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Neue Bildungspartnerschaft des Stadtarchivs


Das Schickhardt-Gymnasium (SGH), vertreten durch Schulleiterin Heike Bertsch-Nödinger und Geschichtslehrer Jan Lenz, und das Stadtarchiv Herrenberg, vertreten durch seine Leiterin Dr. Stefanie Albus-Kötz, unterzeichneten am 26. Oktober 2020 eine Vereinbarung zum Abschluss einer Bildungspartnerschaft. Das SGH möchte damit sein geisteswissenschaftliches Profil weiter stärken. Für das Stadtarchiv ist eine solche Zusammenarbeit Teil seiner Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit.
 
2018 genehmigte der Herrenberger Gemeinderat finanzielle Mittel zur Durchführung eines Workshops mit Dr. Marcel vom Lehn, um die Ergebnisse des von diesem 2017 vorgelegten Buchs „Herrenberg im Nationalsozialismus“ in die Schulen zu tragen. Die Geschichtslehrer Anja Epple und Jan Lenz vom Schickhardt-Gymnasium waren zur Durchführung des Workshops, in dessen Rahmen Orte des Nationalsozialismus im Stadtplan Herrenbergs verortet werden sollten, mit ihren Schülerinnen und Schülern bereit. Als Ergebnis des im Januar 2019 stattfindenden Workshops erstellten die Schülerinnen und Schüler einen digitalen Stadtrundgang. Dieser ist unter herrenberg.de/stadtrundgang-ns abrufbar. Auch im vergangenen Schuljahr wurden im Rahmen eines Seminarkurses am SGH Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 1 betreut, die sich zu Schülerguides für „Herrenberg im Nationalsozialismus“ fortbildeten. Auf der Grundlage dieser bereits praktizierten, gelungenen und für beide Seiten gewinnbringenden Zusammenarbeit entschlossen sich das SGH und das Stadtarchiv diese Zusammenarbeit zu institutionalisieren und eine formale Bildungspartnerschaft miteinander einzugehen.

Karte zum digitalen Stadtrundgang "Herrenberg im Nationalsozialismus" Karte zum digitalen Stadtplan "Herrenberg im Nationalsozialismus" - Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Stadtarchiv und Schickhardt-Gymnasium.


Zusammenarbeit SGH und Stadtarchiv
Inhaltlich ist geplant, dass alle Schülerinnen und Schüler des Schickhardt-Gymnasiums in ihrer Schulzeit wenigstens einmal das Stadtarchiv besucht haben. Dies wird auch durch das Schulcurriculum für die 9. Klasse ausdrücklich empfohlen. Dabei bietet das Stadtarchiv zunächst eine allgemeine Einführung in die Aufgaben und die Arbeitsweise eines Archivs und in seine Bestände als Gedächtnis der Stadt Herrenberg an. Dies wird durch themenspezifische Führungen, zum Beispiel zur Zeit des Nationalsozialismus, ergänzt. Zur Arbeit in Kleingruppen stellt das Stadtarchiv die entsprechenden Originalquellen zur Verfügung, so dass sie unter Leitung der Fachlehrkraft interpretiert werden können. Daneben ist das Stadtarchiv für die Betreuung einzelner Schülerinnen und Schüler bei der Nutzung des Archivs verantwortlich und berät diese auch bei der Erstellung von Beiträgen für Wettbewerbe. Darüber hinaus sind auch Themen, die über den Geschichtsunterricht hinausgehen, etwa mit Fachlehrern der Fächer Religion oder Bildende Kunst denkbar. Die Partner stimmen sich regelmäßig über ihre Zusammenarbeit, über die Schwerpunkte der Kooperation oder neue Projekte ab. Hierbei übernimmt das Stadtarchiv die Beratung im Hinblick auf Quellenlage und geeignete Fragestellungen, während die projektbegleitenden Lehrerinnen und Lehrer für die didaktische Begleitung der Projektarbeit verantwortlich sind. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte die bereits geplante feierliche Veranstaltung zum Abschluss der Bildungspartnerschaft, bei der durch die Schülerinnen und Schüler erste Arbeitsergebnisse präsentiert werden sollten, nicht durchgeführt werden. Dies soll aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.
 
Bildungsplan: Außerschulische Lernorte
Diese Bildungspartnerschaft entspricht auch den Vorgaben des Bildungsplans 2016, nachdem „Schülerinnen und Schüler Informationen aus außerschulischen Lernorten auswerten können sollen“. Unter diese Lernorte fallen etwa Museen, Archive, Denkmale, Kulturdenkmale, Gedenkstätten oder historische Orte.  Die Arbeit im Archiv mit Originalquellen ist dabei ganz besonders dazu geeignet, „den Prozess des historischen Denkens anzustoßen“. „Das Schickhardt-Gymnasium möchte durch die Bildungspartnerschaft auch sein geisteswissenschaftliches Profil weiter schärfen“, erklärt Rektorin Heike Bertsch-Nödinger. Zudem erhalten die Schüler im Stadtarchiv einen Zugang zur Regionalgeschichte, die sie aber auch in den übergeordneten historischen Kontext einordnen sollen. Auch kann die Arbeit mit Originalquellen den Schülerinnen und Schülern bereits einen Eindruck von den Techniken wissenschaftlichen Arbeitens vermitteln und so den Übergang zur Universität erleichtern. Nicht zu vergessen ist schließlich der Beitrag zur politischen Orientierung und Demokratiebildung, der gerade durch Erarbeitung von Themen wie der Zerstörung der Demokratie durch die Nationalsozialisten in Herrenberg geleistet wird. „Für uns wiederum ist der Abschluss einer Bildungspartnerschaft ein wichtiger Teil unserer historischen Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit, mit der wir zur Erforschung und Interpretation der Stadtgeschichte Herrenbergs beitragen“, erklärt Dr. Stefanie Albus-Kötz dazu.