten: „Ich muss hier noch um etwas Geduld bitten“, sagte Metzing. „Erst Mitte 2021 wird die Ampelsteuerung komplett fertig sein.“

 
Leiser und weniger Abgase

Wie das Gesamtsystem, zu dem vor allem die sogenannte intelligente Zufahrtsmengensteuerung gehört, funktioniert, erläuterte Dieter Bäuerle: „Die Ampeln an den Ortseingängen werden nur so viele Fahrzeuge ins Stadtgebiet lassen, wie das System verkraftet.“ Das habe Charme für die Anwohnerinnen und Anwohner, weil sich die Staus außerhalb der Innenstadt bilden. „Außerdem wird es leiser und weniger Abgase geben“, so der Ordnungsamtschef weiter, aber: „Niemand wird Dauergrün haben, wir werden das Grün möglichst gerecht an alle Verkehrsteilnehmenden – Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer – verteilen.“ Trotzdem ist Bäuerle überzeugt: „Die neue Verkehrssteuerung wird ein Quantensprung für Herrenberg.“

Horber Straße im Zeitplan

Letzte Station der Baustellenführung war die Horber Straße. Der Umbau läuft seit 18. September und dauert voraussichtlich bis Weihnachten. „Wir sind aktuell im Zeitplan“, berichtet Jürgen Wörn vom mit der Ausführungsplanung und Bauleitung beauftragten Ingenieurbüro. In drei Bauabschnitten werden – analog zur Hindenburgstraße – der Fahrbahnbelag erneuert und die Ampeln mit neuer Technik ausgestattet. „Für die Ampelsteuerung müssen wir einige Kabel und Leitungen verlegen“, erklärt Wörn. Zudem werden auch hier digitale Geschwindigkeitsanzeigen installiert, die mit den Ampeln über den zentralen Verkehrsrechner verknüpft sind. Die Stadtwerke erneuern Wasserhausanschlüsse und verlegen Glasfaser für ein schnelles Internet.  

Weitere Maßnahmen 2021

Im Nachgang zu den Modellstadt-Maßnahmen sind zwei weitere, größere Baumaßnahmen geplant: Im kommenden Frühjahr werden in der Tübinger Straße zwischen Hildrizhauser und Marien-/ Beethovenstraße der Fahrbahnbelag und die Ampelanlagen erneuert. „Das bedeutet leider nochmal eine zeitweise Vollsperrung“, kündigte Bäuerle an. Außerdem wird der provisorische Kreisverkehr an der Kreuzung Benzstraße/Zeppelinstraße abgebaut und durch eine Ampelanlage ersetzt, um den Verkehr auch hier künftig dynamisch steuern und die Verkehrsmengen der Autobahnbedarfsumleitung bewältigen zu können.

 
Infos online

www.herrenberg.de/baustellen
www.herrenberg.de/seestraße