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„Gründen, wo du zu Hause bist“


Nachhaltig, auf Langfristigkeit angelegt und fest in der Bevölkerung verankert: Das ist die Gründungslandschaft bald in Herrenberg. Damit das gelingt, hat die Stadtverwaltung Herrenberg jede Menge konkreter Maßnahmen im Gepäck: Im Rahmen des Wettbewerbs „Start-Up BW Local – Gründungsfreundliche Kommune“ des Landes Baden-Württemberg, bewarb sich die Wirtschaftsförderung der Stadt Herrenberg und stellte ihr Konzept zum Aufbau einer neuen Gründungslandschaft vor.
 
In der Bevölkerung nachhaltig verankern, wie sehr Gründungen die Grundlage unseres wirtschaftlichen Handelns sind und den Gründerinnen und Gründern umfassend unter die Arme greifen – das sind die beiden Eckpfeiler des neuen Gründungskonzepts, mit dem sich die Wirtschaftsförderung der Stadt Herrenberg jetzt bei dem Landeswettbewerb „Start-Up BW Local – Gründungsfreundliche Kommune“ beworben hat. Bei dem vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium ausgeschriebenen Wettbewerb, der in zweijährigem Turnus abgehalten wird und am 14. und 15. Oktober 2020 nun zum zweiten Mal in Stuttgart stattfand, können Städte und Gemeinden, aber auch interkommunale Projekte mitmachen und ihre Konzepte vorstellen. An zwei Tagen präsentierten die 27 Teilnehmenden ihre zuvor erarbeiteten Pläne in den Kategorien „Gemeinde“, „Stadt“ und „Interkommunales Projekt“. Kommunen mit überzeugenden Konzepten wurde die Auszeichnung “Gründungsfreundliche Kommune” verliehen: Über dieses Prädikat kann sich nun auch die Stadt Herrenberg freuen. Die Finalisten der jeweiligen Kategorie erhielten zudem ein Preisgeld von bis zu 10.000 Euro.
 
Konzepterarbeitung Hand in Hand mit Gründenden
Die Idee für ein neues städtisches Gründungskonzept stand bereits seit Anfang des Jahres im Raum, woraufhin eine Bewerbung beim Wettbewerb eingereicht wurde. Konkret gestartet ist die Erarbeitung des neuen Gründungskonzepts der Stadt Herrenberg dann mit einem Kickoff Workshop im Juli. Über den Sommer hinweg arbeitete die Wirtschaftsförderung der Stadt, sowie Heike Petersen von der Volkshochschule Herrenberg und Harald Amelung vom Coworking- und Gründungszentrum Herrenberg, gemeinsam mit den Senioren der Wirtschaft Wolfgang Vogt und Gerd Bockhorn an ihrer Vision und ihrem Plan von einer gründungsstarken Kommune. Die Kosten der Beratung durch die Senioren der Wirtschaft wurden dabei vom Land Baden-Württemberg bezuschusst. Neben den Wirtschaftsexperten waren auch zahlreiche Herrenberger Gründerinnen und Gründer, wie beispielsweise Melanie Kupi vom Unverpackt-Laden „Ganz Ohne“ oder Tim Rühle von „Fit und Fröhlich“, beteiligt. „Wir haben Dinge gefragt wie ‚Was habt Ihr bei Eurer Gründung gebraucht?‘ oder ‚Was hat Euch gefehlt und hättet Ihr Euch aber gewünscht oder benötigt?‘“, erzählt Charlotte Reichert, die bei der Wirtschaftsförderung der Stadt Herrenberg als Projektleiterin für den Bereich Gründung zuständig ist. „Es war uns wichtig, ein realistisches Konzept zu entwickeln, das mit unseren finanziellen und personellen Ressourcen umsetzbar ist. Zentral war für uns dabei dann auch die Frage danach, wer denn überhaupt in Herrenberg gründet, wer also unsere Zielgruppe ist“, so Reichert weiter.

Der Pitch der Wirtschaftsförderung Herrenberg beim Landeswettbewerb.
Charlotte Reichert, Projektleiterin für den Bereich Gründung bei der Stadt Herrenberg, Daniel Kraus, cumpa GmbH, Tim Rühle, Fit & Fröhlich sowie Melanie Kupi, Ganz Ohne GmbH (v.l.n.r.) beim Pitch des neuen Gründungskonzeptes.

