Nachricht

Stuttgarter Atelier Brückner konnte überzeugen


Das Preisgericht zum Architekturwettbewerb Fruchtkasten hatte am vergangenen Freitag eine große Aufgabe zu bewältigen: 18 Arbeiten waren bis Ende Juli eingereicht worden. Das 35köpfige Gremium kürte drei Siegerentwürfe. Die Stadtverwaltung wird sich nun mit dem Ergebnis auseinandersetzen und für den Gemeinderat einen Vorschlag erarbeiten.
 
Die Vorstellung aller 18 Arbeiten erfolgte durch Gerd Grohe, Kohler Grohe Architekten aus Stuttgart. Danach wurde jede Arbeit von einem der Fachpreisrichter vorgestellt und im Anschluss intensiv besprochen. Danach wurde über jede Arbeit demokratisch abgestimmt. „Nach diesem zweiten Rundgang waren es noch fünf Arbeiten, welche in die weitere Diskussion gingen“, berichtet Jessica Dubovski, die das Projekt bei der Stadtverwaltung steuert. Aus diesen fünf Arbeiten wurden schließlich die drei Preisträger ermittelt.
 
Entscheidungskriterien

Im Austausch um die Arbeiten kristallisierten sich die für die Preisgerichtsmitglieder wichtigen Entscheidungskriterien heraus: die Halle im Eingangsbereich und deren Belichtung, das Foyer, ein Café, ein Regional-Shop und eine Tourist-Info im Erdgeschoss mit einem Highlight-Raum im Steinhaus aus dem 13. Jahrhundert. Einen weiteren Fokus legte das Preisgericht auf den Veranstaltungsraum, den Kulturvermittlungsraum, den Multifunktionsraum und Platz für Sonderausstellungen. Die Dauerausstellung und die Eingangssituation von der Tübinger Straße wurden ebenfalls intensiv besprochen. Die Wegeführung durch das Gebäude war ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Die Ausstellungskonzeption wurde intensiv von den Fachpreisrichtern Prof. Dr. Anja Dauschek, Direktorin Stiftung Historische Museen Hamburg, Altonaer Museum aus Hamburg und Christian Glass, Direktor und Geschäftsführer Donauschwäbisches Zentralmuseum DZM aus Ulm erläutert.
 
Auswahl
Nach einer langen und intensiven Diskussion ging der erste Preis an das Atelier Brückner aus Stuttgart. Aus dem Protokoll der Preisgerichtssitzung: „Dieser Entwurf bietet ein typologisches Konzept an, das spannende Raumerlebnisse mit einer hohen Flexibilität in seiner Nutzung verspricht. Das Gebäude selbst ist Ausstellungsträger und verbindet seine eigene Geschichte gewinnend mit dem neuen Ausstellungskonzept und einer neuen Adresse zum öffentlichen Raum. Der Entwurf überrascht durch die strenge Setzung eines eingestellten Baukörpers, der begleitet wird von einer einläufigen Treppe, die vom Verfasser als Himmelstreppe bezeichnet wird. Diese Treppe erschließt das Gebäude in seiner Tiefe und macht die unterschiedlichen Ebenen der beeindruckenden Holzkonstruktion erlebbar. Dadurch entsteht ein strenger rechteckiger Einbau, der dienende Funktionen aufnimmt und mit der freien Treppe an seiner Seite kommuniziert.“ Den zweiten Preis erhielt das Architekturbüro Wandel Lorch GmbH aus Frankfurt und der dritte Preis ging an Demirag Architekten aus Stuttgart. Die Stadtverwaltung wird sich nun mit dem Ergebnis auseinandersetzen und für den Gemeinderat einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen erarbeiten.

Außenansicht des Wettbewerbsssiegers vom Fruchtkasten von der Tübinger Straße aus
Über die geöffnete Nordfassade in der Tübinger Straße könnte künftig der Zugang zum Fruchtkasten erfolgen.

Zum Wettbewerb
Bei diesem Wettbewerb handelte es sich um einen interdisziplinären Wettbewerb, der aus einem Team von Architekten und Ausstellungsplanern bearbeitet wurde. Am 9. Oktober 2020 tagte das Preisgericht. Von den 25 zugelassenen Teilnehmern hatten 18 Büros Arbeiten abgegeben. Diese bekamen die Sachpreisrichter und die Fachpreisrichter am Tag des Preisgerichts zum ersten Mal zu Gesicht. Zu den Beurteilungskriterien zählten: Qualität des städtebaulichen und freiräumlichen Konzeptes, Qualität des architektonischen und gestalterischen Konzeptes, Erfüllung der funktionalen Anforderungen und des Raumprogramms, Umgang mit dem Gebäudebestand/Denkmalschutz, Ausstellungskonzept, Nachhaltigkeit und die Erfüllung der Anforderungen an klimagerechtes Bauen/Sanieren und Nutzung des Gebäudes. Den Vorsitz des Preisgerichts hatte Professor Ludwig Wappner inne. Am Ende der Sitzung bedankte sich Oberbürgermeister Thomas Sprißler bei ihm für die Leitung des Preisgerichts. Weiter ging sein Dank für die gute Zusammenarbeit an alle am Verfahren Beteiligten.
 
Ausstellung
Noch bis Donnerstag, 15. Oktober, können die einreichten Arbeiten sowie Entwürfe eines Studierendenprojekts der Stuttgarter Hochschule für Technik in der Mehrzweckhalle, Seestraße, täglich von 10 bis 17 Uhr angeschaut werden.