Nachricht

Neuer Radkurier-Dienst transportiert klimaneutral


Zu lebenswerten Städten gehört gute Arbeit, nachhaltige Infrastruktur und Mobilität, Gesundheit und Teilhabe der Menschen. Das besagt das 11. Ziel der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung in der Welt. Herrenberg wird sein Leitbild im Sinne der 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – abgekürzt SDGs) der Vereinten Nationen fortschreiben. Gerade Städte spielen eine zentrale Rolle bei der Umsetzung dieser Ziele. Anhand von kommunalen Beispielen stellt die Stadt diese Ziele vor. In diesem Beitrag geht es um den neuen Herrenberger Radkurier-Dienst.
 
Herrenberg hat das Ziel, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu sein. Das ist Claudius Banani und Barbara Will, die den Radkurier-Service Anfang November 2020 ins Leben gerufen haben, zu lang. „Wir wollen hier und jetzt aktiv werden und zeigen, dass Handeln für den Klimaschutz schnell gehen kann“, so Banani. Die Straßen in der Stadt seien überfüllt mit Autos. Das wiederum beeinträchtige nicht nur die Luftqualität erheblich, sondern belaste auch die Gesundheit. Die Radkuriere möchten dem entgegenwirken und bieten eine Alternative, die gut für Mensch und Umwelt ist.

Von der Rikscha zum Radkurier

Nachdem die Fahrrad-Rikscha, die im Auftrag des Stadtmarketing-Vereins Bürgerinnen und Bürger von Mai bis Oktober 2020 umherfuhr, vorerst eingestellt wurde, entwickelte Banani kurzerhand den Prototypen für den Radkurier-Dienst. Als ehrenamtlicher Fahrer der Rikscha hat er die Begeisterung der Herrenbergerinnen und Herrenberger selbst erlebt: strahlende Gesichter der Fahrgäste, freundliches Winken vom Straßenrand und stets ein nettes Gespräch während der Fahrt. „In Herrenberg gibt es großes Potenzial für nachhaltige Transportmodelle. Diese klimafreundliche Alternative zum Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zu haben – das ist innovativ, flexibel und die Menschen kommen miteinander ins Gespräch“, schildert Banani seine Erfahrung als Rikscha-Fahrer. Schnell fand er Mitstreiter für seine Radkurier-Idee und so zählt die Flotte kurz nach der Gründung bereits fünf Kurierfahrerinnen und –fahrer.

Wie funktioniert der Service?

Unternehmen, Einrichtungen, Vereine und Einzelpersonen können die Radkuriere per Telefon oder E-Mail beauftragen. Alle Fahrerinnen und Fahrer sind versichert und die Kuriere sind der Einhaltung des Post- und Datenschutzgeheimnisses verpflichtet. „Von vertraulichen Dokumenten, über Pakete und Apotheken-Transporte, bis hin zu größeren Transporten – all dies gelangt mit uns klimafreundlich von A nach B“, erläutert Barbara Will. Die begeisterte Radfahrerin sieht in dieser Initiative neben dem ökologischen Aspekt auch die persönliche sportliche Betätigung als große Motivation. Die Kuriere sind mit einem Rucksack, der bis zu 39 Liter fassen kann, ausgestattet. Für schwerere Transporte steht ein Anhänger für bis zu 60 Kilogramm Liefermenge zur Verfügung. Das Angebot deckt Herrenberg und alle Stadtteile ab. Pro Lieferung nehmen die Fahrerinnen und Fahrer 5,80 Euro ein. Davon werden laufende Kosten wie zum Beispiel die Versicherung gedeckt. Mit den übrigen Einnahmen sollen gemeinnützige Einrichtungen in Herrenberg finanziell unterstützt werden.

Startunterstützung durch Stadtmarketing-Verein

Zur Unterstützung dieser Idee, die gerade auch in Corona-Zeiten eine wertvolle Hilfe für die Betriebe in der Innenstadt ist, hat sich Herrenberg Stadtmarketing e.V. dazu entschlossen, die ersten Fahrten zu sponsern. Hierbei gilt: Für Mitglieder ist ein Kurierauftrag im Rahmen dieses Kontingents kostenlos, bei Nichtmitgliedern wird die Hälfte des Betrags übernommen. Damit sollen die Betriebe in der Innenstadt die Gelegenheit erhalten, das Angebot auszuprobieren und so auf den Geschmack zu kommen. Ursprünglich war geplant, dieses Angebot auf die ersten 200 Fahrten zu begrenzen. Ganz aktuell wurde aufgrund des jetzigen harten Lockdowns beschlossen, dieses Angebot auszuweiten. Alle Lieferungen von Herrenberger Händlern in der Zeit bis zum 31.12.2020 an Kunden in Herrenberg, werden von Herrenberg Stadtmarketing e.V. wie erwähnt bezuschusst. „Damit leistet der Radkurierdienst nicht nur einen Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise, sondern unterstützt auch die Herrenberger Betriebe bei der Bekämpfung der Folgen des Lockdowns“, erklärt der städtische Wirtschaftsförderer Ralf Heinzelmann.

Zukunftsaussicht

Jetzt soll der Radkurier-Dienst an Bekanntheit gewinnen. Auch die Stadt möchte das Angebot vermehrt nutzen. „Zum Beispiel lassen sich die Stadtkaffee-Bestellungen sehr gut per Rad ausliefern“, erklärt Lena Schuldt, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik bei der Stadt. Madeleine Schrezenmeir, die auf städtischer Seite mit dem Klimafahrplan befasst ist, begrüßt die Initiative der engagierten Radfahrer ebenso: „Zur Erreichung der Klimaneutralität bis spätestens 2050 ist ein Ausbau des Radverkehrs in Herrenberg unerlässlich. Der Radkurier-Dienst ist eine Initiative, von der sowohl die Bürgerinnen und Bürger als auch Herrenberger Unternehmen und Einrichtungen profitieren können und ein Beispiel dafür, dass Klimaschutz auch profitabel sein kann. Wir freuen uns wenn das Projekt Fahrt aufnimmt.“ Übrigens: Wer Interesse hat, als Radkurier tätig zu werden, kann sich direkt bei den Initiatoren melden.

Kontakt zum Radkurier

Montag bis Freitag von 7.45 bis 17 Uhr:
telefonische Auftragsannahme unter 07032-9213603
Nach Auftragsbestätigung erfolgt die Auslieferung am gleichen Werktag bis 20 Uhr
Samstag: Auftragsannahme per E-Mail an info@radkurier-herrenberg.de


Radkurier-Fahrerin Barbara Will
Barbara Will, Mitgründerin des Radkurier-Diensts