Klassische Gründungen im Fokus
So ist auch der Slogan „Gründen, wo du zu Hause bist“ entstanden. Dabei möchte die Stadt Herrenberg ein Zuhause und offen für alle Gründerinnen und Gründer sein. Bei den Workshops haben sich jedoch vor allem die „klassischen“ Gründenden sowie Übernehmerinnen und Übernehmer als Fokusgruppen hervorgetan: „Hier in Herrenberg haben wir vorwiegend ‚klassische‘ Gründungen, ohne bahnbrechende Innovationen, die aber nicht weniger relevant für unsere Infrastruktur sind, wie zum Beispiel die Firma Cumpa. Es werden aber auch oft Unternehmen übernommen und so Existenzen gegründet, wie das beispielsweise bei Kevin Bandel mit der Übernahme der Privatrösterei MAYCOFFEE, und Daniela Diether von der Schreinerei Kaupp+Diether der Fall ist“, führt Reichert aus.
 
Gesamten Prozess begleiten
Besonderes Augenmerkt liegt hierbei auch auf dem Thema Nachhaltigkeit. „Mit dem neuen Gründungskonzept möchten wir als Stadt langfristig angelegte Maßnahmen und Angebote anbieten, damit die sich gründenden Unternehmen auf Dauer und leistungsfähig in Herrenberg bestehen können“, äußert sich Oberbürgermeister Thomas Sprißler zum Thema gründungsfreundliche Kommune Herrenberg. Mit Aktionen und Aktivitäten für die breite Bevölkerung, für Schülerinnen und Schüler und für die Stadtverwaltung soll das Thema „Gründung“ nicht länger als eine Utopie oder ein Randthema wahrgenommen, sondern zentral und bleibend in der Herrenberger Gesellschaft verankert werden. Aber auch bei der direkten Unterstützung der Gründerinnen und Gründer möchte die Stadtverwaltung künftig noch besser wirken: Neben der klassischen Beratung und Unterstützung bietet die Stadt ein Buddy-Programm für den Erfahrungsaustausch mit Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern, (Online-)Seminare, Vernetzungsplattformen, Aktionstage und Messebeteiligungen an. Das Ziel: „Gemeinsam mit Gründungs-Expertinnen und -Experten aus der Praxis eine Gründungskultur in Herrenberg anlegen, die zur Stadt passt und die sich organisch entwickelt“, so Sprißler weiter. Der Wettbewerb „Gründungsfreundliche Kommune“ ist dabei Teil des Wachstumsprozesses. „Es ist uns wichtig, den gesamten Prozess der Gründung zu begleiten: Von der ersten Idee, die mit vielen Fragen einhergeht, über die Anmeldung des Unternehmens bis hin zum offenen Ende“, so Reichert. „Wir als Wirtschaftsförderung verstehen uns hierbei als eine Art ‚Gründungsservicebüro‘, das die nötigen Kontakte herstellt und im Sinne eines Verwaltungslotsen vermittelt und Türen öffnet.“
 
Angebote für Gründende
Seit 2017 bietet die Stadt Herrenberg dazu bereits das Gründungsmeeting an, neu dazu kam im Juli 2020 die sogenannte Gründungssprechstunde, bei der die angehenden Gründerinnen und Gründer eine Erstberatung durch die Senioren der Wirtschaft wahrnehmen können. In Planung ist zudem zusätzlich zum Coworking- und Gründungszentrum ein dauerhaftes Pop-up-Raumangebot in der Stadt, das wechselhaft von Unternehmen bespielt werden kann. Durch die Infrastruktur bereits bestehender Firmen, die die Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer beispielsweise für das Erstellen eines ersten Prototyps nutzen können, möchte die Wirtschaftsförderung darüber hinaus etwaigen Werkstattbedarf decken. Zudem sind für Gründende im ersten Gründungsjahr Raumnutzungsgutscheine geplant.
 
Weitere Informationen
Weiterführende Informationen gibt es auf der Homepage der Stadt Herrenberg unter www.herrenberg.de/gründung