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Vom Rasen zur Streuobst- und Blütenwiese


Ein Teil der Aktiven der Bürgergruppe „Obstbaumfreunde Schwarzwaldstraße“ nach getaner Pflanzarbeit.
Ein Teil der Aktiven der Bürgergruppe „Obstbaumfreunde Schwarzwaldstraße“ nach getaner Pflanzarbeit.

Vor gut drei Jahren haben engagierte Bürgerinnen und Bürger in der Schwarzwaldsiedlung begonnen, dem Insektensterben vor der eigenen Tür entgegenzuwirken. Ein schmaler Grünstreifen entlang des Schauinslandweges wurde aus dem Mähplan der Technischen Dienste herausgenommen und von den „Obstbaumfreunden Schwarzwaldstraße“ selbst gemäht. Neben wildwachsenden Kräutern und Gräsern sind nun auch die ersten Bäume angewachsen. Seit Frühjahr dieses Jahres kümmert sich die engagierte Gruppe um ein weiteres Stückle – und hat aus dem kahlen Rasen an der Schwarzwaldstraße eine Streuobst- und Blütenwiese gemacht.
 
Auf dem Grünstreifen entlang des Schauinslandweges wird kaum gemäht und der Blühzeitraum von wildwachsenden Kräutern und Gräsern abgewartet. Diese Blüten dienen Insekten, wie Wildbienen und Schmetterlingen, als wertvolle Nahrung. Abgeblühte Blütenstände bleiben bewusst stehen. Dort lebende Insekten legen an den Stängeln ihre Eier ab. Auch Vögel bedienen sich im Winter gerne an den getrockneten Samenständen. Nachdem nicht mehr mit großem Gerät gemäht werden muss, konnte die Gruppe die Fläche mit Apfelbäumen und Beerensträuchern bepflanzen. Die Bäume sind gut angewachsen, die ersten Äpfel wurden bereits geerntet. „Derart ermutigt, haben wir im Frühjahr dieses Jahres ein weiteres „Ödland“, das bisher acht bis zehn Mal pro Jahr gemäht wurde, zur Revitalisierung ins Auge gefasst“, berichtet Christoph Zerweck. Das Stückle liegt nicht weit weg vom bisherigen, nämlich an der Schwarzwaldstraße, gleich unterhalb des U-Bogens.

 
Blütenfeuerwerk an der Schwarzwaldstraße

Auch das zweite Projekt der Gruppe hat Rolf Bühler vom Amt für Technik und Grün (TUG) der Stadt gerne unterstützt. Zunächst wurde ein Streifen mit heimischer Blühmischung eingesät. Nach anfänglich zögerlicher Entwicklung wegen der anhaltenden Trockenheit im Frühsommer – die Saat sollte ohne Gießen auskommen –, begann dann doch noch ein wahres Blütenfeuerwerk auf dem kahlen Streifen entlang des Gehweges an der Schwarzwaldstraße. Noch bis Mitte November blühten dort einige Pflanzen und belebten mit ihren Farbtupfern die vorher wenig ansprechende Grünfläche.
 

Alte Apfelsorten gepflanzt

Außerdem hat die Gruppe Anfang November neun alte Apfelsorten auf dem Stückle an der Schwarzwaldstraße gepflanzt, darunter Jakob Fischer, Melrose, Pilot, Gravensteiner und Topaz. „Die Bäume sollen in ein paar Jahren im Frühjahr nicht nur Bienen und andere Insekten mit ihren Blüten ernähren, sondern auch die Menschen mit ihrer Blütenpracht erfreuen, von den reifen Äpfeln ganz zu schweigen“, sagt Michael Heitmeier, einer der Engagierten.
Erschwert wurde die Baumpflanzung durch die Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie, da immer nur eine begrenzte Anzahl an Helfern gleichzeitig arbeiten konnten. „Allen hat die Arbeit dennoch sehr viel Spaß gemacht“, blickt Wolfgang Zwick zurück. „Bestärkt wurden wir in unseren Bemühungen um das Gemeinwohl durch die zahlreichen positiven Rückmeldungen von Passanten und Nachbarn.“ Ein Schild, das auf die Vorteile einer naturnahen Bewirtschaftung hinweist, wurde ebenfalls aufgestellt. Es soll Menschen ermuntern, den eigenen Drang zum „Aufräumen“, also dem Entfernen von Verblühtem, einmal hintenanzustellen, und im Sinne von Insekten und Vögeln mehr „Wildnis“ zuzulassen, auch im eigenen Garten.
 

Kontakt und Finanzierung

Die „Obstbaumfreunde Schwarzwaldstraße“ sind keine geschlossene Gruppe. Interessierte sind jederzeit willkommen. Die Gruppe hofft, dass ihr Bürgerprojekt auch andere Herrenbergerinnen und Herrenberger dazu ermuntert, weniger attraktive oder bislang ungenutzte Brachflächen in ihrer Umgebung in ökologische Biotope zu verwandeln. Interessierte, die noch mitmachen möchten oder sich in ihrem Wohnumfeld ähnliche Aktionen vorstellen können, dürfen sich gerne an die Gruppe wenden unter Telefon 07032 34313.
 
Finanziell unterstützt wird das Projekt durch den Herrenberger Projekte-Pool. Wer selbst aktiv werden möchte und eine Projektidee zum Wohle der Gemeinschaft hat, kann sich an das Team Beteiligung und Engagement der Stadt Herrenberg wenden: E-Mail be@herrenberg.de, Telefon 07032 201 89 71.