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Tausend Bäume für Herrenberg


Sie begeistern das Auge mit ihrer Blütenpracht, verwöhnen den Gaumen, machen die Luft besser und gehören zum typischen Landschaftsbild um Herrenberg: Streuobstbäume sind echte Multitalente. Um den Anbau und die Pflege zu unterstützen verschenkt die Stadt Herrenberg tausend Bäume an Stückle-Besitzer und Hobby-Obstgärtner.
 
Zur Auswahl stehen verschiedene regionale Apfel-, Birn- und Kirschbaumsorten. Wer sich einen oder zwei der Herrenberger Hochstamm-Obstbäume sichern möchte, kann unter www.herrenberg.de/tausend-baeume einen Antrag ausfüllen und digital absenden oder den Antrag im Amtsblatt am kommenden Donnerstag ausfüllen und schriftlich beim Amt für Technik, Umwelt, Grün einreichen. Die Antragsfrist endet am 20. November 2020. Alle, die ein sogenanntes Stückle, also eine Baumwiese oder vergleichbares Grundstück auf Gemarkung Herrenberg besitzen oder eines bewirtschaften, können kostenlos einen oder zwei Obsthochstämme mit dem dazugehörenden Stützpfahl, dem Bindestrick und einem Verbiß-Schutz bestellen. Der Fördertopf ist mit 20.000 Euro ausgestattet, wenn dieser ausgeschöpft ist, werden keine Bäume mehr ausgegeben.

Stadt fördert Erhalt der Streuobstwiesen

Bereits zum dritten Mal – nach 2005 und 2007 – legt die Stadt Herrenberg in diesem Jahr das Tausend-Bäume-Programm auf und unterstützt damit die vielfältigen Bemühungen zum Erhalt der Kulturlandschaft. „Diese Chance sollte sich niemand entgehen lassen“, wirbt der städtische Umweltbeauftragte Jürgen Baumer, der das Programm auf die Beine gestellt hat. „Wer zuerst seinen Antrag stellt, hat die Chance glücklicher Besitzer von zwei neuen Obsthochstämmen zu sein. Wird die Fördersumme überschritten, werden die Anträge für mögliche weitere Aktionen in der Zukunft gesammelt.“ Wer ein Bäumchen erhält, verpflichtet sich damit es in den nächsten Jahren zu pflegen. Weiteres regelt die Förderrichtlinie, die ebenfalls auf der Internetseite www.herrenberg.de/tausend-baeume zu finden ist.  
 
Eine logistische Herausforderung ist die Verteilung der Bäume in den einzelnen Stadtteilen und im Kernstadtgebiet. „Glücklicherweise haben sich die Obst- und Gartenbauvereine wieder bereit erklärt, die Ausgabe vor Ort zu organisieren“, freut sich Baumer. „Hierbei erhält man auch gleich eine fachkundige Anleitung zum Pflanzschnitt und Ratschläge zur Pflanzung und der weiteren Behandlung der Bäume in der Jungendphase.“ Der Ausgabetermin ist voraussichtlich am Samstag, 19. Dezember 2020. Das Amtsblatt berichtet rechtzeitig über den Ausgabeort und Ausgabezeitraum. Am Ausgabetag kann jeder Antragssteller die bestellten Bäume am gewünschten Ausgabeort abholen. Falls kein Lieferort im Antrag vermerkt wurde, wird die Bestellung in den Ortsteil geliefert, in dem der Antragssteller seinen Wohnsitz hat. Ein Lieferservice zur Hausanschrift kann nicht übernommen werden. Die Bestellung ist verbindlich, ein Umtausch der Bäume ist nicht möglich.

Kulturgut Streuobstwiese

„Streuobstwiesen sind ein wertvoller Teil der heimischen Kulturlandschaft“ erklärt der Umweltbeauftragte, der sich deren Pflege und Erhalt zur Aufgabe gemacht hat. Baumer führt aus:
Obstbäume haben eine lange Tradition, bereits in der Steinzeit wurden sie kultiviert. Ab Christi Geburt brachten die Römer Kulturformen der noch heute gebräuchlichen Obstarten mit. Danach entwickelten Klöster den Obstbau weiter. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts dehnte sich diese Kulturlandschaft aus. Gab es im Jahre 1934 in Baden-Württemberg noch ca. 40 Mio. Obsthochstämme, so waren es zu Beginn der 90er Jahre noch ca. 28 Mio. In 56 Jahren hat der Bestand um 70 Prozent abgenommen.
           
Der Name Streuobstwiese geht auf die unregelmäßige Anordnung verschiedener hochstämmiger Obstbaumarten in der Landschaft zurück. Bei dieser traditionellen Form des Obstanbaues wachsen verschiedene Obstbaumarten und die jeweiligen Obstsorten locker verteilt in der Landschaft. Typisches Merkmal von Streuobstwiesen sind die großkronigen, hochstämmigen Obstbäume. Streuobstwiesen bilden ein reichhaltiges Mosaik von vernetzenden Kleinbiotopen. Die Kombination aus altem und jungem Baumbestand ermöglicht über 5000 Pflanzen- und Tierarten ideale Lebensbedingungen. Von der Blütezeit bis hin zur Ernte- und Pflegezeit herrscht in den Obstbaumfeldern reges Treiben. Der Wanderer kann im Wandel der Jahreszeiten diese Zyklen miterleben.